Mit nachdenklichem Blick schaut Lamar Jackson in die Zukunft - und das ist gut so. Mit nachdenklichem Blick schaut Lamar Jackson in die Zukunft - und das ist gut so. Imago Images / ZUMA Press / Lloyd Fox

Baltimore Ravens: Lamar Jackson und seine langen Abende auf der Couch

geschrieben/veröffentlicht von/durch  02.07.2020
Es sieht wahrlich nicht schlecht aus auf Lamar Jacksons heimischen Trophäenregal. Da stehen eine Heisman Trophy, eine NFL MVP Trophy und etliche andere individuelle Awards… und trotzdem wird der Quarterback der Baltimore Ravens auf dem Sofa hin und wieder nachdenklich, gerade in Zeiten von Corona, wenn man doch etwas öfter mal ins Grübeln kommt.

So überragend und erfolgreich die kometenhafte Karriere des 23-Jährigen bisher auch verläuft, so tief sitzt der Stachel der letztjährigen Playoff-Heimniederlage gegen die Tennessee Titans. "Ich habe mir darüber sehr lange den Kopf zerbrochen", sagt Jackson über die 12:28-Bruchlandung seiner Mannschaft, die gerade nach 14 Siegen in der Regular Season überraschend und bitter daherkam. "Ehrlich gesagt denke ich immer noch oft daran."

Es ist ein besonderes Gefühl, mit dem auch viele andere Profisportler klarkommen müssen. Dieses Gefühl, den großen Traum fürs Erste eben nicht erreicht zu haben und dann in den Schlund eines langen Sommers voller Fragezeichen zu blicken. Voller Erinnerungen an die letzte Niederlage, voller kleiner Selbstzweifel, was man hätte besser machen können.

Auch als wertvollster Spieler der NFL will Lamar Jackson dazulernen

Dabei gab es auf den ersten Blick eigentlich gar nicht viel, was Lamar Jackson letztes Jahr hätte besser machen können. Die Zahlen, die Siege, die historischen Rekorde, sie alle sprechen für sich und für ihn. Eine der großen Stärken des jungen Signal Callers ist aber nicht zuletzt die Selbstkritik. Er gibt offen zu, dass die Ravens ihre Gegner aus Tennessee eventuell ein klein wenig unterschätzt haben und dass auch er höchst persönlich noch in vielen Bereichen die Stellschrauben anlegen muss.

"Er versteht genau, wo er besser werden muss und damit den nächsten Schritt für die gesamte Offensive einleiten kann", sagt Ravens-Head-Coach John Harbaugh über seinen Schützling. Eben jene Entwicklung geht für Jackson mit einer Reihe von Veränderungen einher. Er möchte seine Wurfbewegung weiter verfeinern und den Ball noch schneller loswerden als bisher. Er will auch weniger laufen als die 176 mal der vergangenen Saison. Dabei waren es gerade seine Beine, die Baltimores Offense im letzten Jahr zur besten der gesamten Liga machten und ihn zu einer der schillerndsten Figuren der National Football League.

Mal gut, dass er nicht zum Wide Receiver umgeschult hat

Es sind allerdings genau diese kritischen Gedanken, egal ob sie einem auf der heimischen Couch oder im Team Meeting Raum kommen, welche die großen Spieler meist einen Schritt vor der Konkurrenz stehen lassen. Diejenigen, die ihre neuen Tricks lernen, bevor die Liga sich auf ihre alten eingestellt hat. Und die vergangene Niederlagen noch lange nach dem eigentlichen Tag als Motivation nutzen und ihren Ärger über jene an den zukünftigen Gegnern auslassen.

Den inneren Drive dazu hat Lamar Jackson allemal. Dies bewies er nicht zuletzt dadurch, dass er bereits jetzt in die Elite einer Liga aufgestiegen ist, in der ihm so mancher Experte vor ein paar Jahren noch die Umschulung zum Wide Receiver nahelegte. Genau dieser Drive wird ihm wohl jetzt auch durch die lange Offseason helfen und ihn nicht an der großen Frage "What if" verzweifeln lassen.

Und eine freie Stelle auf seinem Trophäenregal wird er mit Sicherheit bei Bedarf auch noch irgendwann finden...

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