Angeführt von Maskottchen Jaxson de Ville - die Jacksonville Jaguars Angeführt von Maskottchen Jaxson de Ville - die Jacksonville Jaguars IMAGO / ZUMA Wire

Replay: Duuuval - die Geschichte der Jacksonville Jaguars

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Dirk Krasky 13.02.2021
Sie sind das schlechteste Team der zurückliegenden NFL-Saison. Der Hype für eine erfolgreiche Zukunft ist dennoch enorm, da das Team von Besitzer Shahid Khan seinen 1st Overall Pick im diesjährigen Draft wohl in Jahrhundert-Talent Trevor Lawrence auf der Quarterback-Position investieren wird. Erfolg in Jacksonville? Das wäre mal was neues. Denn in den nunmehr 27 Jahren des Franchise-Bestehens stehen lediglich sieben Playoff-Teilnahmen zu Buche. Ein Blick in die Historie der Jaguars.

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Am 30. November 1993 erhielt Jacksonville den Zuschlag, als 30. Team der National Football League beizutreten. Mit 26:2 Stimmen entschieden die Besitzer der etablierten Franchises nur gut einen Monat nach den Carolina Panthers, eine weitere Raubkatze in ihrem Zirkus auftreten zu lassen. Die Farben schwarz, türkis, gold und weiß sollten von nun an als dritte Franchise im sonnigen Florida die Football-Fans begeistern. Die Jacksonville Jaguars waren geboren.

Auch die Geschichte der “Jags“, wie das Team von seinen Fans liebevoll genannt wird, zählt im zarten Alter von 27 Jahren noch zu den jüngeren der NFL-Historie. Gibt es doch Franchises, die bereits über 100 Jahre alt sind. Doch bei dieser Organisation ist so einiges anders, als bei den meisten anderen Teams. Nicht nur, dass ihr Besitzer, der in Pakistan geborene Shahid Khan, als erster Besitzer eines NFL-Teams einer ethnischen Minderheit angehört, auch dass die Jaguars als einzige Franchise seit 2013 jede Saison eines ihrer Heimspiele in London im Rahmen der “International Series“ austrägt, sucht ligaweit ihresgleichen.

Initiative “Touchdown Jacksonville“

Alles begann im Jahr 1989, als eine Gruppe Unternehmer das Projekt “Touchdown Jacksonville“ gründete. Mit von der Partie waren unter anderem der spätere Gouverneur von Florida und jüngere Bruder des 43. US-Präsidenten George W. Bush, Jeb Bush, sowie der spätere Eigentümer Wayne Weaver. 1991 verkündete die NFL, die Liga um zwei weitere Mannschaften zu erweitern. Neben Jacksonville waren noch die Städte Charlotte, St. Louis, Memphis und Baltimore im Rennen um die begehrten Plätze. Aufgrund der kleineren Metropolregion und des damit ebenfalls kleineren TV-Marktes galt Jacksonville lange Zeit als Außenseiter. Eine erste Bewerbung durch die Initiative “T.J.“ wurde 1991 dann auch wieder zurückgezogen.

Nach neuen Verhandlungen mit der Stadt Jacksonville, der Zusage das Gator Bowl Stadium zu renovieren und der breiten Unterstützung unter anderem der beiden Unis, Florida State University und der University of Florida, sowie des damaligen Commissioners der NFL, Paul Tagliabue, war die Gruppe um Wayne Weaver bereit, ihre Bewerbung zu erneuern. Nachdem im Oktober 1993 die Stadt Charlotte den ersten Zuschlag für ein Team erhielt und die beiden Städte St. Louis und Baltimore als Favoriten gehandelt wurden, fiel die Entscheidung letztendlich ziemlich deutlich auf Jacksonville.

Nach der Zusage entschied man sich dann doch gegen die Renovierung des Gator Bowl und für einen Neubau des Jacksonville Municipal Stadium, seit 2018 unter dem Namen TIAA Bank Field bekannt. Das Stadion fasst 64.164 Zuschauer und wurde im Jahr 2014 im Rahmen eines Umbaus mit zwei Weltneuheiten ausgestattet, wie es sie wohl nur in den USA gibt. Zum einen wurde die damals größte Videoleinwand mit 362 Fuß Breite und 60 Fuß Höhe installiert. Zum anderen wurde das noch innovativere “FanDuellVille“ errichtet. Eine zweigeschossige Fan Plaza mit zwei Schwimmbädern. Allerdings kann der Fan nur dann in einen der beiden Pools springen und von dort aus exklusiv das Spielgeschehen beobachten, wenn er die High-End-Cabana gebucht hat.

12.500 US-Dollar pro Cabana - für maximal 50 Personen. Das macht 250 Dollar pro Person. Darin enthalten sind neben dem exklusiven Badeerlebnis natürlich das Eintritts-Ticket sowie ein All-You-Can-Eat und ein All-You-Can-Drink-Verzehr-Gutschein. Natürlich können die beiden Pools auch bei Bedarf erwärmt werden, sollten es die Jags zum Beispiel im Januar in die Playoffs schaffen. Eine Großaufnahme der Pools und ihrer Badegäste ist bei jedem Spiel der Jaguars ein fester Bestandteil der Fernsehübertragung. Seit der Eröffnung dieser in der NFL einzigartigen Attraktion, sind die Cabanas bei jedem Heimspiel ausverkauft – die Corona-Zeit einmal ausgeklammert.

Shahid Khan übernimmt

Im Jahr 2012 erwarb der pakistanisch-amerikanische Milliardär Shahid Khan die Franchise aus dem sonnigen Florida. Mit einem geschätzten Nettovermögen von 7,9 Milliarden US-Dollar belegt Khan Rang 68 der Forbes-400-Liste der reichsten Amerikaner. Damit ist er unter den 200 reichsten Personen der Welt. Khan wurde am 18. Juli 1950 im pakistanischen Lahore geboren. Im Alter von 16 Jahren zog er in die Vereinigten Staaten und studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der University of Illinois.

Seit 1980 ist Khan Besitzer des Automobilteile-Herstellers Flex-N-Gate. Mit knapp 50 Produktionsstätten in den USA - sowie in Brasilien und China - erzielt Flex-N-Gate einen Jahresumsatz von mehreren Milliarden Dollar. Das Unternehmen liefert Stoßstangen für Pickups für die großen Automobilhersteller in den Vereinigten Staaten. Während seiner Zeit auf der Universität hatte Khan einen Job als Tellerwäscher - für 1,20 Dollar pro Stunde. Nicht nur aus diesem Grund personifiziert er den von vielen Amerikanern so glorifizierten “American Dream“ - vom Tellerwäscher zum Millionär, in diesem Fall gar Milliardär.



Khans erster Versuch, ein Team in der NFL zu kaufen, scheiterte im Februar 2010, als Minderheitsaktionär Stan Krönke ihm die damaligen St. Louis Rams vor der Nase wegschnappte. Am 4. Januar 2012 war es dann soweit. Khan kaufte für geschätzte 760 Millionen US-Dollar die Jaguars von Wayne Weaver. Mit der Bedingung, das Team in Jacksonville zu halten, wurde Khan einstimmig von den anderen Eigentümern der National Football League gewählt. Er ist einer von nur drei Eigentümern, die außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika geboren wurden. Die beiden anderen sind Kim Pegula, die mit ihrem Mann die Geschicke der Buffalo Bills lenkt, sowie der in Deutschland geborene Zygmunt “Zygi“ Wilf, der seines Zeichens Haupteigentümer der Minnesota Vikings ist. 1991 wurde Khan amerikanischer Staatsbürger und residiert seitdem mit seiner Frau Ann Carlson Khan, welche er bereits seit College-Zeiten kennt, in Naples, Florida.

Im Juli 2013 erwarb er zudem den englischen Fußball-Traditionsclub FC Fulham. Damit streckte Khan seine Fühler über den großen Teich nach Europa aus. Seine Football-Franchise, die Jaguars, veranstalten von mittlerweile 2013 an eines ihrer Heimspiele im Rahmen der International Series in London. Gingen die beiden ersten Spiele der Jaguars in ihrer zweiten Heimat noch verloren, so waren sie seit 2015 in London ungeschlagen. Doch diese Mini-Serie riss nach drei Siegen in Folge am 28. Oktober 2018 im Spiel gegen den damals amtierenden Super Bowl Champion der Philadelphia Eagles. 18:24 unterlagen die Raubkatzen im Heimatland des Fußballs. Ob es vielleicht auch an der Tatsache gelegen hat, dass in den Tagen vor dem Spiel vier Spieler der Franchise von der Londoner Polizei wegen einer nicht bezahlten Nacht-Club-Zeche von umgerechnet 56.000 Euro kurzzeitig in Gewahrsam genommen wurden, gehört zu den ungeklärten Fragen.

