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Freitag, 27 April 2018 03:21

Browns picken Heisman-Trophy-Gewinner Mayfield an #1

geschrieben/veröffentlicht von/durch Markus Schulz
Überraschung beim Draft 2018. Die Cleveland Browns haben nicht Sam Darnold von der USC sondern Baker Mayfield von Oklahoma mit der 1st Overall-Pick gewählt.
Wir stellen ihn vor:

Von Martin Senfter

Baker Mayfield: Einer wie Russell Wilson – oder Johnny Manziel?

Er gilt als eine der umstrittensten Persönlichkeiten der vergangenen Jahre: Oklahomas Quarterback Baker Mayfield polarisiert auf und abseits des Spielfelds. In der abgelaufenen College-Saison wurde der Spielmacher mit der Heisman Trophy als bester Spieler der Saison ausgezeichnet. Ein Erfolg, der nicht unbedingt vorhersehbar war.

Es waren Bilder, die im vergangenen Sommer viral gingen: Ein schwarzer SUV steht am Straßenrand, mehrere Polizisten stehen um das Auto am Gehweg und befragen einen Mann. Die Szene scheint unaufgeregt, eine scheinbar nicht weiter erwähnenswerte Routine-Kontrolle im US-Bundesstaat Arkansas. Bis plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung in die Szenerie kommt und der befragte Mann von den Beamten wegläuft. Sonderlich weit kommt er nicht: Ein Polizist tackelt den Fliehenden nach wenigen Metern hart gegen eine Steinmauer. Der, der fliehen wollte, ist niemand geringerer als Oklahoma-Sooners-

Quarterback Baker Mayfield, der, wie sich später herausstellen sollte, betrunken diesen Zwischenfall ausgelöst hatte. Es ging um gestohlenes Essen in einem China-Restaurant, der 22-Jährige wurde später von den Vorwürfen freigesprochen.

Die Geschichte von vergangenem Februar (das Video sollte erst im Juli veröffentlicht werden) verfolgt Mayfield auch heute noch. Sie wird auch in den kommenden Monaten eine große Rolle spielen, wird Mayfield doch Ende April im NFL-Draft als möglicher Spitzenpick gehandelt. Einen möglichen Franchise-Quarterback, der wegen angeblichen Stehlens von chinesischem Essen eine Nacht in Haft verbrachte und zudem noch betrunken war, löchert man in den berühmten Team-Interviews vor dem Draft noch mehr.

Zu klein, zu schwach

Mayfields Football-Reise begann in seiner texanischen Heimat Austin: Als Quarterback der ultra-starken Lake Travis High School sollte er seine Mannschaft zu einem Record von 25 Siegen bei 2 Niederlagen inklusive State Championship führen. Seine damalige Ausbeute von 6255 Passing-Yards bei 67 Touchdowns und 8 Interceptions beeindruckte die großen Colleges aber nicht weiter – Mayfield wurde als zu klein und zu langsam für diesen Sport angesehen.

Die Texas Longhorns wollten ihn nicht, stattdessen schloss er sich den Texas Tech Red Raiders an – ohne ein Stipendium erhalten zu haben. Er war somit ein sogenannter Walk-On-Athlet. Mayfield wollte es immer schon allen beweisen, wollte alle Kritiker und Personen, die ihm den nächsten Schritt nicht zutrauten, verstummen lassen. Schnell sollte seine erste große Stunde schlagen: Als sich Michael Brewer, der eigentliche Starting-Quarterback der Red Raiders, im Vorfeld der Saison 2013 am Rücken verletzte, wurde Mayfield zum Starting-Quarterback ernannt. Ein Novum, konnte vor ihm doch noch kein Spielmacher, der weder College-Erfahrung noch ein Stipedium hatte, bei Texas Tech den Posten als Starting-Signal-Caller für sich beanspruchen.

Mayfield spielte eine ordentliche erste Saison, kam in acht Spielen auf 2315 Yards für 12 Touchdowns bei 9 Interceptions. Zu mehr Einsätzen reichte es nicht, Verletzungen ließen ihn den Starting-Job an Davis Webb verlieren. Gefrustet von dem Verlust seines Postens sehnte sich Mayfield nach Veränderung.

