Antoine Winfield (#31) zählte zu den besten Rookies 2020. Antoine Winfield (#31) zählte zu den besten Rookies 2020. IMAGO / Icon SMI

Overtime – Wer hatte 2020 den besten Draft?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  23.02.2021
Zu sagen, dass es die diesjährige Rookie-Klasse im Vergleich zu denen der vergangenen Jahre schwerer hatte, ist eine krasse Untertreibung. Das minimierte Offseason-Programm in Kombination mit dem Ausfall der Preseason hat es Rookies fast unmöglich gemacht, direkt die Art von Impact zu haben, die wir über die Jahre gewohnt waren. Die Zahlen verdeutlichen das: Laut Pro Football Focus (PFF) haben nur 45 Rookies im Jahr 2020 mehr als 25 Snaps pro Spiel gemacht und ein Grade von mindestens 60,0 erhalten – das sind ganze 15 weniger als im Vorjahr und der tiefste Wert seit 2011.
6,50 € inkl. MwSt. TD24 Heft 43 - MAR 2021 Noch 74 vorhanden Zum Produkt


Dem neutralen NFL-Beobachter mag es angesichts von spektakulären Leistungen wie denen von Minnesotas Justin Jefferson, Tampa Bays Antoine Winfield Jr. oder Justin Herbert von den LA Chargers gar nicht so drastisch aufgefallen sein, aber Corona hat hier auf jeden Fall seine Spuren hinterlassen. Glücklicherweise gab es doch ein paar Ausnahmespieler, die sich direkt in ihrem ersten Jahr in die Top-Riege der NFL vorgespielt haben. Heute werfe ich einen Blick auf fünf Teams, die Stand heute meiner Meinung nach die besten Drafts hatten.

5. Kansas City Chiefs


Nennenswerte Picks:

  • Clyde Edwards-Helaire, RB, 1. Runde/32. Pick
  • Willie Gay Jr., LB, 2/63
  • L'Jarius Sneed, CB, 4/138

Für viele mögen die Chiefs direkt die erste große Überraschung sein und ja, Top-Pick Edwards-Helaire hatte nicht den offensiven Einfluss, den sich viele – nicht nur Fantasy-Manager – von ihm erhofft haben. Ich bin noch nie ein großer Freund davon gewesen, einen Runningback so früh im Draft zu nehmen, da Runningback-Produktion relativ einfach zu ersetzen ist und es wichtiger ist, wertvollere Positionen zuerst anzugehen. Trotzdem: Mit der Auswahl von Gay Jr. und Sneed in den späteren Runden haben die Chiefs womöglich zwei echte Steals gelandet und verdienen sich einen Platz in meinen Top 5.

Der beste Pick: Viertrundenpick L'Jarius Sneed könnte einer der größten Steals im Draft gewesen sein. Ich gebe zu, nach einem Jahr ist eine solche Aussage gewagt, doch Sneed zeigte sowohl als Outside Cornerback (164 Coverage-Snaps) als auch als Slot-Cornerback (171 Snaps) hervorragende Leistungen. Slot-Cornerbacks haben angesichts des ligaweiten Shifts hin zu mehr 11-Personell und Vier-Receiver-Sets einen immer höheren Wert und Sneed hat sein Limit noch lange nicht erreicht.

4. Washington Football Team


Nennenswerte Picks:
 

  • Chase Young, DE, 1/2
  • Antonio Gibson, RB, 2/66
  • Kamren Curl, S, 7/216

Das Washington Football Team war die einzige Franchise mit zwei Rookies mit einem PFF-Grade über 80: Chase Young und Antonio Gibson. Es war keine große Überraschung, dass Young – von Experten bereits vor dem Draft als eines der besten Prospects seit Jahren eingeschätzt – letztlich den Award als Defensive Rookie of the Year abgeräumt hat. Dass aber der Runningback-Receiver-Hybrid Gibson bereits im ersten Jahr einen signifikanten Einfluss auf die Offense hatte, war in dieser Form nicht unbedingt zu erwarten.

Der beste Pick: Young wäre hier die natürliche Wahl, aber für mich war die Auswahl Curls in der siebten Runde der größere Value für Washington. Nach dem Ausfall von Star-Safety Landon Collins zur Hälfte der Saison wurde Curl ins kalte Wasser geschmissen und zahlte das Vertrauen aber so was von zurück. Er kam im Jahresverlauf auf ganze 37 defensive Stopps, der zweitbeste Wert für einen Rookie in der NFL-Geschichte (hinter Derwin James).

