Ryan Fitzpatrick könnte bald Tua Tagovailoa die Richtung in der National Football League zeigen. Ryan Fitzpatrick könnte bald Tua Tagovailoa die Richtung in der National Football League zeigen. Imago Images / ZUMA Press / Charles Trainor Jr.

Miami Dolphins: "Tua Time" oder "Fitzmagic" auf der Quarterback-Position?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  11.08.2020
Es ist seit Jahrzehnten eine viel diskutierte Frage in NFL-Kreisen: Soll ein potenzieller junger Franchise-Quarterback sofort starten oder zuerst als Backup lernen? Argumente für Pro und Contra liefert die Geschichte zuhauf, was die Entscheidung im Einzelfall nicht wirklich einfacher macht. Das würden die Miami Dolphins und Head Coach Brian Flores in diesem Jahr wohl sofort bestätigen.

In South Beach wird es nämlich 2020 eine offene Quarterback Competition geben. Auf der einen Seite steht der potenzielle Signal Caller der Zukunft Tua Tagovailoa, der fünfte Pick des diesjährigen NFL Drafts. Auf der anderen Seite pocht der 37-Jährige Ryan Fitzpatrick auf den Posten des ersten Quarterbacks.

Und, Brian Flores, schon einen Favoriten? "Im Training Camp bekommt niemand frühzeitig einen Job geschenkt", so der 39-Jährige, der letztes Jahr mit den Fins lediglich fünf Siege einfahren konnte. "Ich verstehe, dass viele über Tua sprechen möchten. Er ist aber noch jung und das ist sein erstes NFL Training Camp. Wir werden einen Tag nach dem anderen angehen und dann sehen, wo wir landen."

Tua Tagovailoa hat von den Ärzten grünes Licht bekommen

Mit diesen viel- als auch nichtssagenden Worten bekommt Flores in Sachen "Coach Speak" auf jeden Fall Bestnoten, wobei man immerhin leichte Besorgnis in Sachen Tua zwischen den Zeilen lesen kann. Diese kommt nicht von ungefähr. Schließlich musste Tagovailoa seine letzte College-Saison in Alabama aufgrund einer ausgerenkten Hüfte frühzeitig beenden und bekam erst letzte Woche von den Ärzten wieder grünes Licht.

In Tuas Fall sprechen noch weitere Faktoren für ein Herantasten an die Profikarriere: Die durch Corona eingeschränkte Saisonvorbereitung erschwert eine Akklimatisierung mehr als in jeder anderen Saison, hinter seiner Wettkampfhärte bleibt ein gewisses Fragezeichen und zudem operieren die Dolphins mit einer jungen, neu zusammengesetzten Offensive Line.

Unerfahrene Offensive Line und COVID-19 erschweren Entscheidung

Weil Tagovailoa mit links passt, muss seine Blind Side vom Right Tackle beschützt werden und gerade hier scheinen die Dolphins noch keine Dauerlösung zu haben. Ist es also ratsam, den aufregenden Youngster hinter eine unerfahrene Offensive Line zu stellen und eventuell Gesundheit sowie Selbstvertrauen aufs Spiel zu setzen? Vielleicht nicht… auch weil die Dolphins ja noch die "Amish Rifle" im Holster haben.

Ryan Fitzpatrick ist der Inbegriff des durchschnittlichen Journeyman und hat in 15 Jahren NFL schon acht Teams durch. Der Harvard-Absolvent mit dem kultigen Rauschebart wurde letztes Jahr zum Team MVP der Fins gewählt, nachdem er die Mannschaft mit Erfahrung und Toughness durch eine schwierige Saison manövrierte. Dementsprechend hoch ist sein Anspruch für 2020.

Ryan Fitzpatrick will wieder für die Dolphins starten

"Ich bin ehrgeizig und will auf jeden Fall starten", sagt der Veteran, der auch schon bei anderen Teams unter Miamis neuem Offensive Coordinator Chan Gailey gespielt hat. Gleichzeitig weiß er, dass Miami große Hoffnungen in seinen Quarterback-Kollegen setzt. "Ich hoffe, Tua kann lernen, indem er mir von der Bank zusieht", so Fitzpatrick. "Doch falls er startet, werde ich mein Bestes tun, um ihn zu unterstützen und ihm zum Erfolg zu verhelfen. Er ist ein unglaublicher Junge."

Wenn die ersten Pässe im Camp fliegen, wird es auf jeden Fall spannend. Richtig konfus könnte es werden, wenn sich der ehemalige Top-Ten Pick Josh Rosen mit guten Einheiten einmischt. Nach Flores‘ Leistungsprinzip hat selbst er trotz bisher schwachen NFL-Jahren alle Chancen. Letztendlich heißt es aber wohl eher: Tua oder Fitz?

So sehr die Fans der Dolphins sich dabei auch einen ersten Blick auf das Talent Tua Tagovailoas wünschen, die realistischste und wohl auch besonnenste Lösung wäre gerade unter den diesjährigen Umständen Ryan Fitzpatrick. Wobei die Geschichte uns natürlich lehrt, dass man eh in keinerlei Hinsicht Gewissheit haben kann...

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