Odell Beckham Jr. hatte bisher nur wenige sonnige Tage bei den Cleveland Browns. Odell Beckham Jr. hatte bisher nur wenige sonnige Tage bei den Cleveland Browns. Imago Images / Icon SMI / Ric Tapia

Steht Odell Beckham Jr. auf dem Abstellgleis?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  15.02.2021
Gerade erst war die Freude bei den Fans der Cleveland Browns über ihren ersten Playoff-Sieg nach 26 Jahren abgeklungen, da mussten sie auch schon wieder beunruhigende Schlagzeilen lesen. Die nach dem Super Bowl erstmals so richtig angeschmissene Offseason-Gerüchtemühle spuckte ein paar Geschichten aus, welche Star-Receiver Odell Beckham Jr. als einen potenziellen Trade-Kandidaten in diesem Sommer sehen. Nach zunächst wütendem Bellen beginnt im Dawg Pound eine Diskussion darüber, ob es nicht vielleicht sogar Sinn machen würde, "OBJ" abzugeben.

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Die Gründe für einen Trade liegen eigentlich auf der Hand. Beckham, der im März 2019 via Blockbuster Trade von den New York Giants nach Ohio kam, konnte bisher die hohen Erwartungen an ihn in Cleveland nicht wirklich erfüllen und blickt auf zwei enttäuschende Jahre zurück. Für die Browns gelangen ihm in 23 Partien nur zwei Spiele jenseits von 100 Receiving Yards. Dazu kam ein Kreuzbandriss im vergangenen Jahr, welcher seine Saison bereits in Week 7 beendete.

Kurz darauf begannen die Browns und vor allem ihr junger Quarterback Baker Mayfield, ihre wahre Identität zu finden und entwickelten sich zu einer der effizientesten Offensiven der gesamten Liga. Nach einem Sieg über den Divisionsrivalen aus Pittsburgh und einer beachtlichen Leistung beim Ausscheiden in Kansas City blickt das Team von Kevin Stefanski mit viel Optimismus in die Zukunft.

Brauchen die Browns "OBJ" überhaupt noch?

Warum ausgerechnet Odell Beckham Jr. Teil eben jener Zukunft sein soll ist eine berechtigte Frage. Mayfield und er hatten bis zu seiner Verletzung nie wirklich eine gute Chemie entwickelt, so mancher Kritiker vermutete sogar, dass der extrovertierte Beckham Mayfields Rhythmus negativ beeinflussen würde. Es sind Thesen, welche durch mehrere verbesserte Statistiken wie Baker Mayfields Quarterback-Rating oder seine Anzahl an Interceptions Nährboden erhielten.

Eine Tatsache ist zudem, dass die Browns ihren besten Football ohne ihn spielten und er schon lange nicht mehr die Leistungen zeigt, die ihn einst bei den Giants zu einem der dynamischsten Youngster der gesamten NFL machten. Seine stetigen Eskapaden auf und neben dem Feld könnten den Geduldsfaden ebenfalls irgendwann reißen lassen. Erst recht, wenn der betreffende Spieler 25 Spiele in den letzten vier Jahren verpasst hat, noch nie in seinem Leben eine Playoffpartie gewonnen hat und es schon im letzten Jahr Gerüchte gab, dass er gar nicht so gern in Cleveland sein mag.

Marktwirtschaftlich erscheint ein Trade unwahrscheinlich

Browns General Manager Andrew Berry, seines Zeichens der jüngste Geschäftsführer der gesamten Liga, ist mittlerweile schon geübt im Relativieren von Beckham’schen Schlagzeilen. "Ich habe es schon mehrfach gesagt, dass Odell ein sehr guter Football-Spieler ist", so der 33-Jährige Harvard-Absolvent. "Er hat sich gut in der Franchise, mit Head Coach Kevin Stefanski und mit seinen Mitspielern eingelebt. Und ganz ehrlich, ich möchte so viele gute Football-Spieler hier haben wie möglich."



So fadenscheinig dieses Dementi auch klingen mag, aus markttechnischer Sicht würde ein Deal für die Browns in der derzeitigen Situation wenig Sinn machen. Nach seiner Verletzung ist Beckhams Marktwert geringer als je zuvor, trotz eines für das Team relativ attraktiven Vertrages, und schließlich würde man einen eigentlich teuren Porsche auch nicht dann verkaufen, wenn er gerade mit einem Motorschaden in der Werkstatt steht.

Die Personalie Odell Beckham Jr. bedarf Klärung

Wenn der hauseigene Fuhrpark allerdings auch ohne besagten Porsche für Aufsehen sorgt, dann beginnt das Grübeln vielleicht ein klein wenig schneller. Erst recht, wenn der Sprit, den der Ferrari verbraucht, anderweitig eingesetzt werden kann. Die Cleveland Browns würden mit Sicherheit ins Nachdenken kommen, wenn sie einen guten Deal für Beckham angeboten bekommen. Hinter verschlossenen Türen gibt es bestimmt so manche Diskussion um OBJs Personalie, vielleicht sogar bei bald anstehenden Vertragsgesprächen mit Baker Mayfield.

Porsche hin, Gerüchte her, letztendlich sollte es in Cleveland vor allem um eines gehen: Den Erfolg des jungen, vielversprechenden Teams fortzuführen. Alles andere, was davon ablenkt, ist ein potenzielles Problem und gehört dem Gemeinwohl untergeordnet. Cleveland täte sicherlich gut daran, etwaige Gerüchte um die Zukunft von Odell Beckham Jr. nicht aus dem Ruder laufen zu lassen und im Keim zu ersticken. Oder sie eben auf andere Art und Weise zu lösen…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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