Neu-Patriot Jonnu Smith sagt: Guckt mal, mein neuer Kontoauszug von der Bank of New England! Neu-Patriot Jonnu Smith sagt: Guckt mal, mein neuer Kontoauszug von der Bank of New England! Imago Images / Icon SMI / Matthew Maxey

NFL Free Agency - Frühe Gewinner, späte Verlierer

geschrieben/veröffentlicht von/durch  17.03.2021
Die NFL Offseason ist in vollem Gange und in der Free Agency rüsten einige Teams schon an den ersten wirklich bedeutenden Tagen der Sommerpause mächtig auf. Allen voran schmeißt Bill Belichick von den New England Patriots mit Dollars um sich und versucht, an vergangene glorreiche Tage anzuknüpfen. Dafür scheinen andere General Manager den Pin für ihr Telefon vergessen zu haben und glänzen mit Inaktivität. Nur ist eben in der NFL Free Agency nicht unbedingt so, dass Stillstand Rückschritt bedeutet. Manchmal sogar eher das Gegenteil!

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Wie viele vergangene Sommer in der National Football League gezeigt haben, bedeutet der "March Super Bowl", also das dank haufenweise teurer Neuverpflichtungen vermeintlich beste Abschneiden in der Free Agency Periode, noch lange keinen Erfolg im Herbst. Im Gegenteil, oft hinken die Offseason Champions den Erwartungen eher hinterher, sehen sich schnell einem finanziellen Kater ob der herausgeschmissenen Unsummen gegenüber und werden nicht selten von ruhiger agierenden Teams überflügelt.

Man denke nur an jüngste Beispiele wie das 2011er "Dream Team" der Philadelphia Eagles (um unter anderem Not-So-Lockdown-Corner Nnamdi Asomugha), die Washington Redskins im Jahr 2009 (Albert Haynesworth anyone?) oder auch den letzten erfolglosen Kaufrausch der New York Jets von 2019 (Le’Veon Bells Jersey gibt es mittlerweile von der Resterampe). Schauen wir uns mit diesen warnenden Beispielen im Hinterkopf doch einfach mal einige der aktuellen Deals an und wählen ein paar frühe Gewinner, ein paar mögliche späte Verlierer und lokalisieren den einen oder anderen Ligatrend aus dem Wahnsinn heraus.

Gewinner, die schnell zum Verlierer werden können: New England Patriots

Ein Jahr mussten sich viele Journalisten zurückhalten, jetzt darf man das "Evil Empire" in New England wieder mit Lobeshymnen überhäufen. Bill Belichick holt früh in der Offseason das Scheckbuch heraus und sammelt Free Agents wie andere Leute Paninibilder. Die prominentesten Neuverpflichtungen sind die beiden Tight Ends Jonnu Smith und Hunter Henry, Linebacker Matthew Judon sowie Ex-Raider Nelson Agholor. Headlines machten die Deals zweifellos, nur das vermeintliche Erfolgsrezept kann man sich noch nicht wirklich als leckeres Postseason-Mahl vorstellen.



Was hätte man wohl über die Dolphins oder die Jets gelacht, wenn sie nach zwei Drittrunden-Tight-Ends im vergangenen Draft jetzt zwei der vier teuersten Tight Ends der Liga bezahlen? Einen, der in fünf Jahren 25 Spiele verletzungsbedingt verpasst hat, und einen, der nie mehr als 448 Receiving Yards verbuchen konnte? Bill Belichick will mit Nachdruck wieder ganz vorne mitspielen, besser als vorgestern sind die Pats auch auf jeden Fall. Doch von einem echten Contender kann man in New England längst noch nicht wieder sprechen.

Mit Ruhe und Bedacht zum Gewinner: New York Jets

Während New England quasi im Minutentakt Deals eintütete, bekam so mancher Fan der Gang Green schon Schnappatmung in den ersten Stunden der NFL Legal Tampering Period. Die Verpflichtung von Lions-Bust Jarrad Davis haute auch niemanden so wirklich vom Hocker. Spät in der Nacht allerdings ließ General Manager Joe Douglas mit Carl Lawson und Receiver Corey Davis noch zwei Hasen beziehungsweise Free Agents aus dem Hut hüpfen.

