Trainingsanlage geschlossen: der Football ruht auch beim Deutschen Meister Trainingsanlage geschlossen: der Football ruht auch beim Deutschen Meister imago images / Hübner

Corona wird zur Zerreißprobe für AFVD und Vereine

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Dirk Kaiser 06.05.2020
Ein Verband, der sich mit Verzweiflung an die Fortsetzung des Spielbetriebs klammert, Vereine, die nicht unter einen Hut zu bekommen sind. Der deutsche American Football zeigt sich in diesen Tagen uneins.

Vor wenigen Tagen hatte der AFVD mit einer Pressemitteilung zur Wiederaufnahme des American Footballs in Deutschland für Empörung gesorgt und wenige Stunden nach ihrer Veröffentlichung das Dokument wieder von seiner Homepage genommen. Währenddessen scheint sich ein Teil der GFL-Vereine zusammenzuschließen, um eine Absage der GFL-Saison zu erwirken. Eine andere Gruppe an Mannschaften hofft dennoch in diesem Jahr noch spielen zu können.

Nein, man möchte in diesen Tagen nicht mit Robert Huber tauschen. Seit 1999 ist der Rechtsanwalt bereits Präsident des deutschen American-Football-Dachverbandes und steht spätestens seit den Verwerfungen des AFVD mit dem internationalen Dachverband IFAF in der Kritik seiner Mitglieder. Die Möglichkeit, es allen Recht zu machen, gibt es offenbar gar nicht. Sagt der AFVD die Saison vorzeitig ab, befürchtet Huber eine Klagewelle. Tut der AFVD das aber nicht, könnte es ebenfalls zu Klagen kommen.

“Die Funktionäre können entscheiden, was sie wollen. Irgendeiner will immer klagen, weil er sich benachteiligt sieht“, wird Huber in der Hildesheimer Allgemeine zitiert. Daher versucht der deutsche Verband sich möglichst nah an den politischen Vorgaben zu orientieren. Wird die Ausübung von Mannschaftssportarten mit Gegner- oder Mitspielerkontakt erlaubt, dann soll auch auf den deutschen Football-Plätzen wieder das Ei durch die Luft fliegen können.

Gibt es hingegen keine Freigabe der Politik, wird die Saison immer weiter verschoben, bis sie eben nicht mehr durchzuführen ist. Der AFVD ist somit vor allem um eigene Schadensbegrenzung bemüht. Klagen über die Erstattung von beispielsweise bereits entrichteten Lizenzgebühren hätten bei einer Absage seitens des Verbandes ohne ausdrückliches Verbot der Politik sicherlich eine bessere Chance auf Erfolg.

Mit dieser Art der Salamitaktik haben die Vereine aber so ihre Probleme und sehnen klare Aussagen herbei. So soll es nach Informationen der Zeitung zu einem Treffen mehrerer GFL-Vereine in Braunschweig gekommen sein. Der Zusammenschluss der Teams arbeite aktuell an einem Positionspapier. Ziel: die Absage der Saison. Laut GFL-Sprecher Carsten Dalkowski ist aber nur ein Teil der Vereine für eine Absage – nämlich der reichere Part. Andere Teams, die weniger Groß-Sponsoren haben, hoffen weiterhin auf Spielbetrieb, um nicht in eine noch größere finanzielle Schieflage zu kommen.

Wenn sich also die besten Teams Deutschlands nicht einig sind, der Dachverband nicht in der Lage scheint, seine Mitglieder zusammenzuhalten, drängt sich die Frage auf: Wird der AFVD in dieser Form die Corona-Krise überstehen? Oder ist es denkbar, dass sich Teams vom AFVD abwenden, um - nach Corona - einen unabhängigen Spielbetrieb zu starten? Einen eigenen Verband oder zumindest eine eigene Liga gründen? Bei zunehmend wachsender Unzufriedenheit ist dieser Gedanke nicht ganz abwägig. Der AFVD und die GFL stehen womöglich vor einer ungeahnten Zerreißprobe.

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