Wann werden die Dukes - und alle anderen Teams - das Spielfeld wieder betreten? