Ryan Pace, Ted Phillips und George McCaskey in Halas Hall Ryan Pace, Ted Phillips und George McCaskey in Halas Hall Imago Images / UPI Photo / Brian Kersey

Chicago Bears: Wie geht es weiter?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  02.12.2020
Das Aufeinandertreffen zwischen den Chicago Bears und den Green Bay Packers ist immer ein besonderes. In dem Spiel trifft so viel Geschichte aufeinander, dass es die älteste Rivalität im Profi-Football genannt wird. Dementsprechend groß sind die Auswirkungen des Spiels auf Entscheidungen der Organisationen. Die Niederlage der Bears wird personelle Veränderungen nach sich ziehen. Doch wie geht es weiter? Wie kann das historische Franchise nach jahrelangen Pleiten wieder auf die Erfolgsspur zurückgeführt werden?


Im Jahr 2011, sollte es eine Serie aus fünf verlorenen Spielen sein, weshalb die Bears die Playoffs verpassten, nachdem sie in der Saison zuvor eine schmerzende Niederlage gegen die Packers im Conference Championship hinnehmen mussten. Danach musste General Manager Jerry Angelo gehen. Danach war es das Jahr 2014, als die Bears fünf Mal in Folge verloren. Das Packers Spiel kann ebenfalls als Endpunkt der Ära Marc Trestman (HC) und Phil Emery (GM) angesehen werden, die desaströse Saison an sich hätte jedoch wohl auch gereicht. Zuletzt war ein solche Serie dann im Jahr 2017 der Fall, als John Fox am Ende seinen Hut nehmen musste. Die endgültige Entscheidung dazu fiel, natürlich, nach der Niederlage gegen den großen Rivalen. Nun bedeutete das Spiel am vergangenen Spieltag wieder einmal die fünfte Niederlage in Folge für die Chicago Bears. 

Im Vorfeld des Spiels war den aktuellen Verantwortlichen klar in welcher Lage sie sich befinden. Symbolisch blendete der übertragende Fernsehsender einen kopfschüttelnden Ryan Pace ein. Die Abwärtsspirale war unübersehbar als auch hörbar. Immer negativer wurde die Stimmung auf Seiten der Fans. Der Kredit aus dem Jahr 2018 ist nach einer erneut enttäuschenden Saison endgültig verspielt. In welcher Form die Veränderungen aussehen werden wird allerdings erst die Zeit beantworten.

Nicht wenige Personen meinen sogar „der Fisch stinke vom Kopf“ und es müsse beim Besitzer und Präsidenten angefangen werden. Nur wird die Familie McCaskey diesen Personen nicht den Gefallen tun, zumal die Aussage nur teilweise korrekt ist. Der Chairman George McCaskey ist als Bears Fan aufgewachsen und als solcher ist ihm der Erfolg seines Teams wichtig. Ohne eine solche Bindung hätte der finanziell aufwendige Deal für Khalil Mack im Jahr 2018 nicht über die Bühne gehen können und erst recht nicht auf die Schnelle. Der CEO/Präsident Ted Phillips ist seit 2014 ausschließlich für die Finanzen der Chicago Bears zuständig, während alle sportlichen Entscheidungen vom General Manager getroffen werden. Solange also die Familie McCaskey und die Bears Organisation nicht in eine finanzielle Notlage rutscht, gibt es auch keinen Grund für seine Kündigung.

Doch zu einem Zeitpunkt in der Geschichte der Rivalität führten die Chicago Bears mit 81 zu 57 Siegen und dennoch erreichten die Green Bay Packers als erstes Team die hunderter Marke. Ein tiefgreifenderes Problem als General Manager und Head Coach, die schon zu Genüge ausgetauscht wurden, ist damit unbestreitbar. Mit dem Tod von George Halas, also vor knapp 40 Jahren, verloren die Chicago Bears ihr Verständnis für die Sportart in ihrer Führungsetage. Die Erkenntnis dauerte lange und wurde erst vom aktuellen Chairman George McCaskey berichtigt, als er entschied, für die Verpflichtung von Ryan Pace einen Berater zu engagieren und sich von dem Zeitpunkt an mit Ted Philipps aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen. 

Die Entscheidung war womöglich noch nicht weit genug gedacht. Denn auch unter Ryan Pace hat sich das Manko des Franchises nicht verändert. Die Suche nach einem fähigen Quarterback geht weiter und damit auch die Suche nach einer Offense, die im aktuellen Jahrtausend ankommt und genügend Punkte erzielt. Eine Trennung scheint unausweichlich, zumal sein Schicksal auch zu sehr an das von Head Coach Matt Nagy geknüpft ist. Die beiden waren ein Gespann und wird dieses entlassen, dann müssen Nachfolger her. Doch wer wird für die Verpflichtungen verantwortlich sein? Hierfür muss zunächst einmal die Führungsriege um eine Person mit dem nötigen sportlichen Sachverstand erweitert werden. Das sollte der erste Schritt sein, wenn die Chicago Bears das noch junge Jahrzehnt am Ende erfolgreicher abschließen wollen. 

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