Josh Allen spielt bis dato eine herausragende Saison. Josh Allen spielt bis dato eine herausragende Saison. imago images / ZUMA Press

Overtime Week 3 – Josh Allen for MVP?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  29.09.2020
In „Overtime – der Wochenrückblick“ wirft Touchdown24-Redakteur Daniel Wolf jeden Dienstagmorgen einen etwas anderen Blick auf die Spiele der vergangenen Woche. Heute: Josh Allens überragender Start in die Saison, die Abhängigkeit der Saints von Alvin Kamara und das vielleicht größte Fragezeichen des Jahres 2020 – Carson Wentz.


Josh Allen auf MVP-Kurs?

Ok, ich gebe es zu: Ich war noch nie der größte Fan von Josh Allen (außer von „Fantasy-Josh-Allen“, ich liebe „Fantasy-Josh-Allen“). Über seine ersten beiden Jahre in der Liga zeigte er zwar häufiger sein Upside, doch auch immer wieder haarsträubende Fehler, die Buffalo unter anderem das Playoff-Spiel gegen Houston im Vorjahr kosteten. Er war inakkurat, gerade bei Deep Balls, und verließ sich oftmals zu sehr auf seine athletischen Fähigkeiten, die gute Defense-Coaches aber mit einem soliden Gameplan kontern konnten.

Das alles sehen wir zwar auch noch von Zeit zu Zeit bei „2020-Josh-Allen“, doch der 24-Jährige hat in diesem Jahr unter Offensive Coordinator Brian Daboll – einer der am meisten unterschätzen Playcaller der Liga – einen enormen Sprung gemacht. Allen trifft seine Deep Balls mittlerweile mit einer Genauigkeit und Konstanz, die beeindruckend ist. Die Bills helfen ihrem jungen Quarterback zwar mit viel Motion und Play-Action, Defenses zu lesen, doch es ist immer noch Allen, der die Entscheidungen treffen muss.

Die Frage bei den Bills vor dieser Saison waren nie der Kader oder das Coaching – beides ist exzellent. Es war, ob Allen noch einen Sprung nach vorne machen kann. Und bis dato kann die Antwort auf diese Frage nur „ein eindeutiges Ja“ heißen. Russell Wilson und Aaron Rodgers sind im MVP-Race zwar (noch) klar vor Allen, doch der laut Pro Football Focus sechstbeste Passer der jungen Saison ist definitiv in der Diskussion.

 

Die „New Orleans Kamaras“ - ist es Zeit für Jameis Winston?

Alvin Kamaras Schultern müssen selbst am heutigen Dienstag noch weh tun, so sehr hat er die New Orleans Saints bei der knappen Niederlage im Sunday Night Game gegen die Green Bay Packers gecarried. Drew Brees zunehmende Armschwäche war auch gegen Aaron Rodgers und Co. wieder deutlich zu sehen, weswegen er das Ei meistens kurz warf. Der Empfänger von ganzen 13 solcher „Dumpoffs“ - Alvin Kamara. Nicht falsch verstehen: Kamara ist ein absolutes Ausnahmetalent und er bewies das am Sonntag wieder einmal eindrucksvoll (19 Touches, 197 Yards, 2 Touchdowns).

Doch irgendwann wird selbst die Defense der New York Jets einen Weg finden, diese Offense zu verteidigen (ok, vielleicht nicht zwingend die Jets, aber der Gedankengang ist klar). Fakt ist: Die Saints haben ihren Cap Space über Jahre hinweg immer wieder angepasst, um mit einem alternden Brees um den Titel mitzuspielen. In den vergangenen Jahren war es eine Mischung aus Pech und schwachen Schiedsrichterleistungen, die New Orleans vom Super Bowl getrennt haben.

In diesem Jahr könnte Brees' Arm für den ganzen großen Wurf nicht mehr ausreichen. Das bringt Head Coach Sean Payton in eine Zwickmühle: Will er darauf vertrauen, dass Brees mit der baldigen Rückkehr von Michael Thomas wieder zu alter Form aufläuft? Oder kommt er zu dem Schluss, das der 41-Jährige keinen Playoff-Run mehr in sich hat? Ist Letzteres der Fall, wissen wir alle, was das bedeutet: Es ist wieder Jameis-Winston-SZN!

 

Quo vadis, Carson Wentz?

Wollen die Eagles in diesem Jahr eigentlich Spiele gewinnen? Eine faire Frage, wenn wir einen Blick auf das Overtime-Spiel gegen die Cincinnati Bengals am Wochenende werfen. Statt mit knapp 20 Sekunden auf der Uhr für ein (zugegebenermaßen sehr) langes Game-Winning-Field-Goal zu gehen, punteten die Eagles den Ball und nahmen ein Unentschieden in Kauf, das wohl keinem der beiden 0:2-Teams weiterhilft. Glück für die Eagles, dass keine Fans im Stadion waren, denn das Pfeifkonzert hätten wir auch in Deutschland noch gehört.

Die Eagles sind damit das erste Mal seit mehr als 20 Jahren ohne Sieg in den ersten drei Spielen in die Saison gestartet und sind weit weg vom Contender-Status, den sie bei vielen vor der Spielzeit innehatten. Die größte (Negativ-)Überraschung ist Carson Wentz. Der ehemalige MVP-Kandidat hatte einen grauenhaften Start in die Saison und liegt in nahezu allen relevanten Quarterback-Statistiken unter den letzten Fünf.

Das wirft die Frage auf: Wie lange kann Doug Pederson Wentz noch das Vertrauen schenken, wenn Zweitrunden-Pick Jalen Hurts bereits an der Seitenlinie wartet? Hurts wäre mit Sicherheit eine Wildcard, aber was hat Philadelphia noch zu riskieren? Mit seinen Fähigkeiten als Runner würde er dem Team sogar eine höhere Base-Line geben. Ein Tausch vor dem Spiel gegen die San Francisco 49ers scheint zwar unrealistisch, ist auf die Saison hinweg aber für mich keinesfalls ausgeschlossen.

 

Ist die Trubisky-Ära in Chicago vorbei?

Bears-Fans, ihr könnt aufatmen, denn die Ära von Mitchell Trubisky als Starting-Quarterback könnte (endlich) vorbei sein. Nach einer weiteren grausamen Interception gegen die Falcons zog Matt Nagy Konsequenzen und schickte den ehemaligen Super-Bowl-MVP Nick Foles ins Rennen, der die Bears in klassischer Falcons-Manier von einem zweistelligen Rückstand zurückführte.

Dass beide Quarterbacks im Laufe des Jahres Snaps sehen würden, davon konnten wir mit ziemlicher Sicherheit ausgehen Die Reißleine für Trubisky, der sich im Training Camp gegen Foles durchsetzte, schien aber trotz eines 2:0-Starts sehr kurz zu sein, wenn Nagy bereits in Woche 3 die Quarterbacks wechselt. Deswegen glaube ich auch, dass Nagy ab jetzt auf Foles setzen wird, auch wenn er sich direkt nach dem Spiel in klassischer „Coach-Speak“ noch nicht festlegen wollte.

Foles gibt dem Team eine andere Aggressivität und erlaubt Nagy, eigentlich ein erstklassiger Playcaller der „Andy-Reid-Schule“, sein Playbook deutlich zu erweitern. Das werden die Bears in einer Division gegen Aaron Rodgers auch benötigen.

Und noch einer "for the road":


 

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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