Nichts mehr rund im deutschen Football Nichts mehr rund im deutschen Football imago images / Jan Huebner

Positionspapier: AFVD lässt wichtige Fragen unbeantwortet

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Touchdown24-Redaktion 09.05.2020
Die Fronten verhärten sich. Der Football soll ab dem Herbst in den Lizenzligen des AFVD wieder fliegen. Wie der Deutsche Football-Dachverband am gestrigen Freitag bekannt gab, ist eine Saison von September bis November anvisiert.

Der Verband unter Präsident Robert Huber reagierte damit auf eine Frist, die ihm insgesamt zehn Vereine aus der GFL in einem Positionspapier, das unserer Redaktion vorliegt, gesetzt hatten. Fazit des Papieres ist es, dass eine Absage der GFL-Saison die einzig vernünftige Lösung sei.

Mit der Bekanntgabe der Ansetzung einer GFL-Saison im Spätsommer und Herbst stellte sich der AFVD gegen diese Forderung. Mehr noch, wichtige Fragen des Positionspapieres blieben unbeantwortet. Wie Touchdown24 erfahren hat, sind die Vereine "not amused". Die eindeutigsten Fragen wurden dabei gleich zu Beginn gestellt. “Sollte das Präsidium des AFVD den Spielbetrieb in der Saison 2020 nicht endgültig einstellen (…)“, heißt es in dem Dokument, “wird innerhalb derselben Frist (8. Mai, d. Red.) einer verbindlichen Mitteilung der Verbandsführung entgegengesehen, welche rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen dem/den Vereinen konkret drohen, sofern ein einmächtiger Rückzug aus dem Spielbetrieb erfolgt, bzw., zu Spielen in 2020 nicht angetreten wird.“

Kurzum: Die zehn Vereine, die unserer Redaktion bekannt sind, erwägen also einen Boykott einer etwaig stattfindenden Saison. Die legitime Frage, mit welchen Konsequenzen zu rechnen sei, dies wäre im Sinne einer Abwägung nicht ganz unwichtig, beantwortete der AFVD weder in seiner Pressemitteilung und Veröffentlichung auf der Verbands-Homepage, noch, laut Auskunft mehrerer Vereine, in direkter Kommunikation.

In ihrem Positionspapier führen die Teams etliche Gründe an, warum eine Saison-Absage die einzig vertretbare Lösung darstellt. So steht in dem Schreiben unter Verweis auf die von Wissenschaft, Politik und den Vereinen geteilte Meinung, dass ein latentes Infektions-Risiko mindestens das ganze Jahr 2020 bestehen wird: “Der Schutz der Gesundheit der am Spiel- und Trainingsbetrieb beteiligten Personen (u.a. Spieler, Trainer, Betreuer, Schiedsrichter, Zuschauer, Dienstleister) steht im Vordergrund. Die Vereine sehen es als ihre wesentliche Verantwortung diese Personen, die in Aktivitäten unter Leitung der Vereine involviert sind, bestmöglich zu schützen.“

Weiter machen die Vereine auf Probleme aufmerksam, die bei einer Aufnahme der Saison entstehen würden. So sind den Vereinen Spieler, Trainer und Betreuer bekannt, die aufgrund ihrer Berufes, beispielsweise mit “Systemrelevanz“, keine Freigabe ihrer Arbeitgeber erhalten, um an einem Trainings- und Spielbetrieb teilzunehmen. Des Weiteren weisen die Vereine auf einen Imageschaden der GFL hin. So heißt es: “Welche Auswirkungen hätte eine Infektion (sog. „Hotspot“) an Spieltagen? Nach Ansicht der Vereine wäre der Imageschaden fatal. Mit einem solchen Ereignis, dessen Eintrittswahrscheinlichkeit hoch ist, möchte kein Verein seinen Namen verbinden.“

Offenbar scheint der AFVD die Meinung zu vertreten, dass “Warten nichts kostet“. So leiten die zehn Vereine den Stichpunkt “Wirtschaftlichkeit“ ein und widersprechen prompt. So schreiben die Vereine: “Diese Aussagen kann keiner der Vereine bestätigen. Die Vereine haben zwar Kosten reduziert, dies jedoch vor dem Hintergrund einer möglichen Ansetzung des Spielbetriebes. Sie sind also im Notbetrieb (z.B. wurden leere Wohnungen nicht weitervermietet und Fahrzeuge vorgehalten). Aufgrund fehlender Einnahmen zehren sie von den Reserven, welche jedoch wahrscheinlich für das Jahr 2021 benötigt werden, um die zu erwartenden Ausfälle im Sponsoring zu kompensieren. (…) Die verzögerte Entscheidung in Bezug auf die GFL-Saison 2020 führt bei den Vereinen flächendeckend zu finanziellen Schäden, die sich negativ auf die Saison 2021 auswirken werden. Die Vereine werden diese Schäden selbst tragen müssen und somit ist eine frühzeitige Reduktion auf das Minimum zwingend notwendig – wenn nicht überlebenswichtig.

Richtig wäre an dieser Stelle, dass DEN VERBAND “Warten“ offenbar nichts kostet. Mit sämtlichen wirtschaftlichen Problemen sind die Vereine auf sich alleine gestellt. Zudem verweisen die Teams auf eine fehlende Chancengleichheit, da die Vereine je nach Bundesland in unterschiedlicher Weise trainieren dürfen.

Und so lautet das Fazit des vierseitigen Papieres: “Den Spielbetrieb der GFL-Saison 2020 auszusetzen wäre die einzige verantwortungsvolle Position in diesen Zeiten. Das Festhalten an einem wie auch immer gearteten Wettkampfbetrieb wäre fahrlässig in Bezug auf die Gesundheit der Teilnehmer und die finanzielle Entwicklung der Vereine. Darüber hinaus würde dies die Saison 2021 ebenfalls ins Risiko setzen.“

Pikant der Nachtrag, in denen die Vereine erklären, dass sie durch den AFVD dazu aufgerufen worden sind, “öffentlich bzw. gegenüber den Gesundheitsämtern zu argumentieren, dass Football nicht ein KONTAKT-Sport, sondern ein KOLLISIONS-Sport sei. Die Sportler würden zwar im Spiel miteinander kollidieren, aber sie hätten nicht zwingend Kontakt. Kontakt sei das Berühren von Spielern. Da aber die Spieler ihren Körper komplett bedeckt hätten, würden sie sich nicht berühren.“ Dazu bemerken die Vereine: “Die Vereine halten diese Definition für nicht korrekt. Sie ist irreführend und widerspricht dem gefassten Grundsatz, die Gesundheit der am Spiel- und Trainingsbetrieb beteiligten Personen über wirtschaftliche Überlegungen zu stellen. Die Vereine können diese Darstellung nicht vertreten bzw. durch diese einen umfassende Football-Trainingsbetrieb erwirken. In der Öffentlichkeit bleibt das Abstandsgebot von 1,5m weiterhin bestehen. Dieses ist in unserem Sport nicht zu gewährleisten.“

TOUCHDOWN24 zitiert zwar weite Teile des Positionspapieres, allerdings sehen wir von einer Veröffentlichung des Dokumentes ab, da wir der Überzeugung sind, dass dies den Verfassern des Schriftstücks obliegt.

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Heft 34 Ausgabe JUN 2020 Deines American Football Magazins TOUCHDOWN24.



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