Baker Mayfield konzentriert sich voll darauf, den Cleveland Browns mehr zu geben als bisher. Baker Mayfield konzentriert sich voll darauf, den Cleveland Browns mehr zu geben als bisher. Imago Images / ZUMA Wire / Michael Johnson

Cleveland Browns: Ist Baker Mayfield bereit für die "Big Boys"?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  09.12.2020
Baker Mayfield hält viel von sich selbst und das lässt er auch gerne jeden wissen. Warum auch nicht, schließlich schaffte er es vom Walk-On am College zur Heisman Trophy und wurde der erste Pick im 2018er NFL Draft. In der Folge konnten seine Leistungen allerdings nicht immer die Schecks einlösen, die sein Mundwerk für ihn schrieb und so hagelte es in schöner Regelmäßigkeit Kritik. Seine starke Partie gegen die Tennessee Titans am Wochenende ließ allerdings so ziemlich jeden Kritiker verstummen und nun fragen sich viele: Hat Baker Mayfield die Wende geschafft?

Es sieht auf jeden Fall so aus: Der 41:35-Sieg der Browns im Shootout mit den Titans zementierte Clevelands durchaus komfortable Position im derzeitigen NFL Playoff Picture. Damit zeichnet sich für den "Dawg Pound" nach etlichen Jahren in der Ligaversenkung endlich Licht am Ende des Tunnels ab. Gründe dafür gibt es viele, allen voran natürlich das unmenschlich wuchtige Laufspiel um Nick Chubb und Kareem Hunt, die beide ihre Saison nördlich der 1000-Yard-Marke beenden könnten. Aber da gibt es noch mehr, zum Beispiel eine starke, sattelfeste Offensive Line, einen kreativen Head Coach und Play Caller namens Kevin Stefanski, ein vielseitiges Receiving Corps … und natürlich ist da auch noch Baker Mayfield.

Lange galt der Quarterback neben der mittelmäßigen Verteidigung als der große Schwachpunkt bei den Browns, die seit einiger Zeit einen absoluten Luxuskader ihr Eigen nennen, ohne wirklich positive Resultate zu liefern. Denkt man an Mayfields letzte Saison, die er mit mehr Turnovern als Touchdowns beendete, oder an seine wechselhaften Leistungen am Anfang dieser Spielzeit, dann kommt es nicht von ungefähr, dass so mancher Kritiker ihm die Schuld am bisher ausgebliebenen Durchbruch der Browns gibt. Diese Art Stimmen wurden nach dem Spiel in Tennessee sehr leise, schließlich brillierte Mayfield mit vier Touchdowns in der ersten Halbzeit und seinem schon fünften Spiel in Folge ohne Interception. So kann es weitergehen, oder Baker?

Baker Mayfield will mehr sein als ein Game Manager

"Na ja, einen Fumble habe ich mir trotzdem geleistet", gibt ein selbstkritischer Mayfield zu, der sich zusehends wohler fühlt unter seinem vierten Head Coach in drei Jahren. "Auf den Ball aufzupassen ist für mich persönlich das Allerwichtigste. Es gibt uns die beste Chance auf den Sieg und generell haben die Mannschaften den meisten Erfolg, die sich am wenigsten Turnover leisten." Solch reflektierte Worte hörte man nicht immer von Mayfield. In der Vergangenheit reagierte er gerne mal ein klein wenig beleidigt oder defensiv auf Kritik, was ihm natürlich nicht nur Freunde in der NFL bescherte. Auch andere Umstände ließen an seiner Reife zweifeln, wie zum Beispiel der ein oder andere Vorfall am College in Oklahoma oder auch die Tatsache, dass Mayfield sich vor den hellen Lichtern des Showbusiness sehr früh sehr wohlfühlte.

Nun sollen diese Dinge zumindest teilweise der Vergangenheit angehören, wie auch die häufigen Fehler und technischen Mängel in seiner Wurfbewegung. Die Browns wollen in der AFC North endlich die Dominanz der Pittsburgh Steelers und der Baltimore Ravens durchbrechen, gegen die sie unter anderem seit 2015 nur vier von 21 Spielen gewinnen konnten. Der Sieg in einem echten Spitzenspiel in Tennessee zeigt, dass sich in Cleveland etwas verändert hat und dass auch Mayfield mehr sein will als ein reiner Game Manager. Allerdings lässt der Erfolg nicht die Erfahrungen der vergangenen Jahre vergessen, in denen Mayfield immer wieder mit starken Performances aufhorchen ließ, um hinterher wieder auf dem Boden der Tatsachen zu langen. Und er kann auch nicht das Bild verschleiern, welches viele Zahlen von Baker Mayfields Saison zeichnen.

Es ist noch ein weiter Weg in die NFL-Elite

Die Tennessee Titans besitzen eine der schwächsten Passverteidigungen der gesamten Liga (274,5 zugelassene Yards pro Partie, Ligarang 28), was den Wert der zweifelsohne beeindruckenden Leistung Mayfields in Perspektive setzt. Die gesamte Spielzeit profitiert er schon von einem sehr leichten Spielplan, bei dem der Sieg gegen die Titans erst der zweite gegen eine Mannschaft mit einer positiven Saisonbilanz war. Nur zwei Teams passen weniger als die Cleveland Browns, was nicht nur an ihrem überragenden Laufspiel liegt. Mayfield hat neben teilweise spektakulären Würfen immer noch viel zu viele Katastrophenpässe im Repertoire, vor allem solche, die weit über den Kopf seiner Receiver hinausgehen. Stefanski versucht Mayfield so gut es geht mit Rollouts und Run-Fakes zu beschützen und ihn in einfache Positionen zu manövrieren, was ihm immer auch immer wieder gelingt.

Der Teamrekord zeigt, dass diese Taktik nicht nur für die Browns zum Erfolg führt, es zeigt auch, dass es derzeit für Baker Mayfield den richtigen Modus Operandi darstellt. "Siegen macht Spaß, aber es versteckt auch viele Dinge", sagt Mayfield selbst mit einem Auge auf die Zukunft. "Wir müssen weiter an uns arbeiten und das fängt mit mir an. Wir müssen uns weiterentwickeln." Für Mayfield gilt das auf jeden Fall, denn irgendwann müssen die Browns wissen, ob sie nicht nur mit ihrem Quarterback Spiele gewinnen können, sondern auch dank ihm…
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden