Breidenbach: "Ich will Starter in der CFL werden" Breidenbach: "Ich will Starter in der CFL werden" Nadine Bartz

Sven Breidenbach: "Mein Motto lautet 'the sky ist the limit'"

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Alex Kieser 11.05.2020
Sven Breidenbach von den Cologne Crocodiles ist eine imposante Erscheinung. Wohl auch deshalb landete er bei den “dicken Jungs“ in der Offensive Line, die den Quarterback beschützen. Inwiefern ihm seine Statur auch im Nebenjob hilft, was dieser damit zu tun hat, dass er überhaupt beim Football landete, welche Träume sportlicher Natur er noch hat und warum er mit 50 Jahren eventuell immer noch spielt, erzählt er im Interview mit Touchdown24.

Touchdown24: 
Sie spielen seit 2013 Football, kamen 2014 zu den Crocodiles. Erzählen Sie uns doch kurz, wie alles anfing.

Sven Breidenbach: 
2013 hatte ich die ersten Versuche, 2014 ging es dann richtig los bei den Crocodiles. Davor spielte ich Fußball als Torwart und Tennis, aber das reizte mich irgendwann nicht mehr. Tennis spielte ich auch recht erfolgreich, spielte im Ligabetrieb und auch Turniere in Holland und Belgien. Irgendwann verlor ich den Draht zum Tennis und es zog mich ins Fitnessstudio, aber das wurde mir zu stupide. Da ich schon früher Football schaute und an dem Sport interessiert war, fragte mich der Chef meines Nebenjobs in einer Security-Firma, ob ich mich nicht einmal ausprobieren möchte. Er war damals Jugendtrainer der U19, mittlerweile ist Patrick Köpper seit drei Jahren mein Head Coach in der GFL-Mannschaft. Und er ist auch immer noch mein Chef.

Touchdown24: 
Gab es den Wunsch, Football zu spielen schon früher? Hatten Sie Vorbilder in Ihrer Jugend?

Breidenbach: 
Anfangs gab es keine speziellen Vorbilder, da interessierte mich rein der Sport. Die Vorbilder kamen später, als ich begann mich selbst mehr mit der Materie auseinanderzusetzen. Für mich sind in erster Linie O-Liner Vorbilder, aber auch Spieler anderer Positionen, denn es geht auch um Dinge wie Einstellung und “Work Ethic“. Deshalb sind Vorbilder für mich positionsunabhängig.

Touchdown24: 
Sie wurden für den diesjährigen CFL-Combine ausgewählt. Wie bitter ist es, dass dieser nun abgesagt wurde?

Breidenbach: 
Sehr bitter! Man hat sich extrem auf Tag X vorbereitet, die Vorbereitung lief auch sehr gut. Wir waren ja drei Kandidaten bei den Crocodiles, haben mehrmals die Woche speziell trainiert und hatten dadurch auch eine gute Competition untereinander. Es lief wirklich super, alles war “on point“ und lief perfekt. Dann gab es die erste Verschiebung auf einen Zeitraum ein paar Monate später. Das ist nun aber auch bereits wieder abgesagt worden. Man arbeitet natürlich weiter, aber ertappt sich immer wieder selbst dabei, wie man es ein bisschen schleifen lässt. Die CFL sagt, dass der Combine für die internationalen Spieler kurz vor den Trainingscamps nachgeholt wird. Der Combine wäre dann in Kanada, einen Tag vor dem Draft. Somit würde man direkt vor Ort gedrafted werden. Das ist der Status Quo. Niemand weiß aber, ob die Liga wirklich an den Start geht. Es bleibt eben diese Ungewissheit, die momentan herrscht. Das ist kein schönes Gefühl.

Touchdown24: 
Hält die CFL den Kontakt aufrecht?

Breidenbach: 
Die CFL kommuniziert stark in diese Richtung, weil sie sehen, was für starke Spieler dabei sind, die hohes Potenzial haben. Das Ganze wird auch wirklich groß aufgezogen. Ich gehe davon aus, dass es diese zweite Chance geben wird. Aber das hängt natürlich auch davon ab, ob eine Saison zustande kommt.

Touchdown24: 
Welche Chancen für den deutschen Football eröffnen sich Ihrer Meinung nach durch Spieler aus der GFL, die den Sprung in die CFL schaffen?