Allesamt sind die bisherigen Verpflichtungen zu vernünftigen Konditionen erfolgt, füllen gravierende Löcher im nach Talent durstenden Kader und sie verbauen in keinster Weise den immer noch andauernden Rebuild. Im Gegenteil. Die neuen Spieler sollten es dem neuen Coaching Staff leichter machen, die jeweiligen Mannschaftsteile nach ihren Vorstellungen umzubauen und passen jeweils perfekt ins Profil von Head Coach Robert Saleh und Offensive Coordinator Mike LaFleur.

Verschlafene Verlierer im Nordwesten: Seattle Seahawks

Unmenschlich viel Cap Space haben die Seattle Seahawks vor dieser Offseason nun wirklich nicht zur Verfügung gehabt. Aber wie andere prominente Beispiele beweisen (zum Beispiel die beiden Super Bowl Teams der vergangenen Saison) gibt es in der NFL immer eine Möglichkeit, mit ein bisschen finanzieller Trickserei ein paar Milliönchen locker zu machen. Das aber weder das klappte noch Top-Cornerback Shaquill Griffin gehalten werden konnte, passt ins Bild der letzten Monate.

Diese sind immer noch vom Trubel um Franchise-Quarterback Russell Wilson geprägt, der wohl aufgrund der jüngsten Entwicklungen auch keine Flasche Schampus in seiner Villa geköpft hat. Am meisten wird den Superstar ärgern, dass es seinem Arbeitgeber anscheinend an einem echten Konzept fehlt, um die seit Jahren poröse Offensive Line endlich sattelfester zu gestalten.

Der Gewinner mit der Schubkarre voll Geld: Drew Rosenhaus

Die Tage, an denen ein Typ namens "League Sources" immer besonders redselig ist, sind auch die heißeste Phase des Jahres für die Spieleragenten der National Football League. Warum Drew Rosenhaus zu den besten eben jenes Faches gehört, verraten unter anderem satte 250 Millionen Gründe. Das war das Gesamtvolumen der Verträge, die Rosenhaus in den ersten 24 Stunden der Free Agency für seine Klienten eintütete. Schönen Urlaub, Drew!


Gewinner von gestern sind Gewinner von heute: Tampa Bay Buccaneers

So mancher mag Bruce Arians noch ein wenig belächelt haben, als er beim Super Bowl von einer Titelverteidigung schwadronierte. Doch spätestens jetzt weiß man, dass die Bucs es ernst meinen mit dem Repeat. Sie sicherten sich nicht nur die Dienste des "Gronk" für ein weiteres Jahr, sie schafften es auch, Star-Pass-Rusher Shaquil Barrett zu halten. Chris Godwin läuft dank dem Franchise Tag ebenfalls in der kommenden Saison wieder unter der Piratenflagge auf. Möglich gemacht hat das alles eine clevere Vertragsverlängerung mit Tom Brady. Gewusst wie, möchte man da sagen.

Verlierer im Spiel, Verlierer in der Offseason: Jacksonville Jaguars

Sie gingen mit dem meisten Cap Space der gesamten NFL in die Free Agency und haben diesen abgesehen von einem ebenfalls teuren Deal für Shaquill Griffin (und mit Abstrichen Rayshawn Jenkins) lediglich für No Names verschwendet. Natürlich ist noch genug da, sie haben immer noch den ersten Pick im kommenden NFL Draft und noch ist nicht aller Tage Abend. Aber bei allem Respekt, Jungs wie Jamal Agnew oder Carlos Hyde lassen Trevor Lawrence (oder ganz vielleicht doch Zach Wilson?!) definitiv nicht ruhiger schlafen.

Gewinner, die durch andere Gewinner viel gewonnen haben: Interior Offensive Lineman

High School Spieler, die auf den Positionen der Interior Offensive Line spielen, sind am gestrigen wahrscheinlich reihenweise in die elterliche Garage gerannt und haben Papas alte Langhantel wieder rausgeholt. Es stellt sich nämlich heraus, dass man als Guard oder Center in der National Football League ganz gut leben kann. Ziemlich gut sogar. Corey Linsley wurde von den Los Angeles Chargers zum bestbezahltesten Center der gesamten Liga gemacht und Ex-Pats-Guard Joe Thuney unterschrieb in Kansas City einen Vertrag, der ihn zum teuersten Guard in der Geschichte der NFL macht. Also ihr jungen Guards und Center, immer fleißig trainieren!
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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