Streit um Haftungsfreistellung - "Mündliche Einigung vom Tisch" imago images / Kessler-Sportfotografie

Streit um Haftungsfreistellung - "Mündliche Einigung vom Tisch"

geschrieben/veröffentlicht von/durch  08.06.2020
Die Teams der GFL und der AFVD hatten um die Saisonplanung 2020 gerungen und gestritten und nach einem virtuellen Meeting offenbar zusammengefunden - doch das ist nun hinfällig.
"Die mündliche Zusage ist vom Tisch“, erklärt Alexander Korosek, Geschäftsführer der Frankfurt Universe, im Interview mit der Sport Show auf rhein-main.tv. Diese Aussage überrascht, titelte die GFL doch nach der gemeinsamen Sitzung am 30. Mai noch "Grünes Licht für die GFL-Saison 2020“.

Den genauen Grund für den Rückzieher ließ Korosek zunächst offen, erläuterte aber auf Nachfrage von Touchdown24: "Es gab die klare Absprache zwischen den Vereinen und dem Verband, dass eine Version der Haftungsfreistellung erstellt wird, welche alle Parteien schad- und klaglos halten. Die mündlich besprochene Version bei der Versammlung hatte leider zwei Tage später nichts mit dem zu tun, was man besprochen hatte. Die Version des Verbandes stößt seither auf viel Unmut in der Liga.“

Weiter führt Korosek aus: "Der Verband ist bemüht, dass die Teams eine eigene Variante einreichen können. Allerdings ist dann noch nicht gesagt, ob der Verband die individuellen Haftungsvereinbarungen akzeptieren wird. Deadline zur Unterschrift ist der 15. Juni und zur Aussage, ob man spielen möchte, ebenfalls. Aber ohne Haftungsfreistellung ist die 'einfache' Exit-Option hinfällig.“

Ein weiterer Hinweis, dass eine Einigung in weite Ferne gerückt ist, ist, dass der Verband nach seiner Sitzung am vergangenen Samstag, die im Vorfeld als Formsache galt, noch keine Pressemitteilung herausgegeben hat. Nach der Einigung in der Online-Versammlung eine Woche zuvor dauerte es hingegen kaum eine halbe Stunde, bis die Öffentlichkeit informiert wurde. Auch die Vereine wissen laut Korosek noch nichts Neues: "Wir haben leider noch keine offiziellen Feedbacks erhalten. Okay, aber die Teams bekommen das eh meist als Letzte mit. Beziehungsweise über die Presse“, kritisiert er den Verband.

Kein Entgegenkommen in Sachen Lizenzgebühren

Ein Streitpunkt sind die Lizenzgebühren. Das deutete zumindest Korosek bei rhein-main.tv an. "Über die Gebühren wie Passgebühren und Lizenzgebühren wurde bisher nicht geredet. Wir und Kiel haben sie aber schon bezahlt. Ich finde, man sollte die Gebühren zurückbekommen, wenn eine Leistung nicht geleistet wird.“

Für die Universe kommt erschwerend hinzu, dass sie auch eine Kaution in Höhe von 35.000 Euro an den Verband zahlen musste. Diese Kaution ist eine Folge der Insolvenz der Universe 2018. Ob sie diese zurückbekommt, wenn sie in diesem Jahr nicht spielen will, ist noch unklar. Insgesamt belaufen sich die Zahlungen auf 50.000 Euro, weswegen die Universe auf eine Auskunft des Verbands drängt. "Solange wir keine Antwort dazu bekommen, können wir keine Antwort liefern, ob wir spielen oder nicht“, macht Korosek klar.

Wenig Hoffnung macht ihnen GFL-Sprecher Carsten Dalkowski, der am Wochenende ein Interview auf american-football.com gab. Auf die Frage von Holger Weishaupt, Pressesprecher der Marburg Mercenaries, nach den Lizenzgebühren sagte Dalkowski, auch Präsident der Mercenaries: "Die GFL-Lizenz wird auch von keinem Verein zurückgegeben. Allein der Verzicht zur Teilnahme am Pflichtspielbetrieb soll bis zum 15. Juni erklärt werden. Insofern bleibt die Lizenzgebühr in vollem Umfang bestehen. Dies war auch Teil des einstimmigen Beschlusses. Die GFL-Vereine sind sich auch in der Krise ihrer Verantwortung für die gemeinsame Liga und den Verband bewusst.“ Diese Aussagen haben bei einigen Vereinen für Verwunderung gesorgt und damit nichts zum Zusammenhalt der Liga beigetragen.

Weiterhin ist auch noch nicht sicher, ob sich alle Vereine bis zum 15. Juni entscheiden müssen, ob sie in diesem Jahr spielen wollen oder nicht. "Der Termin ändert sich vielleicht“, deutete Korosek bei rhein-main.tv an. Somit droht die Entscheidung über die GFL-Saison 2020 weiter zu einer Hängepartie zu werden. Das Verhältnis zwischen Verband und Vereinen ist jedenfalls um mehrere Wochen zurückgeworfen.

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Sebastian Mühlenhof

Sebastian Mühlenhof arbeitet seit 2019 bei der SDZ Mediengruppe in Aalen. Während seines Auslandsaufenthalt in Kanada entwickelte sich seine Leidenschaft für den American Football. Seit 2019 arbeitet er als freier Mitarbeiter mit Schwerpunkt auf der GFL für TOUCHDOWN24. Außerdem ist er Kommentator in der GFL, Moderator und Experte des Football-Podcasts "Interception - der Football-Talk" und engagiert sich ehrenamtlich in der Pressearbeit bei den Stuttgart Scorpions.

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