Statue vor dem Panthers-Stadion: Gründer Richardson und die Raubkatzen Statue vor dem Panthers-Stadion: Gründer Richardson und die Raubkatzen IMAGO / Icon SMI

Replay: Keep Pounding - die Geschichte der Carolina Panthers

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Dirk Krasky 20.03.2021
Die Carolina Panthers sind seit ihrer Gründung im Oktober 1993 nun 27 Jahre im Business der NFL dabei, wenngleich sie erst mit der Saison 1995 den Spielbetrieb aufnahmen. Wegzudenken sind sie dabei schon längst nicht mehr. Was sicherlich auch daran liegt, dass sie nie das Etikett einer “Grauen Maus“ hatten. Sondern ganz im Gegenteil, das Team in blau, schwarz, silber und weiß legte wie die Feuerwehr los.


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Im Vergleich zu den meisten anderen Franchises ist die Geschichte der Carolina Panthers somit recht kurz. Dennoch sind die Panthers ein Team, das schon durch etliche Höhen und Tiefen gegangen ist. Gleich in ihrer zweiten Saison erreichten sie das NFC-Finale, mussten danach aber sechs Jahre auf ihre zweite Playoff-Teilnahme warten. Es folgten Triumphe und Tragödien, zu den Postseason-Dauerkandidaten gehört Carolina aber erst seit dem Beginn der Cam-Newton-Ära. Nichtsdestotrotz blieb der große Titelgewinn den Panthers bisher verwehrt.

Alles begann mit Jerry Richardson

26. Oktober 1993: Es war an einem Dienstag im Oktober 1993, als von den damals 28 Team-Eigentümern die Carolina Panthers als 29. Mitglied der National Football League aufgenommen wurden. Bereits sechs Jahre zuvor hatte der Unternehmer Jerry Richardson angekündigt, ein NFL-Team in den beiden US-Bundesstaaten North und South Carolina etablieren zu wollen. Charlotte, in North Carolina, ist der Firmensitz der Franchise, welche seit 1996 im 75.412 Zuschauer fassenden Bank of America Stadium ihre Heimspiele austrägt, nachdem die Heimauftritte der ersten Saison im Memorial Stadium von Clemson in South Carolina ausgetragen wurden. Richardson, ein ehemaliger Wide Receiver der Baltimore Colts, war Mitbegründer der Schnellrestaurantkette Hardee´s. Zudem erweiterte er seine geschäftlichen Bereiche um das Unternehmen Richardson Sports, dessen Kerngeschäft Team Baseball Caps sind. Der anerkannte Marktführer in dieser Sportproduktbranche produziert auch Kopfbedeckungen für die Werbebranche, den Fachhandel, den College-Lizenzmarkt und Handelsmarken.

Jerome Johnson “Jerry“ Richardson wurde am 11. Juli 1936 in Spring Hope im US-Bundesstaat North Carolina geboren. 1959 wurde er vom damaligen Champion, den Baltimore Colts, in der 13. Runde gedraftet. Richardson war in zwei Spielzeiten für Baltimore aktiv und spielte unter anderem mit Quarterback-Legende Johnny Unitas zusammen. Gemeinsam gewannen sie eine weitere NFL-Meisterschaft. Nach seiner aktiven Karriere war Richardson neben den bereits genannten Unternehmen auch CEO von Flagstar, dem sechstgrößten Lebensmittelunternehmen der USA. 1993 wurde er der erste ehemalige NFL-Spieler seit George Halas (Gründer und Mitbesitzer der Chicago Bears, Spitzname “Papa Bear“), der Eigentümer einer Franchise wurde.

In seiner Zeit als Owner der Panthers blieb Richardson größtenteils im Hintergrund und griff nur selten in die täglichen Operationen der Panthers ein. Am 17. Dezember 2017 gab Richardson bekannt, dass er “seine“ Panthers verkaufen würde. Vorausgegangen war ein Bericht der Sports Illustrated, in welchem von mindestens vier ehemaligen Angestellten Richardsons die Rede war. Diese hatten signifikante, monetäre Abfindungen aufgrund von rassistischen und sexuellen Anspielungen am Arbeitsplatz ihres Owners erhalten. Eine unabhängige Untersuchung bestätigte die Vorwürfe gegen Richardson, welcher mit den Abfindungen seine ehemaligen Mitarbeiter zum Schweigen hatte bringen wollen. Die NFL belegte daraufhin den scheidenden und Milliarden-schweren Richardson wegen Fehlverhaltens am Arbeitsplatz mit einer Geldstrafe in Höhe von 2,75 Millionen US-Dollar.