Breidenbach: 
In meinen Augen ist es zwiespältig zu betrachten. Der deutsche Football verliert dadurch sehr gute Spieler, das muss natürlich kompensiert werden. Soweit ich weiß, gibt es von Seiten der CFL aber eine gewisse Ausgleichszahlung. Für die Liga selbst ist es natürlich eine sehr gute Werbung. Ich glaube, man kann dadurch weltweit etwas mehr Aufmerksamkeit auf die Liga lenken, so dass die Leute sehen, was für Potenzial in der GFL steckt. Für uns Spieler ist es natürlich eine tolle Möglichkeit und eine super Erfahrung. Allein der Punkt etwas von der Welt zu sehen und von seinem Sport auch wirklich leben zu können. Das ist zwar in Deutschland auch möglich, aber man kann damit keine großen Sprünge machen. Ich denke, es ist ein Traum von vielen deutschen Spielern, mit dem Sport, den man liebt, seine Brötchen verdienen zu können. Davon sind wir in Deutschland aber noch ein gutes Stück entfernt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es einmal möglich sein wird, aber das wird noch einige Jahre an Entwicklung brauchen.

Touchdown24: 
Durch die aktuelle Lage gibt es keinen Liga- und gewöhnlichen Trainingsbetrieb. Ob eine Saison, die aktuell für September bis November vom AFVD anvisiert wird, überhaupt noch zustande kommt, steht in den Sternen. Wie motiviert man sich als Spieler, sich trotzdem fitzuhalten und wie schwierig ist es? Schließlich waren auch lange Zeit sämtliche Fitnessstudios geschlossen.

Breidenbach: 
Es ist auf jeden Fall schwierig. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Hat man keine Geräte zuhause, in der Garage oder sonstwo, dann bleiben halt nur Übungen mit eigenem Körpergewicht oder Trainingsbändern. Ich persönlich mache momentan drei Tage pro Woche Krafttraining, wenn man das so nennen kann. Man kann das einfach nicht mit einem Fitnessstudio vergleichen. Spielt man beispielsweise als Receiver, wo es eher auf Schnelligkeit ankommt und man grundsätzlich anders trainiert, ist es noch eher zu verkraften. Als Lineman fehlen die reinen Kraftübungen. Es ist im Moment eher ein Versuch, die Muskulatur aufrechtzuerhalten. Daneben gehe ich zwei Tage pro Woche laufen, mache Sprinttraining, Bergsprints und so weiter, um mich einfach in Form zu halten. Oftmals muss ich mich mehrfach aufraffen, um wirklich zu trainieren. Es ist wirklich schwer. Du kannst nicht auf Sportplätze, gehst du irgendwo auf der Wiese trainieren, kommt die Polizei und jagt dich weg, selbst wenn es sich um weitläufige Areale handelt und ich dort der Einzige bin. Bei manchen Entscheidungen, die die Stadt trifft, kann man sich nur an den Kopf fassen. Man weiß nicht, ob eine Saison stattfindet oder der CFL-Combine wirklich kommt. Man muss also in Form bleiben, denn wenn man nichts tut, verliert man den Anschluss. Deshalb muss man etwas machen. Ob das Spaß macht oder nicht, ist eine andere Sache, aber man muss einfach versuchen, sich so gut wie möglich in Form zu halten. Sollten der CFL-Combine bevorstehen, muss man dann zusehen, sich so gut wie möglich darauf vorzubereiten. Das ist momentan mein persönlicher Standpunkt.

Touchdown24: 
Welche Ziele hatten Sie persönlich und mit dem Verein in diesem Jahr?

Breidenbach: 
Mein persönliches Ziel ist, in die CFL zu kommen. Wenn die Liga dieses Jahr nicht startet, würde ich es gern im nächsten Jahr nochmal versuchen. Ich möchte dort aber nicht nur Backup-Spieler sein, sondern einen Starterposten ergattern. Ich weiß, wenn ich mich sieben Tage die Woche mit Football beschäftige, könnte ich dort auf ein ganz anderes Level kommen. Mein Motto lautet “the sky ist the limit“. Mannschaftlich gesehen würde ich gerne eine Meisterschaft in der CFL feiern, so wie Thiadric (Hansen, d. Red.) letzte Saison. Wenn es mit der CFL nicht klappen sollte, wäre es auf jeden Fall mein Traum, eine Meisterschaft mit den Crocodiles zu gewinnen. Ich hab schon immer gesagt, ich will nicht mit Football aufhören, ohne eine Meisterschaft mit den Crocodiles gewonnen zu haben. Wenn es sein muss auch noch mit 50. (lacht)

Touchdown24: 
Wenn Sie die Wahl hätten: Ein Jahr als Spieler in der CFL aktiv sein oder eine Meisterschaft mit den Crocodiles feiern?

Breidenbach: 
Definitiv CFL, auch wenn die Meisterschaft mit den Crocodiles ein Traum ist. Aber das ist einfach nochmal Football auf einem anderen Level. Dieses Erlebnis hat für mich auf jeden Fall Nummer-eins-Priorität.

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