Patrick Mahomes und die Kansas City Chiefs nehmen die Titelverteidigung ins Auge. Patrick Mahomes und die Kansas City Chiefs nehmen die Titelverteidigung ins Auge. imago images / ZUMA Wire

Overtime Week 12 – Wer soll diese Chiefs stoppen?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  30.11.2020
In „Overtime – der Wochenrückblick“ wirft Touchdown24-Redakteur Daniel Wolf jeden Dienstagmorgen einen etwas anderen Blick auf die Spiele der vergangenen Woche. Heute: Warum die Chiefs der glasklare Favorit auf den Titel sind, die Denver Broncos nicht von der NFL benachteiligt wurden und Anthony Lynn vielleicht nicht der richtige Coach für die Chargers ist.


Die Chiefs sind der einzige, klare Titelkandidat

Dieser Sonntag war nicht das letzte Mal, dass die Chiefs in diesem Jahr in Tampa Bay spielen. Denn sollte im Februar trotz aller Corona-Probleme wie geplant der Super Bowl in Florida stattfinden, sehe ich nicht, welches Team die Chiefs auf dem Weg dorthin aufhalten soll. Das Wort „Machtdemonstration“ trifft nicht im Geringsten den Kern des Ganzen, das sich zwischen den Chiefs und Bucs im ersten Viertel der Spitzenpartie in Woche 12 abspielte.

Die Chiefs überrollten die Buccanneers und zeigten einmal mehr, warum es in der heutigen NFL schwierig ist, sein Team über die Defense aufzubauen. Die Bucs versuchten, Tyreek Hill mit dem bis dato starken Carlton Davis in Man-Coverage zu verteidigen, um sich anderswo gute Matchups zu verschaffen. Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Schachzug mächtig in die Hose ging. Hill ließ Davis wie einen College-Freshman aussehen und holte bereits im ersten Viertel über 200 Receiving-Yards und zwei Touchdowns.

Dass die Partie in der Schlussphase doch noch einmal eng wurde, lag mehr daran, dass Kansas City nach der Pause dem Fuß vom Gas nahm. Und das ist das Beängstigende: Bislang reicht den Chiefs selbst gegen elitäre Gegner wie Tom Brady eine gute Hälfte, um Spiele zu dominieren. Sollte die Offense in den Playoffs für vier Viertel ihre Leistung abrufen, dann Gute Nacht, Rest der Liga. Die Chiefs und Patrick Mahomes sind derzeit das mit Abstand beste Team der Liga und haben ihr eigenes Potenzial noch nicht einmal voll ausgeschöpft.

 

Die Denver Broncos wurden nicht benachteiligt

Eines hat mich am Wochenende genervt und das waren die Behauptungen, die Liga würde die Ravens bevorzugen, indem sie ihnen Aufschub für ihr Spiel gewährten, während sie die Broncos gezwungen hätte, trotz ihrer kuriosen Quarterback-Situation zu spielen. Man kann die Protokolle der NFL zwar kritisieren, doch ihr eine Bevorzugung vorzuwerfen, ist absurd. Ganz im Gegenteil: Die Liga hält sich konstant an ihre eigenen Regelungen. Die Ravens und mittlerweile auch die Steelers hatten noch bis zum Tag des Spiels positive Tests, der Test von Jeff Driskel, in dessen Folge alle Broncos-QBs in Quarantäne mussten, kam bereits am Donnerstag.

Offensichtlich haben sowohl die Broncos als auch die Ravens den Corona-Ausbruch bis zu einem gewissen Maß selbst verschuldet, indem sie die Maskenpflicht ignoriert haben. Dafür wird die NFL sie bestrafen – wie die Saints, die aufgrund ihrer Kabinenparty nach dem Sieg über die Bucs unter anderem einen Siebtrundenpick verloren. Die Broncos mussten im Gegensatz zu den Ravens aber spielen, weil der positive Test drei Tage vor dem Spiel war – nicht wie bei den Ravens noch am gleichen Tag des Spiels.