Hartnäckig halten sich die Gerüchte, die Jaguars würden das erste NFL-Team außerhalb der Vereinigten Staaten werden - mit Sitz in London. Dazu schien auch das Interesse Khans am Londoner Wembley-Stadion zu passen. Doch sein Angebot zum Erwerb der Sportstätte zog Khan dann zurück. Für geschätzte 670 Millionen Dollar wollte er das Stadion kaufen. Kurz vor der Abstimmung durch den englischen Fußballverband FA nahm Khan für alle Parteien überraschend Abstand von dem Deal. Als Grund für diese Entscheidung nannte Khan, dass er nicht die benötigte, breite Unterstützung in der FA gespürt habe. Ein späterer Kauf ist allerdings nicht ausgeschlossen, denn die Spiele der Jaguars in London sind unentbehrlich für die finanzielle Stabilität der Franchise, welche in Jacksonville einen der kleinsten Märkte der NFL vorzuweisen hat.

Jacksonville, Heimat der Jaguars

Jacksonville mit seinen knapp 880.000 Einwohnern liegt an der Mündung des St. Johns River im Nordosten Floridas am Atlantik. Die Stadt umfasst den größten Teil des Duval County und ist Teil einer Metropolregion mit etwa 1,5 Millionen Einwohnern, womit sie zahlenmäßig doch ein recht kleiner Markt für amerikanische Verhältnisse ist. Ihren Namen verdankt die Stadt dem früheren amerikanischen Präsidenten Andrew Jackson. Die Stadt nahm im Jahre 1821 diesen Namen an, nachdem Florida US-Bundesgebiet wurde. Jacksonville ist überwiegend industriell geprägt. Der Hafen dient außerdem als Basis der US-Marine.

Um Jacksonville herum liegen einige exzellente Golfanlagen. Hier wird auch das jährliche Players Championships im Rahmen der PGA Tour ausgetragen. Dieses Golfturnier ist mit 8 Millionen US-Dollar Siegprämie das am höchsten dotierte Event dieser Tour. Alljährlich wird auch im Rahmen der NCAA-College-Football-Liga der Gator Bowl in Jacksonville ausgetragen. Zum nächstgelegene Rivalen aus Florida, den Tampa Bay Buccaneers, sind es etwa 300 Kilometer.



In den Heimspielen unterstützen die Fans ihr Team mit lauten “Duuuval“-Rufen. “Ich liebe das. Das ist eine großartige Tradition. Das ist wie Dope. Seitdem ich das zum ersten Mal gehört habe, bin ich süchtig danach.“ sagte Jacksonvilles früherer Defensive End Calais Campbell über den eigenwilligen Ruf. Jedes Mal, wenn das gegnerische Team sich zum Snap bereit macht. wird es lauthals von den Fans gebrüllt. Übersetzt soll es soviel bedeuten wie: “Das ist unser Land/Stadion“ - in Bezug auf Duval County.

Die Jaguars starteten 1995 in ihre erste Saison noch in der AFC Central. Diese Division setzte sich aus den Teams der Pittsburgh Steelers, Cincinnati Bengals, Cleveland Browns, Houston Oilers und eben den Jaguars zusammen. Ihre erste Saison endete auf dem letzten Platz der Division mit vier Siegen und zwölf Niederlagen. Gleich in der zweiten Spielzeit schafften es die Jaguars mit einer 9-7-Bilanz in die Playoffs. Nach zwei Siegen gegen die Buffalo Bills und die Denver Broncos kam das Aus erst im Championship Game gegen die New England Patriots.

Vater des Erfolgs war Head Coach Tom Coughlin. Auch in den folgenden drei Spielzeiten sollten die Jaguars in die Playoffs einziehen. Der Traum vom Super Bowl war bereits in jungen Jahren zum greifen nah. Doch sind die Jaguars bis heute eins von nur vier Teams, dass noch nie den Super Bowl erreicht hat. Coughlin bleibt bis in die heutige Zeit der einzige Jaguars-Coach, der eine positive Sieg/Niederlagen-Bilanz vorzuweisen hat. Seit 2002 spielt die Franchise in der AFC South, zusammen mit den Tennessee Titans, den Houston Texans und den Indianapolis Colts.

Pride of the Jaguars

Was bei anderen Franchises der “Ring of Honor“ ist, das ist in Jacksonville der “Pride of the Jaguars“. Diese Ehrung wurde im Oktober 2006 offiziell eingeführt. Left Tackle Tony Boselli wurde als erster ehemaliger Spieler mit dieser Auszeichnung geehrt. Im Januar 2012 wurden der scheidende Besitzer Wayne Weaver und seine Frau Delores in die Ehrung aufgenommen. Es folgten mit Runningback Fred Taylor, Quarterback Mark Brunell und Wideout Jimmy Smith drei weitere ehemalige Spieler, die den Pride of the Jaguars bereichern. Weitere Spieler, vielleicht auch der gefürchteten “Sacksonville“-Defense aus 2017, werden in den nächsten Jahren folgen.

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