Kommentar: Huber macht sich seine Welt, widewide wie sie ihm gefällt Marc Junge/All-About-Football.de

Kommentar: Huber macht sich seine Welt, widewide wie sie ihm gefällt

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Patrick Rebien 01.05.2020
Gäbe es einen Guinness-Rekord für die Distanz zwischen einem Verband und seinem Sport, hätte der American Football Verband Deutschland (AFVD) diesen mit seiner Pressemitteilung zu den Vorraussetzungen eines Wiedereinstiegs in den Trainingsbetrieb "American Football & Cheerleading" locker geknackt.

Ein Kommentar von Patrick Rebien

Es ist eine Pressemitteilung, die Sportler und Trainer fassungslos zurücklässt und die Frage aufwirft, inwieweit die Funktionäre des AFVD ihren Sport, den American Football, überhaupt kennen.

In dieser am 30. April 2020 veröffentlichten Pressemitteilung werden Maßnahmen beschrieben, wie trotz Corona der Trainings- und später auch der Spielbetrieb aufgenommen werden können, die hanebüchen sind und zu Häme, Spott und Fassungslosigkeit unter Spielern, Betreuern und Trainern führte.

Angefangen mit der Vorbemerkung, in der ausgeführt wird, dass Football zwar ein Kollisionssport sei, die Sportler jedoch allerhand Schutzkleidung am Körper hätten, welche eine Infektion verhindern würde. So wird speziell auf den Helm eingegangen, an dem sich ein Gesichtsgitter mit Visier befindet. Dass das Stichwort hier jedoch "Gitter“ ist und sich bei den wenigen Spielern, die ein Eyeshield tragen dieses über der Augen- und nicht der Mund- und Nasenpartie befindet, scheint den Verantwortlichen entgangen zu sein. Die Beschaffenheit des Helms und Gesichtsgitters schützt in keinster Weise vor einer Tröpfcheninfektion, dem Hauptübertragungsweg des CoViD19-Erregers.

Auch die Aussage, dass die Kollision selbst ein Kontakt von wenigen Sekunden sei und ohne jeglichen Kontakt von Haut zu Haut stattfindet, entbehrt jeglicher Wirklichkeit. Die wenigsten Spieler tragen beim Football lange Unterwäsche. Vom Kontakt der Linemen, der länger als wenige Sekunden dauert, mal ganz abgesehen.

Weiterhin soll die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes in drei Phasen erfolgen und nach erfolgreicher Absolvierung aller Phasen der Spielbetrieb ermöglicht werden.

Allerdings sind auch die Vorgaben, wie die Phasen auszusehen haben mehr als lächerlich. In Phase 1 soll der Trainingsbetrieb in Kleingruppen mit bis zu fünf Personen inklusive Trainer aufgenommen werden. Hierbei soll allerdings kein Körperkontakt erlaubt sein und Abstandsgebote eingehalten werden. Ob den Herren des AFVD-Präsidiums die Position der Offensive Line bekannt ist, die in der Startformation alleine aus fünf Spielern besteht und somit keinen Trainer zulässt ohne gegen die Auflagen zu verstoßen, bleibt offen.

In Phase 2 soll die Möglichkeit geschaffen werden, mit mehreren Kleingruppen gleichzeitig unter Einhaltung der Abstandsregeln zu trainieren. Auch hier fehlt offensichtlich jegliche Kenntnis von den Abläufen auf dem Feld. So ist kein ordentliches Training der Line möglich, da diese eben auf Körperkontakt basiert und außerdem in ihren Splits bei weitem keine 1,5 bis 2 Meter auseinander steht. Auch fast alle Laufwege der Runningbacks sind so nicht trainierbar.

In den Hygienerichtlinien unter Phase 3 schreibt der AFVD, dass die Husten- und Niesetikette (Niesen/Husten in den Ellenbogen) beachtet werden soll. Dies gestaltet sich jedoch mit Helm auf dem Kopf schwierig bis unmöglich, da durch das Gesichtsgitter zwischen Arm und Mund ein großer Abstand entsteht und sich die Viren somit frei verteilen können.

Den Vogel schießt der Verband jedoch in den Regeln zum Spiel- und Wettkampfbetrieb ab. So soll die Anzahl der Auswechselspieler in der Wechselzone begrenzt werden. Dass Football jedoch ein Sport ist, bei dem nicht umsonst aufgrund von Erschöpfung sowie der hohen Verletzungsgefahr bis zu 50 Spieler auf dem Teamroster stehen dürfen, wird dabei außer Acht gelassen. Auch der Vorschlag, Spieler und Trainer unter Beachtung der Abstandsregeln auf die Tribüne zu verbannen, ist absolut unlogisch. So wird eine Kommunikation unter Spielern und Trainern bis ins fast Unmögliche erschwert. Trainer können nicht mit den Captains, dem Quarterback oder ihrer Unit sprechen, um Spielzüge anzusagen oder Feinjustierungen vorzunehmen, ohne Gefahr zu laufen, dass der Gegner diese mitbekommt.

Zudem wird vorgeschlagen, Schiedsrichterpositionen mit dem Risiko einer Kollision mit Spielern und wichtige, mitunter spielentscheidende Elemente des Footballs, wie den "Point after Touchdown“, einfach wegfallen zu lassen.

Was sich der AFVD da überlegt hat, ist nicht durchzusetzen, da es den Sinn des Spiels konterkariert und zudem alle Spieler, Trainer, Betreuer und Schiedsrichter einem nicht kalkulierbaren Risiko aussetzt, an CoViD19 zu erkranken oder andere Personen als Träger des Virus anzustecken. Die einzige vernünftige Aktion des AFVD wäre, die Saison 2020 abzusagen. Zum Wohle der Gesundheit und des Lebens!

PS: Die Mitteilung wurde mittlerweile wieder von der Homepage des AFVD kommentarlos entfernt.

Dieser Artikel ist zur Zeit leider nicht verfügbar.
6.50 EUR
Heft 33 Ausgabe MAI 2020 Deines American Football Magazins TOUCHDOWN24.



Dein Warenkorb

Gesamtsumme:   0.00 EUR
Zum Warenkorb

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden

Meistgelesen

Kommentar: Huber macht sich seine Welt, widewide wie sie ihm gefällt

01.05.2020 GFL Patrick Rebien

Gäbe es einen Guinness-Rekord für die Distanz zwischen einem Verband und seinem Sport, hätte der ...