Mann mit “Eiern“: David Tepper übernimmt

Am 22. Mai 2018 genehmigten die NFL-Eigentümer den Kauf der Carolina Panthers durch den Hedge-Fonds-Manager David Tepper. Für die Rekordsumme von 2,2 Milliarden US-Dollar ist Tepper seitdem der neue Owner der Franchise aus Charlotte. Damit übertraf er die bis dato teuerste Klubübernahme der Geschichte: 2014 wurden die Buffalo Bills für 1,4 Milliarden verkauft. Tepper stach mit dieser Summe seine Konkurrenten, zu denen neben Ben Navarro, einem Geschäftsmann aus South Carolina, auch namhafte Show- und Sportgrößen wie Sean Combs, alias “P-Diddy“, und Stephen Curry, NBA-Star, gehörten, aus.

David Alan Tepper ist gute zwei Dekaden jünger als sein Vorgänger. Er kam am 11. September 1957 in Pittsburgh, Pennsylvania, zur Welt. Er erwarb 1978 einen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der University of Pittsburgh und 1982 den Master an der Carnegie Mellon University. 1985 wurde Tepper von Goldman Sachs, einem weltweit tätigen Investmentbanking- und Wertpapierhandelsunternehmen rekrutiert. Nachdem er es mehrere Jahre erfolglos versucht hatte, Partner bei Goldman Sachs zu werden, verließ Tepper 1992 das Unternehmen und versuchte sein Glück auf eigenen Beinen. Mit Appaloosa Management stieg er dann auch tatsächlich in ungeahnte Sphären auf. So wurde Tepper 2009 der erfolgreichste Hedge-Fonds-Manager des Jahres. Seinen bislang größten Coup landetet Tepper 2008, als er nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers höchst aggressiv Bankaktien unter anderem der Bank of America und Citigroup kaufte.

Tepper wettete sogar darauf, dass der Staat diese Banken niemals fallen lassen würde. Er sollte Recht behalten, die Kurse erholten sich und Tepper strich Milliarden ein. Seitdem vergrößert er seinen persönlichen Reichtum kontinuierlich, sein geschätztes Vermögen soll bei etwa 13 Milliarden US-Dollar liegen. Tepper zählt damit zu den 100 reichsten Personen der Welt. Im Jahr 2009 kaufte er fünf Prozent der Anteile der Pittsburgh Steelers. Aufgrund der Tatsache, dass er als Steelers-Teileigentümer den Prüfungsprozess zum Erwerb eines NFL-Teams umgehen konnte und der Zusage, das Team in Charlotte zu behalten, ging der Zuschlag an den 61-Jährigen.

Seine Anteile an den Steelers musste Tepper allerdings abgeben. Die Wahl von Tepper traf nicht überall auf Zustimmung. Tepper gilt als Alphatier. In seinem Unternehmen Appaloosa Management arbeiten hauptsächlich männliche Angestellte. In seinem Büro besitzt Tepper einen Glücksbringer in Form einer Skulptur von überdimensionalen Messing-Hoden mit dem Schriftzug: “Das wertvollste Set aller Zeiten“. In einem Interview aus dem Jahr 2010 sagte Tepper: “Wenn jemand ein Arschloch ist, wie etwa ein Kellner in einem Restaurant, denke ich, ich könnte einfach diesen Laden kaufen und dann diesen Typen entlassen.“ Tepper bezeichnet sich selbst gerne als “Mutter Teresa des Finanzmarktes“ und sieht sich als “normalen Mann der oberen Mittelschicht, der zufällig auch Milliardär ist“. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob die NFL nicht bei ihrer Wahl von Tepper zum neuen Owner der Carolina Panthers, den alten Owner, Jerry Richardson, durch eine jüngere Version ausgetauscht hat?

Die Heimat der Panthers

Charlotte ist die größte Stadt des US-Bundesstaates North Carolina. Die Einwohnerzahl beträgt knapp 850.000 Menschen, womit Charlotte bevölkerungsreicher als etwa Seattle, Detroit oder Boston ist. In der Metropolregion rund um Charlotte leben etwa 2,47 Millionen Menschen. Seinen Namen verdankt die Stadt einer Deutschen - der Gemahlin des englischen Königs George III, Charlotte von Mecklenburg-Strelitz. Die auch “Queen City“ genannte Stadt ist Hauptsitz der größten US-Bank, der Bank of America. Aber auch andere Unternehmen wie die Baumarktkette Lowe´s, das Luftfahrtunternehmen UTC Aerospace Systems und Amerikas größter Stahlproduzent Nucor Steel haben hier ihren Hauptsitz aufgeschlagen.

Charlotte liegt etwa auf halbem Weg zwischen Atlanta und Washington D.C., nur wenige Kilometer von der Grenze zu South Carolina entfernt. Die Stadt beheimatet zudem das NBA-Team der Charlotte Hornets und gilt auch als Mekka des NASCAR, einer in den Vereinigten Staaten populären Motorsportserie. Auf dem Lowe´s Motor Speedway finden jedes Jahr mehrere Rennen der Serie statt. Mit bis zu 165.000 Zuschauern ist die Rennstrecke eine der größten der NASCAR-Serie. Die Mehrheit der NASCAR-Teams, viele Fahrer und mehr als zwei Drittel der Motorsport-Angestellten wohnen in und im Umkreis von Charlotte. Im Jahr 2010 wurde in Charlotte die NASCAR Hall of Fame eröffnet. Doch zurück zum Football.

Keep Pounding

Gleich in ihrer ersten NFL-Saison kam die neue Franchise zu 7 Siegen bei 9 Niederlagen. Sehr beachtlich für den Neuling, der damals noch in der NFC West startete. Diese setzte sich aus den Teams der San Francisco 49ers, Atlanta Falcons, New Orleans Saints, Los Angeles Rams und eben den Panthers zusammen. Mit ihrem ersten Head Coach Dom Capers, einem ehemaligen Defensive Coordinator der Pittsburgh Steelers, schafften es die Panthers in ihrer zweiten Saison gleich bis in das NFC Championship Game. 2002 wurde die NFL auf 32 Teams aufgestockt und die Panthers spielten ab sofort in der NFC South. Die “alte“ Rivalität mit den Falcons und den Saints konnte in der neuen Division munter weiter gehen.

In der Saison 2003 gelangten die Panthers zum ersten Mal in den Super Bowl, mussten sich dort allerdings den New England Patriots denkbar knapp geschlagen geben. Trotzdem hatte das junge Team landesweit für viel Aufsehen gesorgt und nicht nur in Charlotte viele Sympathien dazugewonnen. 2010 war die Franchise aus Carolina mit einer Bilanz von 2 Siegen bei 14 Niederlagen das schlechteste Team der gesamten NFL. Mit Ron Rivera, einem ehemaligen Mitglied der “Monsters of the Midway“ und 1985er Meistermannschaft der Chicago Bears, wurde ein neuer Head Coach eingesetzt, welcher die Raubkatzen bis 2019 fest in seinem Griff hat. Seit der vergangenen Saison liegen die Hoffnungen auf Head Coach Matt Rhule, der einen Vertrag über sieben Jahre erhielt und die Panthers mittelfristig zu einem Titel-Kandidaten formen soll.

So wie 2015, als den Panthers ein 15-1-Run gelang. Mit ihrer Power Offense um Star-Quarterback und Liga-MVP Cam Newton stürmten sie erneut in den Super Bowl. Dort trafen sie auf Peyton Manning mit seinen Denver Broncos. Im Spiel der Spiele schafften es die Raubkatzen nicht, mit den Wildpferden mitzuhalten und bissen sich ihre Zähne an ihnen aus. Somit wurde auch zum zweiten Mal in der Geschichte der Franchise ein Super Bowl verloren. Seit 2012 ist auf der Innenseite der Trikots der Schriftzug “Keep Pounding“ eingenäht.

Mehr zur Historie der Carolina Panthers gibt es in dieser Print-Ausgabe von TOUCHDOWN24.

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