Es geht nicht darum, Baltimore einen Aufschub zu geben, weil wichtige Spieler wie Lamar Jackson oder Mark Andrews positiv getestet wurden – diese dürfen ja auch am Mittwoch nicht spielen. Stattdessen lag der Fokus darauf, sicherzustellen, dass die Ravens als Auswärtsteam nur mit Spielern nach Pittsburgh reisen, die sicher nicht ansteckend sind. Bei den Broncos war man davon überzeugt, das sah übrigens auch Coach Vic Fangio so, dass es ausreicht, die Quarterbacks zu isolieren. Ein krasser Gegensatz zur Situation in Baltimore, wo jeden Tag neue Positiv-Tests aus allen Positionsgruppen des Teams auftauchten.

 

Ist Lynn noch die Zukunft der Chargers?

Es wird über die letzten Wochen immer schwieriger, für einen Verbleibt Anthony Lynns als Coach der LA Chargers zu argumentieren. Sein In-Game-Coaching ist von Woche zu Woche fragwürdig, um es einmal vorsichtig auszudrücken. Gegen die Bills am Sonntag ließ Lynn kurz vor der Halbzeit in der Hälfte von Buffalo etwa die Uhr fast komplett herunterlaufen, um anschließend doch ein Timeout zu nehmen und den Ball bei 4th and 2 zu punten. Eine Sequenz, bei der man als neutraler Beobachter nur den Kopf schütteln konnte.

Dazu kamen ein weiterer Punt in Rückstand kurz vor Schluss und die Runs an der Goalline zum Ende des Spiels ohne Timeouts. Defensiv leben die Chargers schon lange nur noch von ihrer individuellen Klasse, obwohl sie mit ihrem Talent auch ohne einen Derwin James eigentlich eine der besseren Units der Liga stellen müssten. Natürlich war auch einiges an Pech dabei, dass die Chargers bei einer Bilanz von 3:8 stehen. Aber nicht jedes Spiel kann auf Pech zurückgeführt werden und irgendwann muss auch Lynn in der Kritik stehen.

Mit Justin Herbert haben die Chargers ihren Quarterback für die Zukunft gefunden. Nun stehen die Verantwortlichen in Los Angeles vor der Frage, ob Lynn der passende Coach für diese Zukunft ist. Oder ob sie sich doch für einen der heißen Coaching-Anwärter wie Eric Bienemy von den Chiefs entscheiden. Um ein wenig Eigenwerbung zu betreiben: Bienemy und weitere Kandidaten haben wir uns in unserer nächsten Magazin-Ausgabe näher angeschaut – reinschauen lohnt sich!

Heimlich, still und leise – die Browns auf dem Weg in die Playoffs

Gibt es etwas, das das Jahr 2020 besser beschreibt, als die Tatsache, dass die Cleveland Browns mit einer Bilanz von 8:3 derzeit ein klares Playoff-Team sind? Jahrelang das schwächste Team der Liga, scheint Kevin Stefanski an den richtigen Schrauben gedreht zu haben. Die Browns definieren sich immer mehr über ihr Laufspiel und sind dank zweier Premium-Backs in Nick Chubb und Kareem Hunt in der Lage, diesen Spielstil über 60 Minuten durchzuziehen.

Doch so sehr ich wie vermutlich jeder andere NFL-Fan den Browns diesen Erfolg gönne – das Team macht noch immer zu viele Fehler, um als echter Contender zu zählen. Am Sonntag entging Cleveland nur hauchscharf einer Blamage gegen Mike Glennons Jaguars, in der Woche zuvor schlug man die desaströsen Eagles ebenfalls nur knapp. Ich weiß: A win is a win, aber gerade gegen diese Gegner hätten mir die Browns mehr zeigen müssen. Die Titans werden am nächsten Wochenende eine ganz andere Hausnummer und sind ein guter Standort-Test für die Browns.

Vor allem fällt es mir schwer, Baker Mayfield zu vertrauen. Gegen die Jaguars hatte er zwar eines seiner besseren Spiele, verpasste aber erneut einen völlig offenen Receiver in der Endzone. Sollten Myles Garrett und Denzel Ward in der Defense zurückkehren, könnten die Browns ihren Playoff-Spot zwar halten – gerade angesichts des zusätzlichen siebten Startplatzes pro Conference. Doch langfristig muss sich Cleveland die Frage stellen, ob Mayfield die Antwort auf Quarterback ist. Die nächsten Wochen werden in seiner Beurteilung eine bedeutende Rolle spielen.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden