Markus Ley, Präsident der Crocodiles Markus Ley, Präsident der Crocodiles Nadine Bartz

Markus Ley: ”Dass Football gespielt werden kann, ist unser Auftrag”

geschrieben/veröffentlicht von/durch  15.06.2020
Im Interview mit Touchdown24 äußert sich Markus Ley, Präsident der Cologne Crocodiles, zur aktuellen Lage in der GFL.

Touchdown24: Hallo Herr Ley, am 30. Mai haben alle Teams bei einem Online-Meeting einstimmig den Rahmenbedingungen zugestimmt. Waren Sie nach den Unruhen in den Wochen zuvor froh über diese Einstimmigkeit?

Markus Ley: Es gibt ja eine Einigung darüber, wie ein Saisonablauf aussehen könnte, inklusive der Möglichkeit eines Ausstiegs aus der Liga. Das ist auch alles schon vorher diskutiert worden, nur der Rahmen musste noch festgelegt werden, wer wie aussteigen kann. Jetzt haben sich die Vereine auf ein Szenario geeinigt und dem hat nun der Lizenzgeber bzw. der AFVD zugestimmt. Am Ende des Tages ist dort ein weitreichender Kompromiss geschlossen worden, der für alle Seiten die Möglichkeit offenlässt, für sich selbst einen guten Weg zu finden. Ob das nachher der Liga oder dem Football in Deutschland hilft, werden wir dann in Zukunft sehen.

Touchdown24: War der wichtigste Beschluss, dass man straffrei seine Teilnahme am diesjährigen Spielbetrieb absagen kann? Oder gab es noch sonstige Änderungen in den Regularien?

Ley: Es ging ja darum, den Vereinen, die nicht teilnehmen wollten, ein Szenario zu bieten, was sie nicht noch zusätzlich in Bedrängnis bringt. Das Lizenzstatut ist da ja eigentlich eindeutig. Wer die Liga verlässt steigt, mindestens in die Regionalliga ab und muss eine empfindliche Geldstrafe zahlen. Der Verband ist hier natürlich bereit, die Regularien zu ändern. Wir als Vereine müssen uns da nicht einigen. Die teilnehmenden Vereine brauchen keine Strafzahlung von einem anderen Verein, der nicht spielen will. Mir ist das jetzt persönlich fremd. Anderen Teams wäre das möglicherweise wichtig gewesen, aber ich möchte in der jetzigen Situation von keinem, der das Wasser sowieso schon bis zum Halse stehen hat, oder Vereinen, die das aus anderen Gründen nicht für richtig halten das gespielt wird, eine Strafzahlung aufbrummen. Aber wie gesagt, das ist längst vom Tisch.

Touchdown24: Das sind gute Nachrichten, dass man dort ein Papier erstellt hat, was auch dem Verband zufrieden stimmt.

Ley: Wir waren ja alle gar nicht soweit auseinander. Wir hatten nur unterschiedliche Ansichten, ob es Sinn macht, eine Saison zu spielen oder nicht. Die einfachste Möglichkeit für uns als Crocodiles wäre auch zu sagen: Komm, wir spielen nicht und wir machen uns keinen Kopf, wie wir die Saison finanziert und gewuppt bekommen. Am Ende des Tages sind halt viele Punkte, die man abwägen muss. Finanzielle und organisatorische Dinge, Trainings-und Spielstätten, aber auch unsere Spieler, Trainer, Betreuer und Zuschauer – die wollen halt in der Mehrheit, dass Football gespielt wird. Und dann müssen wir als Verein dafür sorgen, dass Football gespielt werden kann, bzw. es ist unser Auftrag. Ob wir das müssen in der jetzigen Situation, ist was anderes, aber grundsätzlich ist es für uns als Vorstand die Aufgabe, die Möglichkeit zu bieten, dass die Jungs alle Football spielen können.

Touchdown24: Sie haben also mit allen Spielern und Trainern gesprochen und sie gefragt, ob sie Football spielen wollen oder nicht?

Ley: Bei uns hat eine sehr große Mehrheit gesagt, dass sie spielen möchten. Sowohl auf Trainer- als auch auf Spielerseite. Wir sind da in sehr engem Austausch. Wenn das nicht so wäre, würden wir uns anders entscheiden, denn wir als Vorstand wollen uns nicht gegen die Mannschaft stellen. Am Ende des Tages könnte dann ja auch, da es alles Amateure sind, jeder sagen, ich spiele nicht. Wie es jetzt natürlich weitergeht, ist aber eine andere Frage. Ich persönlich bin nicht glücklich mit diesem letzten Exit-Szenario Ende Juli, weil dann natürlich auch Spieler sagen: “So wir trainieren jetzt, aber wissen erst Ende Juli, ob wir wirklich spielen können.“ Das ist nicht motivierend für sie, wenn man jetzt den Jungs sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Saison überhaupt stattfindet, relativ überschaubar ist. Das ist ja immer noch das große Manko. Es ist zwar schön, dass wir bereit sind eine Saison zu spielen, aber wenn die Politik nicht bald sagt: Wir haben festgelegt, dass bis zum Ende August keine Großveranstaltungen möglich sind, müssen das aber jetzt entweder schon verlängern oder sagen, danach ist, wenn es so weiterläuft, definitiv eine Großveranstaltung erlaubt. Dann können wir ja erst sinnvoll planen. Und wenn wir diese Nachricht meiner Meinung nach nicht in den nächsten vier, fünf Wochen bekommen, dann ist eine Saison auch schwierig umzusetzen.

Touchdown24: Genau. Sie sind ja wie alle anderen Vereine in der GFL und GFL2 auf die Zuschauereinnahmen angewiesen.

Ley: Absolut. Ein großer Konsens in der Liga und bei den Vereinen, die spielen wollen, ist, dass ohne Zuschauer eine Saison nicht stattfinden wird. Das kann sich tatsächlich niemand leisten. Ich kann zwar nicht für alle Mannschaften sprechen, aber da herrscht Konsens, dass wir diese Beschränkung der Zuschauer definitiv weghaben müssen.

Touchdown24: In was für einem Umfang müsste das dann erlaubt werden?

Ley: Da müsste man sich auf eine Zahl einigen, die irgendwo im mittleren vierstelligen Bereich ist. Es reichen nicht insgesamt 1000 Personen bei einem Spieltag, weil mit Spielern, Trainern, Security, Catering, Merchandising, Schiedsrichter etc. sind mindestens die ersten 200 Leute weg. Dann hat man noch maximal 800 zahlende Zuschauer und auch das können sich einige Vereine wie wir nicht leisten. Wir bräuchten jetzt keine 2000, 3000 Zuschauer mehr, sondern eine Zahl, mit der wir sinnvoll arbeiten können. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage nach den Hygienekonzepten, die, so würde ich derzeit vermuten, von Bundesland zu Bundesland verschieden sein werden. Wie viele Zuschauer zum Beispiel werden wir auf unsere 3000 Zuschauer fassende Tribüne unterbringen dürfen?

Touchdown24: Gibt es noch weitere Dinge, die bis zum Saisonstart geklärt sein müssen?

Ley: Wir haben uns auf ein paar wichtige Dinge geeinigt. Das ist die Reisefreiheit und in den Bundesländern, wo ein GFL-Team ist, muss frühzeitig ein gemeinsamer Trainingsbetrieb möglich sein. Das ist ja auch noch nirgendwo erlaubt, als Team komplett in Kontakt zu trainieren, auch wenn es nun in NRW für eine Gruppe von 30 Spieler möglich ist. Wenn das nicht bald passiert, wird es auch schwer. Wir können nicht drei Wochen vor Saisonbeginn das erste Mal Kontakttraining machen. Wir können ja viele gesundheitliche Gründe wie Infektionsrisiko anführen, aber es geht auch grundsätzlich erstmal ums Verletzungsrisiko der Spieler, wenn sie nicht fit sind. Es gibt immer noch Bundesländer, wo Fitnessstudios zu sind. Das sind die banalen Dinge, die erstmal funktionieren müssen. Und darum möchte ich uns als Verein noch die Option offenhalten, aber ob es wirklich eine Saison gibt, da bin ich weiterhin skeptisch. Das ist alles weiterhin viel Hypothese.

Touchdown24: Wissen Sie schon, wie viele Vereine an einer Saison teilnehmen werden? Gibt es vielleicht sogar Teams vom Positionspapier, die sich ähnlich wie Sie, die Option bis Juli offenhalten wollen? Und gibt es für Sie eine Untergrenze von Teams, die sich mindestens für eine Saison aussprechen muss?

Ley: Das ist jetzt natürlich reine Spekulation, was ich hier anstellen würde. Ich kann mir bei einigen Vereinen überhaupt nicht vorstellen, dass sie ihre Meinung nochmal komplett ändern. Aber ich kann mir vorstellen, dass Vereine, die zurzeit sagen, sie wollen spielen, ihre Meinung ändern. Andererseits kann ich mir auch vorstellen, dass, wenn die Infektionsraten so runtergehen, wie sie derzeit runtergehen und die Forschung auch große Schritt macht, und es gibt die Möglichkeit unter Zuschauern zu spielen, sich dann noch Teams umentscheiden und dann doch starten. Bis wann sich alle entscheiden werden, werden wir sehen, denn die Deadline wurde vom 15. Juni nach hinten verschoben. Und danach wissen wir mehr. Die Situation bleibt für alle Beteiligten, wie auch in allen anderen Sportarten, extrem unbefriedigend.

6.50 EUR
Heft 35 Ausgabe JUL 2020 Deines American Football Magazins TOUCHDOWN24.
Sebastian Mühlenhof

Sebastian Mühlenhof arbeitet seit 2019 bei der SDZ Mediengruppe in Aalen. Während seines Auslandsaufenthalt in Kanada entwickelte sich seine Leidenschaft für den American Football. Seit 2019 arbeitet er als freier Mitarbeiter mit Schwerpunkt auf der GFL für TOUCHDOWN24. Außerdem ist er Kommentator in der GFL, Moderator und Experte des Football-Podcasts "Interception - der Football-Talk" und engagiert sich ehrenamtlich in der Pressearbeit bei den Stuttgart Scorpions.

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden

Meistgelesen

GFL-Vereine frustriert über Änderungen des Verbandes

18.07.2020 GFL Sebastian Mühlenhof

Am Mittwoch hat der AFVD die angepasste Bundesspielordnung und das neue Lizenzstatut verschickt. Das...