3. Indianapolis Colts


Nennenswerte Picks:

  • Michael Pittman Jr., WR, 2/34
  • Jonathan Taylor, RB, 2/41
  • Julian Blackmon, S, 3/85

General Manager Chris Ballard hebt seit dem Beginn seiner Amtszeit in Indianapolis im Jahr 2018 die Bedeutung von Zweitrundenpicks und Picks allgemein im Draft hervor und der Erfolg gibt ihm bislang recht. Mit Darius Leonard hat Ballard in seinem ersten Draft als Colt bereits einen Homerun gelandet und auch Pittman und Taylor waren in ihrem ersten Jahr sofort wichtige Eckpfeiler der Colts-Offense. Es war der zweite von drei starken Drafts, die Ballard in Indy hingelegt hat, was seinen Ruf als einer der besten Talent-Sichter noch einmal bestätigt.

Der beste Pick: Julian Blackmon wechselte erst in seinem letzten Jahr auf dem College in Utah auf die Safety-Position, weswegen er im Draft bis in Runde 3 fiel. Über die ersten elf Wochen war Blackmon ein echter Konkurrent für Young um den DPOY-Award, doch spät in der Saison traf ihn ein wenig die Rookie-Wall. Dennoch: Blackmon zeigte eine Menge guter Ansätze und sollte in seinem zweiten Jahr in der Liga einen weiteren Schritt nach vorne machen.

2. Cincinnati Bengals


Nennenswerte Picks:

  • Joe Burrow, QB, 1/1
  • Tee Higgins, WR, 2/33
  • Logan Wilson, LB, 3/65

Es gibt nichts Wichtigeres in der NFL, als einen Franchise-Quarterback zu finden. Selbst wenn der Rest eines Teams auf allen Positionen hervorragend besetzt ist, hält es mangelnde Qualität auf der QB-Position in neun von zehn Fällen zurück. Mit Burrow sollte die Suche der Bengals beendet sein, aber auch die Auswahl von Higgins in der zweiten Runde war ein voller Erfolg. Es würde mich nicht wundern, wenn das Duo über die nächsten Jahre beständig zu den besten Quarterback-Receiver-Paaren der Liga zählt.

Der beste Pick: Sollte sich Burrow von seiner schlimmen Knieverletzung in Woche Elf vollständig erholen, haben die Bengals endlich einen echten Franchise-Quarterback in ihren Reihen. Burrow zeigte trotz einer schwachen Offensive Line vor sich alle Attribute, die ihn bereits auf dem College auszeichneten: Präzision, gute Bewegungen in der Pocket und eine unterschätzte Athletik. Besonders beeindruckend: Burrow leistete sich laut PFF ligaweit die wenigsten selbstverschuldeten Incompletions aus einer sauberen Pocket heraus.

1. Tampa Bay Buccanneers


Nennenswerte Picks:

  • Tristan Wirfs, OT, 1/13
  • Antoine Winfield Jr., S, 2/45
  • Tyler Johnson, WR, 5/161

Mit Wirfs und Winfield Jr. haben die Bucs in den ersten beiden Runden echte Homeruns gelandet. Wirfs hat für einen Rookie historisch gute Zahlen in Sachen Pass-Protection aufgelegt und Winfield hat nicht nur im Super Bowl gegen Kansas City, sondern bereits während der gesamten Saison gezeigt, warum er über Jahre hinweg zu den Top-Safeties der Liga zählen wird. Der Impact von gleich mehreren Rookies war einer der Gründe, warum sich Tampa Bay vor wenigen Wochen Super-Bowl-Champion nennen durfte.

Der beste Pick: Wirfs war zwar bockstark, aber einen Spieler wie Winfield in der zweiten Runde abzustauben, ist wohl die Definition von „Value“. Winfield war nicht nur einer der besten Safeties gegen den Lauf, sondern zeigte mit zwei Strip-Sacks auch sein Talent als Pass Rusher. Er verpasste kaum Tackles und kam selbst in Coverage auf fünf Interceptions oder Pass-Breakups.


Honorable Mentions: Los Angeles Chargers, Minnesota Vikings, Buffalo Bills

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden