Russell Wilson und Pete Carroll hatten am ersten Spieltag sichtlich Spaß bei der Arbeit. Russell Wilson und Pete Carroll hatten am ersten Spieltag sichtlich Spaß bei der Arbeit. imago images / ZUMA Wire

Overtime – Chefkoch Wilson und Super-Cam mit Traum-Debüt

geschrieben/veröffentlicht von/durch  14.09.2020
In „Overtime – der Wochenrückblick“ wirft Touchdown24-Redakteur Daniel Wolf jeden Dienstagmorgen einen etwas anderen Blick auf die Spiele der vergangenen Woche. Und der erste Sonntag der Saison war geradezu gespickt mit interessanten Storylines, unter anderem Russell Wilsons „Befreiung“ und Cam Newtons Traumstart im Jersey der Patriots.


Let Russ cook!“ Chefkoch Wilson zaubert vier Touchdowns aufs Menü

Das schmackhafteste Menü des Wochenendes gab es für Football-Fans in Atlanta, wo sich alle Pete-Carroll-Kritiker verwundert die Augen rieben. Die Seahawks, sonst trotz eines Top3-Quarterbacks chronisch ans Laufspiel gebunden, warfen den Ball häufiger als fast jedes andere Team auf First und Second Down, wenn wir die Garbage Time am Ende des Spiels herausrechnen. Das Ergebnis: Russell Wilson (31/35, 322 yds., 4 TD, Passer-Rating über 143) nahm die bemitleidenswerten Falcons nach Strich und Faden auseinander.

Fast schon unheimlich: Selbst bei 4th and 5 gingen die Hawks nicht vom Gaspedal und wurden prompt mit einem langen Touchdown auf D.K. Metcalf belohnt. Am Ende des Tages standen bei Seattle 35 Pässe und 19 Runs zu Buche, obwohl sie das ganze Spiel über in Führung lagen. Lassen Carroll und Offensive Coordinator Brian Schottenheimer Wilson weiterhin so viel Verantwortung, könnten wir eine spektakuläre Saison des 31-Jährigen erleben – MVP-Titel nicht ausgeschlossen!

Als Nächstes auf dem Speiseplan Wilsons: Die New England Patriots im Sunday Night Game!

Super-Cam is back! Endlich machen die Patriots Spaß

Während sich Tom Brady in seinem ersten Spiel als Buccanneer geschlagen geben musste, zeigte sein altes Team, dass es auch in diesem Jahr Ambitionen auf den Division-Sieg hat. Der Grund dafür: Cam Newton. „Super-Cam“ setzte nicht nur modisch das erste Ausrufezeichen der Saison, sondern brachte auch sportlich seinen Flair ins Gillette Stadium.

 


Lange Zeit wurde spekuliert, wie die Offense der Pats mit dem ehemaligen MVP aussehen würde, am Sonntag haben wir die Antwort gesehen: Run-Option-Plays, designte QB-Runs und ein ausgeprägter Fokus auf das Play-Action-Game. Nichts gegen Brady und sein chirurgisches Kurzpassspiel – aber diese Patriots machen zum Zusehen doch deutlich mehr Spaß.

Nun müssen wir natürlich ein wenig auf die Hype-Bremse treten: Es waren „nur“ die Dolphins und das Spiel war bis zum letzten Snap harte Arbeit. Doch diejenigen, die die Bills bereits im Driver-Seat auf die Division sahen, dürfen anfangen zu schwitzen. Denn Super-Cam ist zurück. Und er will am Sonntag gegen die Seahawks für den ersten richtig großen Schocker sorgen.

 

Same Old Lions“: Patricia schon auf dem Schleudersitz?

Mein Beileid an alle Lions-Fans, die sich am Wochenende vor Frust vermutlich wieder einmal die Haare ausreißen mussten. In einem Spiel, in dem die Löwen über mehr als drei Viertel wie die sicheren Sieger aussahen, gaben sie den Auftakterfolg gegen die Bears noch aus der Hand. Es waren die „Same Old Lions“, die unter Matt Patricia bereits das elfte (!!) Mal eine Führung im Schlussviertel verspielten.

 

 

Die Niederlage hatte alle Zutaten eines typischen Lions-Chokes: Ein später Pick von Matthew Stafford, die eine oder andere „blown“ Coverage und natürlich der fallengelassene Game-Winner von Rookie-Back DeAndre Swift. Nicht zu vergessen die bizarre Disqualifikation von Linebacker Jamie Collins, der bei der Vorführung einer illegalen Helmnutzung auf Zidanes Spuren wandelte und dem Schiedsrichter einen (zugegebenermaßen sanften) Kopfstoß verpasste.

Der Druck auf Head Coach Matt Patricia, der bereits angezählt in die Saison ging, könnte vor dem Division-Duell mit den Packers nicht größer sein.

 

Bradys Bucs haben noch eine Menge Arbeit vor sich

Die Tampa Bay Buccanneers machten am Sonntagabend den Eindruck eines Pro-Bowl-Teams – ein Ensemble von Superstars, das aber noch nicht lange genug zusammengespielt hat, um ein echtes Team zu sein. Die Bucs hätten wirklich das eine oder andere Vorbereitungsspiel gebrauchen können. So aber waren Brady und Co. gegen eine eingespielte Saints-Truppe deutlich im Nachteil. New Orleans musste selbst nicht einmal besonders viel offensiv zeigen, um einen souveränen Sieg einzufahren.

Das zeigt: Es liegt noch reichlich Arbeit vor Bruce Arians und seinem Coaching-Staff. Brady selbst muss sich enorm steigern, ist er doch der erste Quarterback seit Matt Schaub und Blaine Gabbert im Jahr 2013, der in drei aufeinander folgenden Spielen einen Pick-Six geworfen hat. Eine wenig schmeichelhafte Gesellschaft. Und dennoch: Ich will noch nicht so weit gehen, dass Bradys Akku leer ist – er ist zu ehrgeizig, um diese Niederlage einfach so auf sich sitzen zu lassen.

Das Heimspiel gegen die Carolina Panthers am nächsten Sonntag könnte für den 43-Jährigen wie gemalt sein, um ein wenig Frust abzubauen und die ersten Zweifler verstummen zu lassen.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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