Terry McLaurin vom Washington Football Team gehört im seinem zweiten Jahr zu den besten Receivern der NFL. Terry McLaurin vom Washington Football Team gehört im seinem zweiten Jahr zu den besten Receivern der NFL. Imago Images / ZUMA Wire / Cory Royster

Washington Football Team: In Terry McLaurin We Trust

geschrieben/veröffentlicht von/durch  02.12.2020
Das Washington Football Team wird dieses Jahr an Weihnachten so einiges auf seinen Wunschzettel schreiben. Schließlich hat man noch keinen neuen Namen gefunden, einen Quarterback der Zukunft gibt es auch nicht mehr und sowieso befindet sich der Kader trotz guter Position in der schwachen NFC East im Wiederaufbau. Einen Star-Receiver brauchen sich die Ex-Skins allerdings nicht mehr wünschen, den haben sie längst gefunden. Sein Name: Terry McLaurin.

Absehbar war dieser kometenhafte Aufstieg des Drittrundenpicks aus dem NFL Draft 2019 eigentlich nicht. Die Redskins drafteten den ehemaligen Ohio State Buckeye nämlich nicht ausschließlich aufgrund seiner Qualitäten als Passfänger, sondern sahen in ihm vor allem den besten Special Teams Player im gesamten Draft. Dass er Quarterback Dwayne Haskins vom College kannte, war ein willkommener Bonus. Heute ist weder seine Beziehung zu Haskins von großer Bedeutung im Nation’s Capitol, noch wird McLaurins Gesundheit je wieder als Gunner bei der Kick Coverage aufs Spiel gesetzt werden. Sehr zum Leidwesen von Special Teams Coordinator Nate Kaczor.

"Es fühlte sich an, als hätte ich ein tolles Weihnachtsgeschenk ausgepackt", erinnert sich der Coordinator des Washington Football Team lachend an die ersten Tage im Training Camp mit McLaurin. "Dann kam mein Bruder, nahm es mir weg und ich habe es nie wiedergesehen." Bedanken kann sich Kaczor dafür vor allem bei McLaurin selbst, der es den Coaches in Washington vom ersten Tag unmöglich machte, ihn als Special Teams Ace einzusetzen. Seine starke Rookie Saison war dabei nur der Anfang. In seinem zweiten Jahr rangiert McLaurin mit 963 Receiving Yards sowie 87,5 Receiving Yards pro Partie statistisch unter den sechs besten Wide Receivern der gesamten NFL und seine 446 Yards nach dem Catch kann lediglich Saints-Running-Back Alvin Kamara toppen.

Ein Special Teamer in der NFL-Receiver-Elite

Nicht schlecht für einen vermeintlichen Special Teamer, erst recht wenn man bedenkt, dass seine Ausgangsposition in der Offensive Washingtons alles andere als berauschend ist. In 26 NFL-Spielen fing McLaurin schon Pässe von fünf verschiedenen Quarterbacks, die allesamt dem NFL-Arbeitsamt näher standen als der Hall Of Fame in Canton, Ohio. Aber ganz egal ob Case Keenum, Dwayne Haskins, Colt McCoy, Kyle Allen oder Alex Smith den Ball in seiner Richtung schleuderte, Terry McLaurin fing ihn und machte eine Menge damit. An ihm liegt es keineswegs, dass es für die Offense des Washington Football Team bisher in diesem Jahr lediglich für Rang 26 in der NFL reicht. Dafür wird es aber ganz sicher mit an ihm liegen, wenn sie diese Zahl und die eigene Win Percentage in den nächsten Jahren nach oben korrigieren sollten.



Einen positiven Effekt auf den Erfolg seiner Mannschaft hat Terry McLaurin schon lange vor seiner NFL-Karriere. Im ersten Junior Varsity Jahr an der High School maß er gerademal 1,60 Meter und wog schlappe 56 Kilogramm, doch er kämpfte sich in den Folgejahren zu einer immer größeren Rolle an der renommierten Cathedral High School durch. Er gewann in vier Spielzeiten vier State Titel und wurde 2013 sogar zum Mr. Football in Indiana gekürt. Im gleichen Jahr entschied er sich für ein Stipendium an der Ohio State, wofür es aber fast nicht gereicht hätte. Bei einem Football Camp sagte ihm der damalige Coach Urban Meyer, er müsse unter anderem noch an seinen Händen arbeiten, damit er für die Buckeyes interessant ist. Zwei Wochen voller Doppelschichten und knapp 3000 Practice Catches später läuft McLaurin erneut beim Camp auf – mit Erfolg. Nicht nur wegen seiner Arbeitseinstellung wird er fortan zu einem von Meyers Lieblingsschülern.

