Nick Foles von den Chicago Bears will sich der NFL wieder von seiner besten Seite zeigen. Nick Foles von den Chicago Bears will sich der NFL wieder von seiner besten Seite zeigen. Imago Images / Icon Sportswire / Robin Alam

Chicago Bears: Die zwei Gesichter von Nick Foles

geschrieben/veröffentlicht von/durch  07.10.2020
Im letzten Jahrzehnt ist Nick Foles der wohl beste Feuerwehrmann der NFL. Keiner brilliert von der Ersatzbank so wie der ehemalige Super Bowl MVP, den echten Durchbruch als Starter schafft er allerdings nie. Bei den Chicago Bears hat Foles jetzt erneut die Chance, ein permanentes Zuhause in der NFL zu finden. Und es ist vielleicht seine letzte.

"Nick, du bist dran!" Mit diesen Worten schickt Matt Nagy, Head Coach der Chicago Bears, seinen Backup-Quarterback Nick Foles in Week 3 gegen die Atlanta Falcons ins Rennen. Sein Team liegt Mitte des dritten Viertels mit 16 Punkten hinten, Starter Mitch Trubisky hatte es wieder einmal nicht hinbekommen, die Offense der Bären effektiv zu leiten.

Mancher Quarterback hätte wohl direkt einen höheren Puls bekommen. Schließlich ist es gerade für einen Passgeber schwer, kalt in ein NFL-Spiel hineinzukommen und direkt abzuliefern. Foles verzieht allerdings keine Miene, denn wenn es ein Signal Caller der Liga versteht, von der Bank effektiv und entspannt zu performen, dann ist es er. Quasi seine gesamte Karriere baut darauf auf.

So kommt es dann auch nicht überraschend, dass Nick Foles die Bears in der Folge zu einem aufregenden Comeback-Sieg über Atlanta führt. Er bringt 16 von 29 Pässen an den Mann und wirft drei Touchdowns, der späte Game Winner zu Anthony Miller in Rückenlage ist sogar ein kleines Meisterwerk. Chicago hat einen Quarterback, denken sich viele im Moment der Euphorie.

Vergangenheit ist Gegenwart für Nick Foles

Es dauert nur eine Woche, bis Nick Foles eben jene Enthusiasten unter den Bears-Fans wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Von Nagy nach seinen Heldentaten zum Starter ernannt, erleidet Foles gegen die starke Defense der Indianapolis Colts eine bittere Bruchlandung. Er führt sein Team bei den ersten zehn Drives zu gerade mal einem Field Goal und bekommt die Bears-Offense eigentlich zu keiner Zeit richtig ans Laufen.

Die letzten zwei Wochen sind ein Mikrokosmus von Nick Foles‘ gesamter NFL-Karriere, denn unterm Strich bleibt wieder einmal die große Frage, welche Version von Nick Foles denn nun die wirkliche ist? Eine Frage, welche sich vor den Chicago Bears schon viele andere Teams gestellt haben, manche sogar mehrfach. In seinen acht Ligajahren fand allerdings bis jetzt niemand eine wirkliche Antwort. Im Gegenteil.

Nick Foles hatte schon immer das Potenzial, Momente für die Ewigkeit kreieren. Seine überragende 2013er Saison bei den Philadelphia Eagles zum Beispiel war eine der besten Spielzeiten, die ein Quarterback je in der Geschichte der NFL auf die Beine gestellt hat (27 Touchdowns bei nur 2 Interceptions). Wann immer er in der Postseason stand, lieferte er ab und seinen magischen Super Bowl Triumph 2018 ebenfalls mit Philly wird man dem damaligen Backup in der "City of Brotherly Love" niemals vergessen.

Eine NFL-Karriere voller Höhen und Tiefen

Daneben lagen für Foles jedoch auch immer große Enttäuschungen. Er scheiterte als hoch gehandelter und fürstlich entlohnter Starter bei den St. Louis Rams (2015) und den Jacksonville Jaguars (2019) und konnte aufgrund von Verletzungen sowie mangelnder Konstanz nie wirklich als Franchise-Quarterback in der NFL Fuß fassen. Auch in Chicago schien eben jener Traum bereits vor dieser Saison ausgeträumt, verlor Foles doch die offene Quarterback-Competition gegen Mitch Trubisky.

Im Alter von 31 Jahren hat Nick Foles die Zügel aber nun doch wieder in der Hand, auch weil er vielleicht wie kein Zweiter im sportlichen Moment leben kann. "Er hat das kürzeste Gedächtnis, das ich je gesehen habe", sagt Quarterbacks-Coach John DeFilippo, der schon in Philadelphia und Jacksonville mit Foles arbeitete. "Für ihn zählt immer nur der aktuelle Spielzug, ganz egal, was vorher gelaufen ist."

Mit eben jener Fähigkeit gelang es Foles auch schon, seine schwache Leistung gegen Indianapolis hinter sich zu lassen. „Das Team und ich haben nicht gut genug gespielt, aber wir müssen nach vorne schauen“, so der bekennende Christ in gewohnt ausgeglichener Manier, Schulterzucken inklusive. „Verlieren tut immer weh aber es ist nun mal ein Teil des Spiels.“

"Saint Nick" könnte gut zu den Chicago Bears passen

Ähnlich pragmatisch soll Foles nun auch auf dem Feld die Geschicke der Chicago Bears leiten. Das Offensivsystem sollte gut zu ihm passen, denn dank seiner Spielintelligenz und Auffassungsgabe kann er eigentlich genau die schnellen Entscheidungen treffen, welche Nagy sich von seinem Quarterback wünscht. Dazu hat der ehemalige Pro Bowler immer wieder bewiesen, dass er auch unter Druck gute Leistungen zeigen kann.

Zumindest solange wir vom Druck eines Pass Rushers sprechen, denn im Bezug auf seine Position innerhalb einer Mannschaft scheint Foles auf jeden Fall die Rolle als Feuerwehrmann besser zu liegen. In Philadelphia brillierte er zunächst als Ersatz von Michael Vick, später dann als Backup von Carson Wentz. Wurde er allerdings vor der Saison als erster Mann gehandelt, so wie in Jacksonville und St. Louis, dann lief es überhaupt nicht.

Bedenkt man die derzeitige Chronologie der Chicagoer Quarterback-Saga, dann besteht also ein triftiger Grund für zumindest kurzfristigen Optimismus. Sollte Nick Foles allerdings auch in der Windy City nicht endgültig Fuß fassen können, dann wird es wohl auch in Zukunft nichts mehr mit einer dauerhaften Rolle als Starter.

Denn spätestens dann wüsste man, das die zwei vermeintlichen Gesichter von Nick Foles sein eines, wahres Gesicht ausmachen...

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden

Meistgelesen

Initiative zur Ablösung des Bundesvorstands im American Football - RESTART21

19.10.2020 GFL TOUCHDOWN24 Redaktion

Wer den American Football in Deutschland über die letzten Jahre aufmerksam beobachtet und verfolgt ...