Carson Wentz spielt bis dato die schwächste Saison seiner Karriere. Carson Wentz spielt bis dato die schwächste Saison seiner Karriere. imago images / Icon SMI

Overtime Week 11 – Ist die Zeit von Wentz abgelaufen?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  23.11.2020
In „Overtime – der Wochenrückblick“ wirft Touchdown24-Redakteur Daniel Wolf jeden Dienstagmorgen einen etwas anderen Blick auf die Spiele der vergangenen Woche. Heute: Warum ein Quarterback-Tausch die Saison der Eagles retten könnte, das Saisonfazit zu Joe Burrow nach seiner Verletzung und das große Fragezeichen namens Taysom Hill.


Ein Quarterback-Tausch in Philly ist unvermeidlich

Wie lange müssen wir uns Carson Wentz noch anschauen, bis Doug Pederson in Philadelphia endlich die Quarterback-Frage stellt? Im Dauerregen von Cleveland zeigte Wentz einmal mehr eine grausame Vorstellung, leistete sich zwei Picks, darunter ein Pick-Six, und nahm fünf Sacks, darunter eine Safety. Konnte man zu Saisonbeginn noch die zahlreichen Verletzungen im Supporting-Cast als Ausrede anführen, ist dieses Argument angesichts der Rückkehr von Jalon Reagor, Dallas Goedert und Co. nicht mehr länger gültig.

Zwar sind die Playdesigns in der Offense nach wie vor erschreckend schwach, doch Wentz selbst ist oft der Grund dafür, dass diese Offense Woche für Woche Turnover produziert. Er ist langsam in seinen Reads und macht teils absurde Fehler, weswegen er die Liga in Interceptions anführt. Auch das Argument, er stehe hinter der angeschlagenen O-Line zu oft unter Druck, zieht nicht richtig: Wentz ist laut Pro Football Focus einer der schwächsten Passer aus einer sauberen Pocket heraus. Anlass auf Besserung gibt es derzeit nur wenig. Der einzige Hoffnungsschimmer: In der NFC East ist Philly nach wie vor auf Platz 1.

Das ist meiner Meinung nach auch der Grund, warum Pederson nicht schon längst auf Zweitrundenpick Jalen Hurts setzt. Doch um es einmal ganz klar zu sagen: Kann Hurts wirklich noch schlechter spielen als das, was Wentz Woche für Woche zeigt? In Philadelphia muss endlich über den Quarterback gesprochen werden – alleine deswegen, um herauszufinden, ob Hurts eine langfristige Lösung ist. Oder ob in der Offseason Quarterback ganz oben auf der Prioritätenliste der Eagles steht.

Ist Taysom Hill ein langfristiger Starter?

Es war der wohl kurioseste Vertrag des vergangenen Jahres, als die New Orleans Saints ihrem Backup-Quarterback Taysom Hill ohne wirkliche Not 16 Millionen Dollar für das Jahr 2021 gaben, in dem Hill noch unter seinem Free Agent Tender weiterspielen hätte können. Im Prinzip haben die Saints einem 30 Jahre alten Gadget-Spieler und Special-Teamer einen teuren Vertrag gegeben, der die Franchise quasi dazu zwingt, nicht doch auszutesten, ob Hill ein legitimer Nachfolger für Drew Brees sein kann, sollte dieser seine Karriere in den nächsten Jahren wie erwartet beenden.

So war es nur eine kleine Überraschung, als Sean Payton zu Beginn der letzten Woche durchblicken ließ, dass Hill als Ersatz für Brees (Rippenbruch) gegen Atlanta starten wird. Es schien von Anfang an der Plan der Saints zu sein: Winston kommt ins Spiel, sollte sich Brees innerhalb eines Spiels verletzen. Doch mit einer ganzen Woche Vorbereitung auf den nächsten Gegner sollte es die „Taysom-Hill-Show“ werden. Aber hat uns Hill gegen die schwächste Passverteidigung der Liga genug gezeigt?