Hauptsache Oklahoma

So traf Mayfield 2014 eine weitreichende Entscheidung. Schon immer Fan der Oklahoma Sooners, entschloss er sich das College zu wechseln, ohne mit irgendjemandem bei den Sooners gesprochen zu haben. Er nahm, wie schon bei Texas Tech, an einem offenen Training teil und schaffte den Sprung ins Team. Abermals ohne Stipendium und zunächst wegen des Transfers für ein Jahr gesperrt, spielte Mayfield nur im Training, zerlegte dort laut seiner Coaches die Defensive der Sooners aber in jeder Einheit.

Zur Saison 2015 sollte er den Starting-Job von Trevor Knight übernehmen. Wieder einmal völlig überraschend, war Knight zuvor doch der große Held beim Sugar-Bowl-Sieg der Sooners über die Alabama Crimson Tide gewesen. Mayfield sollte in den kommenden drei Spielzeiten starten und sein Spiel stetig steigern.

Cocky“ Mayfield

Speziell in der abgelaufenen Saison zeigte Mayfield hervorragenden Football: 4340 Passing-Yards für 41 Touchdowns bei 5 Interceptions bedeuteten am Ende die Auszeichnung zum besten College-Spieler des Jahres. Dennoch polarisiert der 22-Jährige wie nur ganz wenige, lebt er doch das Spiel mit jedem Atemzug. Im Duell bei den Ohio State Buckeyes, die er mit 31:16 aus dem eigenen Stadion warf, hisste er nach Spielende eine Sooners-Flagge auf dem Feld des Ohio Stadiums.

Seinen größten Aufreger legte Mayfield im November hin, als er im Spiel gegen Kansas mit obszönen Gesten auffiel. Grund dafür war ein verwehrter Handschlag vor dem Spiel von Spielern der Kansas Jayhawks. Das Football-Land war gespalten und wusste nicht, ob man diese Aktionen nun übereifrig nennen sollte oder ob Mayfield einfach ein infantiles Gemüt hat.

Spielanlage wie Wilson, unreif wie Manziel

Hört man amerikanischen Draft-Experten zu, fällt immer wieder gerne ein und derselbe Vergleich: Baker Mayfield könnte von seinen Anlagen der nächste Russell Wilson sein. Wie Wilson ist er mit 1,85 Metern eigentlich an der unteren Grenze für einen NFL-Quarterback, weshalb einige Teams Bedenken ihm gegenüber haben. Sein Arm – der vermutlich beste der Draftklasse – und seine Fähigkeit auch selbst zu gehen, lassen deutliche Parallelen zum Star der Seattle Seahawks erkennen.

Fest steht: Mayfield ist von allen zur Auswahl stehenden College-Quarterbacks im Draft sicherlich derjenige, der am weitesten ist und am schnellsten Fuß in der NFL fassen könnte. Das sah man auch im College-Halbfinale, das er zwar knapp verlor, wo er aber dennoch eine äußerst starke Leistung zeigte.
Andere sehen aufgrund seiner Persönlichkeit einen nächsten Johnny Manziel in ihm. Auf dem Feld mit großartigem Talent gesegnet, aber außerhalb zu unreif. Fakt ist: Es blieb beim einmaligen Alkoholgelage, Mayfield hat sich in seiner College-Zeit nie mehr etwas zu Schulden kommen lassen. Zusätzlich hinkt der Vergleich mit Manziel ohnehin, hat er doch den deutlich bessern Arm und eine wesentlich höhere Treffsicherheit.

Mayfields bisherige Karriere ist außergewöhnlich. Als erster Spieler gewann er als Walk-On die Heisman Trophy. Er ließ jeden Kritiker verstummen, der ihm schon vor Jahren sagte, es würde nicht für eine College-Karriere reichen. Jetzt steht er kurz vor seinem größten Erfolg – einem tatsächlichen Engagement in der NFL. Und eines ist sicher: Er wird auf keinen Fall langweilig um ihn werden.


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