Die Eagles haben noch immer keinen Abnehmer für Carson Wentz gefunden. Die Eagles haben noch immer keinen Abnehmer für Carson Wentz gefunden. IMAGO / Icon SMI

Overtime – Woran hapert es im Wentz-Trade-Drama?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  15.02.2021
Warum wurde Carson Wentz noch immer nicht getradet? Das ist eine Frage, die sich tausende Football-Fans in Deutschland und auf der Welt in den letzten Tagen gestellt haben. Nachdem bereits Anfang Februar bekannt wurde, dass ein Wentz-Trade kurz bevor stehen würde, hat sich seitdem herzlich wenig getan. Anscheinend sind interessierte Teams wie die Chicago Bears oder Indianapolis Colts (noch) nicht bereit, den geforderten Preis der Eagles zu zahlen. Doch die Probleme gehen noch tiefer.
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Bevor wir komplett in die Materie eintauchen, sollten wir zwei Dinge festhalten.

Erstens: Wentz wird mit großer Sicherheit noch immer getradet. Es gibt keine Berichte über eine mögliche Versöhnung zwischen Spieler und Franchise und wie John Clark von NBC Sports berichtete, wollen sich einige junge Wideouts der Eagles demnächst mit Jalen Hurts treffen, um am Timing ihrer Routes zu arbeiten. Die ganze Geschichte ist einfach zu weit fortgeschritten, es gibt kein Zurück mehr.

Zweitens: Aus Eagles-Sicht kann sich das Trade-Fiasko nicht viel länger hinziehen. Die Franchise will das Thema mit Sicherheit nicht bis in die Frühlings-Workouts verschleppen und sich bis dahin noch nicht auf einen Anführer der Offense festgelegt haben.

Wentz-Trade: Letzte Deadline 19. März?

Das bedeutet: Die Chancen sind nach wie vor hoch, dass Wentz vor dem 19. März getradet wird. Zu diesem Stichtag wird ein 10-Millionen-Dollar-Bonus im Vertrag des 28-Jährigen fällig, der seinen Dead-Cap bei einem Trade von 33,8 auf 43,8 Millionen Dollar anheben würde. Die erste Zahl wäre bereits der größte Dead Cap Hit in der Geschichte der NFL, die zweite Zahl würde den bisherigen Rekord (Jared Goff, 22,2 Millionen) beinahe verdoppeln. Wir können sicher sein, dass General Manager Howie Roseman, in Fachkreisen für seinen guten Umgang mit dem Salary Cap bekannt, ein solches Horror-Szenario aus finanzieller Sicht um jeden Preis vermeiden will.

Werfen wir aber einmal alle Vernunft beiseite und gehen davon aus, dass bis zum 19. März nichts passiert. In diesem Fall wäre ein Wentz-Trade nach dem 01. Juni für den Cap Space der Eagles im Jahr 2021 mit einem Cap Hit von knapp 19,3 Millionen Dollar tatsächlich sogar besser. Das ist für Eagles-Fans aber längst kein Anlass zur Freude, denn der Dead Cap würde nicht einfach verschwinden, sondern über zwei Jahre aufgeteilt werden. Anstatt 2022 den Deal endlich hinter sich zu lassen, würde Wentz nach wie vor mit mehr als 24 Millionen gegen den Cap schlagen. Auch das liegt wohl kaum im Interesse Philadelphias.

Warum wurde Wentz bislang nicht getradet?

Wie verschiedene Quellen in den USA berichten, soll Roseman einen Blick auf den Stafford-Trade zu den Los Angeles Rams geworfen haben und sich beim Preis für Wentz an dessen Kompensation (Jared Goff, zwei Future-First-Rounder und ein Drittrundenpick 2021) orientieren. Während Teams bei Stafford nach über 160 Spielen aber relativ sicher sind, was sie bekommen, ist das bei Wentz alles andere als klar. Hinzu kommt, dass Roseman in seiner Zeit bei den Eagles bereits mehrfach Quarterbacks über ihrem Wert getradet hat. Ein gutes Beispiel ist Sam Bradford, für den Roseman vor dem Beginn der 2016er-Saison einen Erstrundenpick von den Minnesota Vikings herausquetschte. Das will Rosemann wohl auch mit Wentz probieren.

Während Stafford aber wohl auf der Quarterback-Rangliste jedes Teams irgendwo zwischen Platz 7 und 15 liegt, war Wentz im letzten Jahr nicht mal in den Top 25. Teams könnten Wentz eher mit Goff als mit Stafford vergleichen und deswegen nicht gewillt sein, den hohen Preis zu zahlen. Außerdem gibt es nach wie vor zu viele Unklarheiten in der Free Agency, was Quarterbacks betrifft. Russell Wilson zeigte zuletzt seine Unzufriedenheit in Seattle und über Deshaun Watsons Situation wissen wir alle Bescheid. Neben den beiden Hochkarätern geistern weitere Namen wie Kirk Cousins, Matt Ryan, Sam Darnold oder Cam Newton durch die Medien.

Es ist eine Sache, mehrere First-Round-Picks für einen gestandenen NFL-Quarterback wie Stafford auszugeben. Es ist etwas ganz anderes, denselben Preis für einen Quarterback mit einem guten Jahr in der Liga von einem General Manager zu fordern, der stattdessen einen Move für Watson machen könnte oder sich Jameis Winston für ein Jahr und einen deutlich geringeren Cap Hit in sein Team holt.

Wie könnte ein Wentz-Trade aussehen?

Niemand weiß genau, was Teams bislang für Wentz geboten haben, aber mehrere Quellen in den USA glauben, dass bislang nur die Bears und Colts ernsthafte Angebote für den Super-Bowl-Champion von 2017 abgegeben haben. Das letzte Angebot der Colts soll zwei Zweitrundenpicks umfasst haben. Der Deal würde für beide Seiten Sinn ergeben: Die Colts haben den Cap Space, um den teuren Wentz-Vertrag zu schlucken, benötigen dringend einen Quarterback und sind nicht in der Position, an Position 21 einen zu draften oder um die echten Hochkaräter auf dem Markt mitzuspielen. Außerdem kennen sich Colts-Coach Frank Reich und Wentz noch aus ihrer gemeinsamen Zeit in Philly.

Die Eagles brauchen Draft-Picks, um mit ihrem begrenzten Cap Space gute Starter aufs Feld zu bringen. Und bei zwei Zweitrundenpicks könnte Roseman gegenüber den Team-Ownern und der Liga auch sein Gesicht bewahren. Die Bears, der andere ernsthafte Interessent, sollen ihr Interesse in den letzten Tagen immer mehr zurückgezogen haben. Ein Tausch-Geschäft mit Nick Foles, der Super-Bowl-Legende der Eagles, plus Draft-Picks in irgendeiner Form würde aber ebenfalls Sinn ergeben.

Foles wäre ein guter Backup für die Eagles in dem Fall, dass Hurts sich nicht als verlässlicher Starter erweist – was durchaus möglich ist, schließlich hat Hurts im Vorjahr selbst nicht gerade Bäume ausgerissen. Doch Stand jetzt deutet alles darauf hin, dass es Hurts sein wird, der Philadelphia im September 2021 als Starter aufs Feld führt. Wohin es Wentz dagegen verschlagen wird, ist noch völlig unklar. Die nächsten Tage werden spannend in der Stadt der brüderlichen Liebe.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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