Die Antwort: Eher nein. Das lag zu einem großen Teil aber auch daran, dass die Saints eine sehr einfache Offense spielten, um Hill möglichst einfache Reads zu geben. Einen designten QB-Run, eigentlich ja die Spezialität von Hill, sahen wir in der ersten Hälfte gar nicht. Als die Saints Hill in Abschnitt zwei dann mehr laufen ließen, fand er auch besser in seinen Rhythmus. Dennoch: In der Pocket war Hill alles andere als gut, verpasste offene Receiver und erkannte Druck erst spät. Daher würde ich davon abraten, Hill trotz letztlich guter Zahlen im Boxscore jetzt schon zum nächsten Saints-Starter auszurufen.

 

Saison-Aus mit Ansage: Wie lautet das Fazit für Joe Burrow?

Wenn uns das bittere Saison-Aus von Joe Burrow (Kreuzbandriss) eines lehrt, dann, wie wichtig eine gute Offensive Line für die Zukunft eines Quarterbacks doch ist. Andrew Luck war das beste Beispiel, der nach Jahren hinter einer non-existenten Line und regelmäßig über 40 Sacks pro Saison seine Karriere an den Nagel hängte – zu sehr haben die ständigen Hits seinem Körper Tribut gezollt. Nun will ich Burrow nicht eine solche Zukunft prophezeien – doch die Verletzung kam angesichts des Schweizer Käses, den Cincy seine O-Line nennt, nicht gänzlich überraschend.

Natürlich ist es bitter, dass es gleich ein Kreuzbandriss ist und ich weiß, das hätte auch einem besser geschützten Quarterback passieren können – Derek Carr war vor einigen Jahren das beste Beispiel, als er sich beim einzigen Sack, den Left Tackle Donald Penn in der gesamten Saison zuließ, das Kreuzband riss. Dennoch: Die Bengals luden Pressure auf ihren jungen Quarterback gerade zu ein, der den Ball bereits schnell loswurde. Die Offensive Line muss für Cincinnati die Priorität Nummer eins, zwei und drei in der Offseason sein.

Und Burrow selbst? Der kündigte in den sozialen Netzwerken bereits an, er sei so leicht nicht unterzukriegen. Was der First-Overall-Pick in diesem Jahr aber bereits andeutete – ein gutes Verhalten in der Pocket, akkurate Würfe und eine nicht zu unterschätzende Athletik – sollte Bengals-Fans optimistisch stimmen. Burrow war für mich der Frontrunner für den „Offensive Rookie of the Year“. Diesen Titel wird sich nun wohl Justin Herbert bei den Chargers schnappen.

 

Eine Ära endet: Die Pats vor dem Rebuild

Mit der knappen Pleite gegen die Houston Texans ist auch das letzte bisschen Hoffnung der New England Patriots auf die Playoffs Geschichte. Die Patriots stehen jetzt bei einer Bilanz von 4-6 und müssten bei einem ambitionierten Rest-Schedule (u. a. Cardinals, Rams und Bills) mehrere Spiele gutmachen – das ist für mich fast ausgeschlossen. Damit ist der Umbruch in Foxborough immer mehr Realität und mit ihm kommen Fragen wie: Ist Cam Newton der Quarterback der Zukunft? Oder gehen die Pats in einen kompletten Rebuild inklusive Rookie-Quarterback? Und würde Bill Belichick den überhaupt mitgehen?

New England hat Cap Space und sollte in diesem Draft so früh picken wie seit vielen Jahren nicht mehr. Gerade auf der defensiven Seite des Balles hat das Team nach wie vor Talent – woran es fehlt, sind offensive Playmaker. Denn auch wenn es die reinen Stats nicht wiedergeben – Cam Newton spielt nach seinem kurzen, Corona-bedingten Slump wieder eine gute Saison und zeigt sich vor allem als Passer verbessert. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Cam mit besseren Waffen um sich herum noch einen Playoff-Run in sich hat.

Es kommt also darauf an, was New England selbst will: Sollte man den Newton-Weg gehen, steht in der Offseason die Receiver-Position weit oben auf der „To-do-Liste“. Mit Damiere Byrd, Jacobi Meyers und Runningback Damien Harris haben die Patrios zudem einige talentierte Waffen für die Zukunft. Gehen die Patriots aber den kompletten Umbruch ein, werden einige Stars wie Newton oder Stephon Gilmore die Franchise wohl verlassen. Und auch ein Abgang Belichicks ist für mich dann nicht ausgeschlossen.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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