Die schwächste Defense der NFL bereitet Bobby Wagner und den Seattle Seahawks Kopfschmerzen. Die schwächste Defense der NFL bereitet Bobby Wagner und den Seattle Seahawks Kopfschmerzen. Imago Images / Icon SMI / Andy Lewis

Seattle Seahawks: Torpediert die Defense die gesamte Saison?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  18.11.2020
Offense wins games, defense wins championships… das alte Sprichwort hat so ziemlich jeder Freund des amerikanischen Sports schon hunderte Male gehört. Das liegt daran, dass in der Regel an der alten Floskel etwas dran ist. Auch in der NFL geht ganz ohne Verteidigung nichts, schon gar nicht in den Playoffs. Es sind schlechte Nachrichten für die Seattle Seahawks, deren Entschuldigung einer Verteidigung ihre gesamte Saison zum Scheitern bringen könnte.

Es ist nicht so, als würden die Seattle Seahawks es nicht selber wissen und als würden sie nicht alles versuchen, um das Problem ihrer eklatant schwachen Defense zu lösen. Nicht umsonst holte man zu Saisonbeginn Safety Jamal Adams für einen horrenden Preis von den New York Jets und angelte sich vor wenigen Wochen Pass Rusher Carlos Dunlap von den Cincinnati Bengals. Nicht umsonst sehen sich Pete Carroll und sein Staff jede Woche mit Fragen zur defensiven Performance konfrontiert.

Geholfen haben weder personelle Nachbesserungen noch blumige Versprechungen in so mancher Pressekonferenz. Die Verteidigung der Seahawks, einst das große Aushängeschild des Super Bowl Champions von 2013, ist im Begriff, die vielleicht schlechteste Saison auf das Feld zu zaubern, die sich jemals ein Team in der NFL erlaubt hat. Es klingt nicht nur dramatisch, es ist es auch.

Seahawks steuern auf NFL-Negativrekord zu

Seattle lässt im Moment 448,1 Yards pro Partie zu, der bisherige NFL-Negativrekord liegt bei 440,1 zugelassenen Yards von den 2012er New Orleans Saints. Die Gegner machen im Schnitt 29,6 Punkte gegen Seattle, nur vier Teams lassen in dieser Saison noch mehr zu. Gerade letzter Wert könnte zu einem großen Problem werden. Von den 66 Teams in der Geschichte der NFL, die 28 oder mehr Punkte pro Spiel zugelassen haben, schafften es lediglich die St. Louis Rams aus dem Jahr 2000 in die Playoffs. Da war dann allerdings schon in der Wild Card Round Schluss.

Ein ähnliches Schicksal droht nun den Seahawks, sollten sie es in die Postseason schaffen. Sie laufen Gefahr, eine bisher historisch starke Offense um einen zumindest in der ersten Saisonhälfte überragenden Russell Wilson mit ihren defensiven Schwierigkeiten zu vergeuden und eine eigentlich hoffnungsvolle Saison zu torpedieren. Die Gründe dafür sind vielschichtig und einige davon plagen die Franchise aus der NFC West nicht erst seit dieser Spielzeit.

Seattles Passverteidigung erlaubt reichlich Flugverkehr

Der Passverteidigung mangelt es nicht nur an Talent, sondern viele der vorhandenen Spieler hatten in dieser Saison bereits mit Verletzungssorgen zu kämpfen. Quandre Diggs ist der einzige Starter in der Secondary, der noch kein Spiel verpasst hat. Sein Partner Jamal Adams stieß erst kurz vor Saisonbeginn zur Mannschaft, womit in Anbetracht der eh schon eingeschränkten Offseason Abstimmungsprobleme vorprogrammiert waren. Adams, der vielleicht beste Box Safety der Liga, hat seine Stärken ohnehin eher an der Line Of Scrimmage, womit viel von der Verunsicherung und Konfusion der Vorjahre bestehen blieb.

Marginalisiert werden die Schwierigkeiten in der Secondary durch einen in dieser Saison oftmals zahnlosen Pass Rush. Seattle gelangen 2020 bisher 19 Sacks in neun Spielen, sieben davon stammen aus dem Spiel gegen Buffalo. Eine Partie, die man mit 44:34 verlor und in welcher Bills-Quarterback Josh Allen 415 Passing Yards auf das Scoreboard bugsierte. Die Pressure Rates und weiteren Werte der Seahawks machen ebenfalls Sorgen. Jegliche Versuche, schematisch den Schwierigkeiten Herr zu werden, scheiterten bis jetzt. Blitz Packages starten oft zu spät oder mit wenig Verschleierung, in Man oder Zone Defense klaffen viel zu große Abstände zwischen den Spielern und oftmals scheinen nicht alle elf Verteidiger an einem Strang zu ziehen.

Hoffnung auf Besserung? Warum nicht!

Bei dieser Faktenlage ist es nicht verwunderlich, dass so mancher die berufliche Zukunft von Defensive Coordinator Ken Norton Jr in Frage stellt. Der Ex-Pro-Bowl-Linebacker lenkt seit 2018 die defensiven Geschicke der Seahawks und die Ergebnisse sind alles andere als berauschend. Viel mehr lässt sich ein Trend erkennen, denn die Seahawks erlauben in jedem Jahr unter "KNJ" mehr Yards als in der Saison davor. Bei Amtsantritt lagen sie ligaweit auf Rang 16, 2019 fiel das Team auf Platz 26 in dieser Statistik und in diesem Jahr ist es bisher die rote Laterne. Hierbei darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Verteidigung auch das Steckenpferd von Meistercoach Pete Carroll ist und er enorm in Vorbereitung und Play Calling involviert ist. Vielleicht sogar zu viel.

Mögliche Trainerwechsel, historisch schlechte Zahlen, eventuell sogar einen All Time NFL Negativrekord… man möchte meinen, dass die Seahawks ihre Spielzeit und vor allem ihre hochgesteckten Ziele unter diesen Umständen vergessen können. Noch ist allerdings nicht aller Tage Abend. Zuletzt gab es punktuelle Verbesserungen, wie in Halbzeit gegen die Los Angeles Rams am vergangenen Sonntag. In der Lineup stehen genug Hochkaräter, die in einer eventuellen Postseason den Ton angeben könnten. Manchmal reicht es, wenn eine Mannschaft kurz vor den Playoffs heiß läuft und in einer ihrer Units einen guten Lauf erwischt. Viel braucht es ja gar nicht, schließlich haben die Hawks ja noch Russell Wilson und ihren potenten Angriff.

Und Spiele kann eine Offense ja auch hier und da gewinnen, sagt ein altes Sprichwort…

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