Fast zwei Jahrzehnte gab Philip Rivers alles für die Chargers, jetzt will er dasselbe für die Indianapolis Colts tun. Fast zwei Jahrzehnte gab Philip Rivers alles für die Chargers, jetzt will er dasselbe für die Indianapolis Colts tun. Imago Images / UPI Photo / Kevin Dietsch

Indianapolis Colts: Die unvollendete Geschichte von Philip Rivers

geschrieben/veröffentlicht von/durch  18.08.2020
Wenn der Sport seine Geschichten schreibt, dann legt er sich oft erst spät auf ein Genre fest. Mal erzählt er von Wundern, berichtet von heiteren Episoden oder legendären Errungenschaften, er kennt aber auch Tragödien und dramatische Erzählungen. Wie die fantastische NFL-Geschichte von Philip Rivers endet, weiß man noch nicht. Nicht wie geplant, soviel steht fest. Aber ein Happy End ist bei den Indianapolis Colts allemal noch drin.

Es hätte schon zu der Karriere eines wahrhaft großen Quarterbacks gepasst, wenn er dem Team, dass ihn gedraftet hat, auch einen Super Bowl hätte schenken können. 16 Jahre hofften die Chargers zunächst in San Diego und dann in Los Angeles, mit ihnen hoffte ihr Superstar Philip Rivers. Doch es hat nicht sollen sein.

Dass beide Seiten das Ende der Fahnenstange nach 239 Spielen erkannten entwickelte sich zum großen Glück der Indianapolis Colts. Sie selbst wurden erst 2018 durch das überraschende Karriereende von Andrew Luck dem Helden ihrer nächsten großen Geschichte beraubt. Mit Rivers haben sie nach einem Jahr "Schreibblockade" aber nun aufregenden Ersatz.

Philip Rivers freut sich auf neue Aufgabe bei den Colts

Wie lange Philip Rivers die Colts anführen wird, weiß im Moment niemand. Erstmal besitzt er einen Einjahresvertrag und als 38-jähriger Quarterback in der NFL bleibt eigentlich auch nichts anderes übrig, als von Tag zu Tag zu denken. Und wenn sich die Situation so gut wie in Indy darstellt, dann schlägt Rivers gerne das nächste Kapitel auf.

"Unsere Line und das Laufspiel sind genial, so viel weiß ich", sagt der neunfache Vater. "Ich brenne darauf, meinen Teil beizutragen und wir werden mit Sicherheit eine vielseitige und dynamische Offense haben." Eine Offense, die der achtfache Pro Bowler bereits bestens beherrscht.

Energie und Vorkenntnisse sprechen für Rivers

Denn sowohl seinen neuen Head Coach Frank Reich als auch Offensive Coordinator kennt Rivers aus gemeinsamen Chargers-Tagen und damit ist er auch mit ihrem Playbook vertraut. Die Feinabstimmung mit einer interessanten Skill-Position-Gruppe um Veteran T.Y. Hilton, Bruiser Marlon Mack und einigen Youngstern (wie Back Jonathan Taylor) soll im Training Camp folgen.

Hier haben die Spieler der Colts auch erstmals live das Energiebündel Philip Rivers erleben dürfen – und ihnen gefällt, was sie sehen. "Schon beim Cornhole in der Kabine merkst du, wie heiß er ist", lacht T.Y. Hilton. Tackle Anthony Castonzo pflichtet Hilton bei. "Es ist, als würdest du mit einem Sechstklässler reden, der zum ersten Mal zum Football darf", sagt der 32-Jährige. "Er liebt Football mehr als jeder, den ich bisher getroffen habe."

Offensive Line um Quenton Nelson eine absolute Wand

In Indianapolis werden Castonzo und seine Kollegen diese Liebe noch etwas steigern. Die Offensive Line um Pro Bowl Center Ryan Kelly und Über-Guard Quenton Nelson gehört zum besten, was die NFL derzeit an schweren Jungs zu bieten hat und damit dürfte Rivers eine Menge Zeit zum Lesen der Defense haben.

Da wäre auch noch ein wenig Extra-Motivation, denn einige Experten schrieben ihn nach seiner schwachen 2019er Saison bereits ab. "Das hat mich schon ein wenig gestört", gibt Rivers zu, dem auch seine eher durchschnittlichen Postseason-Leistungen oft vorgehalten werden. "Es gab auch in der letzten Saison viel Gutes, aber ich bin mir sehr wohl den Kritiken bewusst und das ist auch okay so."

Wie geht es weiter für Rivers und die Colts?

Dass er noch keinen Super Bowl Ring am Finger hat, erachtet er dagegen natürlich nicht als in Ordnung. Das Team der Colts ist nicht komplett im Win-Now-Modus und besitzt vor allem nächstes Jahr reichlich Cap Space, es könnte also nochmal nachgelegt werden, sollte Rivers sich für eine zweite Saison in Indianapolis entscheiden.

Ob es dann allerdings zu mehr als den Außenseiterchancen reicht, welche die Colts in diesem Jahr in der starken AFC haben, darf bezweifelt werden. Aber wer hört nicht gerne eine gute Cinderella-Geschichte? Der Sport erzählt sie hin und wieder auf jeden Fall gerne...

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