Szene aus dem Vorjahr: Braunschweig (rote Trikots) gegen Schwäbisch Hall Szene aus dem Vorjahr: Braunschweig (rote Trikots) gegen Schwäbisch Hall imago images / Kessler-Sportfotografie

GFL: Wie der German Bowl zu retten wäre

geschrieben/veröffentlicht von/durch  21.04.2020
Die Corona-Krise hält die Welt und damit auch den deutschen Football-Sport in Atem. Der vom AFVD anvisierte Starttermin für die GFL und GFL2 zu Pfingsten, also Ende Mai, ist nicht mehr zu halten.

Erste Landesverbände haben ihren Spielbetrieb offiziell ausgesetzt, während sich andere Landesverbände und der deutsche Dachverband von Regierungs-PK zu Regierungs-PK hangeln. Klar ist: Großveranstaltungen sind bundesweit bis zum 31. August verboten.

Einen GFL-Spielbetrieb ohne Zuschauer, soviel steht fest, wird sich kaum ein Verein leisten können. Somit sieht es ganz danach aus, dass es – im besten Falle – erst ab dem ersten September-Wochenende zu Football-Spielen in Deutschland kommen kann. Dem AFVD, respektive der German Football League, blieben also exakt sechs Wochenenden bis zum anvisierten Termin für den German Bowl am 10. Oktober.

Playoff-System und Solidarität

Die Voraussetzungen sind natürlich alles andere als optimal und dennoch liegt in der Situation auch eine Chance – ein Playoff-System könnte der Ausweg zumindest für die GFL sein. Vorausgesetzt dass die Teams spätestens Anfang August alle wieder halbwegs normal trainieren können, könnten am Wochenende des 12. und 13. Septembers Nord- und Südstaffel getrennt voneinander, um Reisekosten zu sparen, einen German-Bowl-Finalisten ausspielen. Der AFVD könnte jeweils zwei Top-Teams setzen und die restlichen Paarungen auslosen. Oder einfach einen Spielplan nach Abschlusstabelle des Vorjahres festlegen.

Die Partien sähen im zweiten Vorschlag wie folgt aus:

  • NYL Braunschweig vs. Elmshorn Fighting Pirates
  • Berlin Rebels vs. Cologne Crocodiles
  • Hildesheim Invaders vs. Potsdam Royals
  • Dresden Monarchs vs. Kiel Baltic Hurricanes
  • Schwäbisch Hall Unicorns vs. Ravensburg Razorbacks
  • Stuttgart Scorpions vs. Ingolstadt Dukes
  • Marburg Mercenaries vs. Allgäu Comets
  • Frankfurt Universe vs. Munich Cowboys

Wichtig wäre, dass jeweils in dem Stadion gespielt wird, in dem die meisten Einnahmen zu erwarten sind. Sämtliche Einnahmen, nach Abzug der Betriebskosten durch den gastgebenden Verein, müssten in einen Solidaritätstopf fließen, von dem am Ende der Saison alle Teams gleichermaßen profitieren. Der German-Bowl-Sieger würde also den gleichen Betrag bekommen wie die Teams, die in der ersten Playoff-Runde ausgeschieden sind. Der Abstieg müsste ausgesetzt werden.

Die weiteren Spieltermine wären dann: 19. und 20. September sowie für die Staffel-Finals der 26. und 27. September. Zwei Wochen später könnte dann der German Bowl wie ursprünglich geplant stattfinden.

AFVD gefordert

Aber auch der AFVD wäre gefordert, die Vermarktung der Spiele zugunsten des Solidaritätstopfes und somit der Vereine anzutreiben. Der Sport-TV-Markt dürfte nach Livesport dürsten. TV-Sender, die sich in den letzten Jahren mit Footballspielen beschäftigt haben, müssten angesprochen werden. Nach Informationen unserer Redaktion hatte die ProSiebenSat.1-Media-Gruppe bereits in den Vorjahren Interesse an der Ausstrahlung des German Bowls signalisiert. Am 13., 20. und 27. September könnte so jeweils ein Topspiel, beispielsweise um 15 Uhr, vor der NFL-Übertragung angesetzt werden, um den deutschen Football einem größeren Publikum zuzuführen. Der GFL-Appetizer vor der NFL. Auch der Streaming-Dienstleister DAZN sollte kontaktiert werden.

Das wäre auch wieder interessant für die Vereine, die ihren Sponsoren, die bis dahin nicht präsentiert werden konnten, eine große Plattform anbieten könnten. Davon könnte der Football in Deutschland sogar nachhaltig profitieren. Denn mit Medienpräsenz wächst naturgemäß auch das Zuschauerinteresse und womöglich strömen 2021 umso mehr Fans in die deutschen Stadien, was wieder gut für die gebeutelten Kassen der Vereine wäre. Dafür aber müsste sich der AFVD bewegen und seinen Teil zur finanziellen Bewältigung der Krise zu tun und bereit sein, den Football in Deutschland für ein größeres Publikum zu öffnen.

Das Situation bietet also auch etliche Chancen. Natürlich sind das aber alles nur Gedankenspiele, wenn ab September wieder unter Beisein von Zuschauern gespielt werden kann. Ob der AFVD, der sich in den letzten Jahren alles andere als transparent und an Wachstum interessiert gegeben hat, aber fähig ist, derlei – oder ähnliche - Chancen auch zu ergreifen, daran dürften berechtigte Zweifel bestehen.

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Heft 33 Ausgabe MAI 2020 Deines American Football Magazins TOUCHDOWN24.



Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.

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