Terry McLaurin lebt beim Washington Football Team seinen Traum

"Er ist ein selbstloser Anführer, das macht ihn zu etwas Besonderem", so der dreifache National Champion. "Er hat alles, was man braucht, um ein Team um ihn herum aufzubauen. Für ihn hatte ich immer einen besonderen Platz in meinem Herzen." Zwei Mal wurde McLaurin während seiner Zeit in Columbus zum Captain gewählt, er gewann drei Big Ten Titel und schwang sich mit einer starken Senior Season sowie exzellentem Special Teams Tape zum Draft Prospect auf. 11 Receiver wurden vor ihm gewählt, ein Umstand, den er schon bald mit überragenden Leistungen für die damaligen Washington Redskins ad absurdum führen sollte. Schon in seinem Debüt gelangen ihm 125 Receiving Yards inklusive 69-Yard-Touchdown gegen die Philadelphia Eagles, weitere Highlights dieser Art folgten danach fast wöchentlich. Der Trend setzt sich in seinem zweiten Ligajahr fort und er hat sogar merklich an Dynamik gewonnen. Terry selbst genießt jede dabei jede Sekunde.

"Ich lebe meinen Traum", grinst McLaurin mit Blick auf seinen kometenhaften Aufstieg in der NFL. "Als Kind habe ich mir das immer vorgestellt und jetzt ist es Wirklichkeit." Zufrieden ist der bescheidene Receiver allerdings noch lange nicht. "Ich will das absolut Beste aus meiner Zeit in der NFL machen, sowohl auf dem Feld als auch daneben", so der 25-Jährige, der 2019 in All Rookie Team der Liga gewählt wurde. "Ich habe genaue Vorstellungen davon, was ich noch erreichen möchte und arbeite jeden Tag sehr hart dafür." Arbeitseinstellung, Fokus und Ehrgeiz sind nur einige der Gründe, warum das Washington Football Team seinen jungen Receiver nach einer schweren Verletzung vom eigentlichen Captain Landon Collins einstimmig zum neuen Spielführer in Washington machte.

Coaches und Teamkameraden vergöttern "F1 McLaurin"

"Er geht jeden Tag mit gutem Beispiel voran und ist ein wirklich beachtlicher junger Mann", sagt Head Coach Ron Rivera über seinen Schützling. "Er versteht einfach, was es bedeutet, in dieser Liga zu spielen und eine Führungsrolle zu übernehmen." Auch Quarterback-Veteran Alex Smith stimmt in die Lobeshymnen mit ein. "Ich kann gar nicht genug großartige Adjektive finden, um ihn zu beschreiben", adelt der 36-jährige Signal Caller seinen Receiver. "Er ist ein ganz besonderer Spieler, ein ganz besonderer Mannschaftskamerad und ein ganz besonderer Anführer. Mental ist er seinem Alter weit voraus." Solch hochtrabende Worte bestätigt McLaurin, wann immer er sich öffentlich äußert. Bescheiden, ruhig und sachlich weist er jeglichen Hype von sich und unterstreicht, dass viel Arbeit vor ihm liegt. Auch seine zahlreichen Spitznamen – "Scary Terry", "TD Terry", "Mac Mania" oder "F1 McLaurin" – sind ihm fast unangenehm. "Ehrlich gesagt brauche ich gar keinen Spitznamen, ich bin da eher einfach gestrickt", schmunzelt McLaurin ein wenig schüchtern. "Sowas bedeutet eh nichts, wenn man nicht auch auf dem Feld abliefert."



Letzteres tut er allemal. Der 1,83 Meter große Receiver nutzt seine schnellen Beine, seine Athletik, einen kräftigen Oberkörper und dominanten Top Speed dazu, gegnerische Verteidigungen Woche für Woche vor schwierige Aufgaben zu stellen. Dass er dazu jegliche Routen laufen kann und stark mit dem Ball in den Händen agiert, macht ihn zu einem kompletten Receiver, der selbst unter mehr als widrigen offensiven Bedingungen in Washington Bestleistungen zeigt. Nur 11 Spieler haben in der Geschichte der NFL mehr Receiving Yards in ihren ersten 24 Profispielen geholt als McLaurin, selbst der große Jerry Rice rangiert in dieser Rangliste hinter ihm. Was diesen Erfolg im Kern ausmacht, ist eine überragende Einstellung. Diese unterstrich McLaurin vielleicht auf beeindruckendste Weise mit einem defensiven Play. An Thanksgiving gegen Dallas tacklete McLaurin Cowboys-Linebacker Jaylon Smith nach einer Interception kurz vor der Endzone und verhinderte damit den Ausgleich. Er sprintete dafür fast 50 Yards. Das viele Wide Receiver den Ruf von Diven haben, davon braucht man Terry McLaurin nichts erzählen.

Solch vorbildlicher Einsatz ist für das gesamte Team ansteckend und beschreibt in bewegten Bildern, warum McLaurin ein überragender Anführer für sein Team ist. Ein Team, das in der unterirdischen NFC East sogar noch Chancen auf die Playoffs hat. "Alles, was wir wollen, liegt direkt vor uns", schwört McLaurin seine Teamkameraden auf die Zukunft ein. Es ist eine Zukunft, in der er sicherlich noch vieles in Washington erreichen wird. Und wenn das Washington Football Team einen Kader um ihn herum aufbaut, dann kann sich auch die NFL auf noch mehr von Terry McLaurin gefasst machen…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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