Kommentar: Klare Kante, die Zeit ist reif imago images / Hartenfelser

Kommentar: Klare Kante, die Zeit ist reif

geschrieben/veröffentlicht von/durch  10.05.2020
Der AFVD will eine Saison auf Gedeih und Verderb durchziehen, vielen Vereinen steht das Wasser bei weiterem Ausharren bis zum Hals. Dass der Verband offenbar die Ansicht vertritt “Warten kostet nichts“, zeigt, wie weit sich der AFVD von seinen Mitgliedern entfernt hat.

Ein Kommentar von Markus Schulz

Die Sache scheint klar. Der AFVD spekuliert weiter auf seine Einnahmen, die bei einer Absage der Saison wegfallen würden und überlässt jegliches Risiko den Vereinen. Natürlich kann der AFVD nicht jeden Verein retten, der die Corona-Krise wirtschaftlich nicht übersteht, aber er bringt schlingernde Vereine in noch größere Bedrängnis, anstatt sich vor sie zu stellen und fordert sie dann noch auf, öffentlich und gegenüber Gesundheitsämtern Aussagen gegen die eigene Überzeugung zu treffen. Alles für den AFVD, den Dackel, den Club!

Was passiert denn, wenn die Saison ab September nicht starten kann, sie dann eben im Herbst endgültig abgesagt wird? Übernimmt der AFVD dann zumindest die Kosten, die den Teams mindestens vom 8. Mai (Tag der Frist) an bis zur Absage der Saison durch die Hinhaltetaktik entstanden sind? Könnte er theoretisch ja tun, immerhin ist er der Überzeugung, dass “Warten nichts kostet“.

Klar ist natürlich auch, dass der AFVD nicht nur die Interessenvertretung von zehn GFL-Vereinen ist. Offenbar sind sechs andere Vereine der ersten Liga ja durchaus Willens den AFVD-Weg mitzugehen. Dann bitteschön soll der Verband mit diesen Vereinen und womöglich willigen GFL2-Teams eben eine Saison planen und den zehn Teams, die sich an ihn gewendet haben, zumindest eine Antwort auf ihre wichtigste Frage geben: Was passiert mit ihnen, wenn sie einen Spielbetrieb nicht verantworten wollen und eigenmächtig nicht zu Spielen antreten?

“Nichts“ wäre eine Antwort, sie wäre auch fair, da niemand etwas dagegen sagen kann, dass Vereine den Gesundheitsschutz ganz nach vorne stellen. “Der Neuanfang in Liga sieben“ wäre auch eine. Würde nicht unbedingt einen starken Charakter zeigen, aber es wäre eine Antwort. “Wir werden entgangene Einnahmen aus dem TV-Vertrag und weitere fehlende Einnahmen, die uns durch den Boykott der Vereine entstanden sind, von den Vereinen einklagen“, könnte auch eine Antwort sein, immerhin ist Robert Huber ja Jurist. Doch anstatt klare Kante zu zeigen, werden die Teams übergangen und eine Saison in Form einer Absichtserklärung für einen mehr oder minder spezifischen Zeitraum verkündet.

Diese klare Kante sollten jetzt die Vereine zeigen. Im nächsten Meeting sollten sie Geschlossenheit demonstrieren und erklären, dass sie 2020 nicht spielen werden. Was immer der AFVD sich ausdenken mag. Und dann sollten die Teams in Richtung 2021 oder 2022 blicken und in einer AFVD-unabhängigen Liga ihren eigenen Spielbetrieb organisieren.

Und machen wir uns nichts vor: Der American Football in Deutschland ist mehr als nur der AFVD. Weißgott ist der Boom nicht auf die Vermarktung der GFL zurückzuführen. Die Vereine sind stark und attraktiv und sie könnten sich in einer eigenen Liga selbst organisieren und so ganz andere Vermarktungs- und Kooperationsmöglichkeiten anpeilen. Was fehlt, wäre ein Großsponsor oder Mäzen, der der Liga eine finanzielle Grundlage für ihren Betrieb gibt. Denn beispielsweise Schiedsrichter würde der AFVD sicherlich nicht entsenden. Diese müssten vielleicht abgeworben und vertraglich an die Liga gebunden werden. Klar, das ist der Konjunktiv, aber die Zeit ist reif. Und bevor jetzt der Aufschrei kommt, "klar, ein Mäzen. Der Autor glaubt auch an den Weihnachtsmann" - es soll bereits jemanden geben, der sich für eine solche Liga interessiert.

Also, Zusammenschluss der Vereine: Nehmt euch raus aus den Fängen des Verbandes. Nie war die Zeit günstiger als jetzt. Mindestens zwölf Monate, eher mehr, werden vergehen, bis American Football wieder verantwortungsvoll in Deutschland gespielt werden kann. Zeit genug, um etwas auf die Beine zu stellen.

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Heft 34 Ausgabe JUN 2020 Deines American Football Magazins TOUCHDOWN24.

Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.

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