Taysom Hill von den New Orleans Saints setzte bei seinem ersten NFL-Start alles ein, was er hat. Taysom Hill von den New Orleans Saints setzte bei seinem ersten NFL-Start alles ein, was er hat. Imago Images / UPI Photo / AJ Sisco

New Orleans Saints: Taysom Hill, der Go-Go-Gadget-Quarterback

geschrieben/veröffentlicht von/durch  25.11.2020
Dass Taysom Hill eher ein menschgewordenes Schweizer Taschenmesser darstellt als einen üblichen NFL-Backup-Quarterback, ist jedem schon seit einiger Zeit klar. Auch das die New Orleans Saints eigentlich verrückt sind, so einem Akteur eine Vertragsverlängerung über bis zu 21 Millionen Dollar anzubieten. So zumindest der allgemeine Konsens in NFL-Kreisen. Nach seinem erfolgreichen Debüt in der Startformation stellt sich nun allerdings eine ganz andere Frage: Kann der als Gadget-Player verschriene Hill tatsächlich den großen Drew Brees beerben?

Während die Verantwortlichen der Saints wahrscheinlich immer mal wieder Nachts wach liegen und sich über genau diese Möglichkeit den Kopf zerbrechen, sollte der Rest der NFL-Gemeinde eigentlich die Daumen drücken, dass Hill der designierte Nachfolger des Hall Of Famers Brees sein wird. Lange bevor alle Spieler im Profi-Football zu Spezialisten wurden, waren schließlich Allround-Talente wie Mr. Hill fast eher Norm als Unikum. Denken wir doch nur an Jungs wie Paul Hornung, Red Grange, Sammy Baugh oder Bronko Nagurski.

Natürlich wollen wir Taysom Hill nicht in einem Atemzug mit solchen Legenden nennen, fernab davon, doch der Punkt ist, dass seine Art Football zu spielen zu allererst mal eine Menge Respekt verdient. Was er körperlich und auch geistig in der Bewältigung unterschiedlichster Anforderungen auf dem Feld leistet, verdient nicht nur eine Menge Applaus, sondern ist auch eine erfrischende Abwechslung im zeitweise doch sehr rigorosen NFL-Alltag. Sein Spitzname "Mormon Swiss Army Knife" und sein positives Wesen sind dazu ohnehin Programm.

Top-Leistung in seinem ersten NFL-Start

Das aber nur am Rande, wirklich weiterhelfen tut eine solche Einschätzung den New Orleans Saints sicherlich nicht, wenn sie über die Zukunft ihrer Quarterback-Position nachdenken. Hey, wie dieser Hill spielt, ist irgendwie cool – übergebt ihm die Schlüssel zur Franchise! Wesentlich interessanter ist wohl eine Analyse seines Spiels gegen die Atlanta Falcons vom Wochenende, dass er mit 233 Passing Yards und 51 Rushing Yards inklusive zweier Touchdowns auf dem Boden beendete. 18 seiner 23 Pässen kamen während des 24:9-Erfolges der Saints bei seinen Mannschaftskameraden an, nicht einer beim Gegner.



Der Moment auf der großen Bühne schien für ihn nicht einmal zu groß zu sein, im Gegenteil. Hill hatte die volle Kontrolle über den Huddle, ging zeitweise wie ein Vollprofi durch seine Progressions und brachte auch unter Druck ein paar wirklich sehenswerte Pässe an den Mann. Wie er da so breitbeinig und leicht auf und ab wippend hinter seiner Offensive Line stand, immer leicht nervös mit dem Finger am sprichwörtlichen Abzug, erinnerte er sogar fast an eben jenen Spieler, für den er in die Bresche sprang: Drew Brees. Dass die beiden das ein oder andere Mal zusammen trainiert haben, war mehr als deutlich. Und ist vielleicht ja auch wichtig für die Zukunft.

Ein guter Anfang, aber mehr noch nicht

Head Coach Sean Payton wird es mit Sicherheit voller Freude zur Kenntnis genommen haben. Schließlich ist er schon lange ein Fan von Taysom Hill und baut ihn in schöner Regelmäßigkeit in seine komplexen Offensivsysteme ein. Ihm würde sicherlich auch nichts besser gefallen, als allen zweifelnden NFL-Traditionalisten zu beweisen, dass er aus einem Spieler wie Hill einen Starter, vielleicht sogar einen Star machen kann. Man munkelt ja, dass NFL-Coaches hin und wieder auch ein wenig Stolz in ihrer Profession verspüren und da ist Payton mit Sicherheit keine Ausnahme.

So weit, so gut… damit ist die Sache ja eigentlich klar, oder? Nicht ganz. Schließlich waren die Atlanta Falcons mit ihrer nicht wirklich furchteinflößenden Passverteidigung (NFL-Rang 31) die Gegner am Sonntag. Dazu leistete sich Hill so manchen Wurf, den man so sicherlich in keinem Lehrbuch finden wird. Aber trotzdem: In seinem ersten NFL-Start und vor den Augen von etlichen Kritikern so eine Partie auf den Kunstrasen des Mercedes-Benz-Superdome zu zaubern, ist ein verdammt guter Start für alles, was potenziell noch in Hills Zukunft liegt. Nicht mehr, aber auch sicherlich nicht weniger…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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