Wenn Nick Chubb zurückblickt, sieht er ein einschneidendes Erlebnis in seiner Vergangenheit. Wenn Nick Chubb zurückblickt, sieht er ein einschneidendes Erlebnis in seiner Vergangenheit. Imago Images / Frank Jansky / Icon Sportswire

Cleveland Browns: Nick Chubb und die schmerzhafte Erinnerung

geschrieben/veröffentlicht von/durch  18.06.2020
Es ist wohl der schlimmste Albtraum, der einen jungen Football-Spieler heimsuchen kann. Dieser Moment, in dem der Körper für einen Augenblick aufschreit und schon Sekunden danach nicht mehr derselbe ist. Running Back Nick Chubb von den Cleveland Browns hat ihn hautnah erlebt.

Am 3. Oktober 2015 setzt Chubb im Trikot der Georgia Bulldogs zum Lauf über die linke Seite an. Das Neyland Stadium, Heimat der Tennessee Volunteers, raunt, denn die Fans wissen, wie stark der Sophomore Runner ihres Erzrivalen ist. Ein Jahr zuvor hatte er die Southeastern Conference im Sturm erobert. Seine 1547 Yards in nur acht Starts sicherten ihm den Titel des besten Freshman und hallten noch immer über den grünen Hügel des Südens nach, dort, wo College Football einer Religion gleichkommt.

Die Vols stoppen Chubb nach kurzem Raumgewinn, er dreht sich aus dem Tackle und bremst sein Momentum mit dem linken Bein. Die Bilder, die folgen, sind voll jener Grausamkeit, wie es einst auch die Aufnahmen der Verletzungen eines Willis McGahee oder eines Joe Theismanns waren. "Oh No, the left knee", ruft CBS-Kommentator Gary Danielson voller Schrecken ins Mikrofon, während Nick Chubb ruhig auf dem Rasen sitzt und verwundert sein Bein begutachtet.

Alle Bänder bis auf das Kreuzband reißen

"Als es passiert ist, da ging mir einiges durch den Kopf", erinnert sich das Kraftpaket heute. "Ich fragte mich, was mit meinem Knie passiert war und ob man das wieder in Ordnung bringen kann." Das mit dem in Ordnung bringen sollte nicht einfach werden, denn Chubb hatte sich durch die Überstreckung drei Bänder gerissen (alle Hauptbänder bis auf das Kreuzband) und zudem war sein Knorpel beschädigt. Ob er je wieder Football auf höchstem Niveau spielen würde, niemand wusste es.

Für Nick Chubb gab es allerdings wenig Zweifel. Zu gut wusste er um seine physischen Fähigkeiten, die ihn schon zu High School Zeiten zum Mythos in Georgia gemacht hatten. Er überragte nicht nur auf dem Football-Feld, sondern dominierte auch in der Leichtathletik. Egal ob Weitsprung, 100-Meter-Lauf oder Kugelstoßen, Chubb lieferte Bestleistungen. Seine Workouts im Kraftraum ließen schon damals regelmäßig Kinnladen fallen. Mit diesem Background arbeitete er in der Reha unermüdlich am Comeback, auch mit ungewöhnlichen Methoden.

Mit Taekwondo kickt sich Nick Chubb zurück ins Rampenlicht

"Taekwondo hat mir unheimlich geholfen", sagt der heute 24-Jährige. "Durch die Kicks und den vollen Kontakt habe ich schnell gelernt, meinem Knie zu vertrauen." Chubb konnte nach einem halben Jahr Pause seine Karriere in Georgia fortsetzen und brachte es letztendlich auf die zweitmeisten Rushing Yards in der Geschichte der SEC (hinter UGA-Legende Herschel Walker). So weit, so gut, doch die Scouts der NFL zweifelten immer noch an seiner Explosivität und seiner Gesundheit.

Das war vor etwa zwei Jahren. Kurz darauf holten die Browns Chubb in der zweiten Runde des 2018er Draft nach Cleveland und erfreuen sich seither an seiner Physis, seiner Übersicht und der Bescheidenheit des ruhigen Modellathleten. Mittlerweile gehört er zu den besten Running Backs der Liga und schaffte es letztes Jahr schon in den Pro Bowl. Nicht schlecht, oder Nick? "Es bedeutet mir viel, vor allem weil sich all die harte Arbeit ausgezahlt hat", sagt Chubb mit ruhiger Stimme. "Ich bin sehr dankbar, dass ich heute hier stehen kann."

Und sein Körper scheint dabei stärker denn je zu sein...

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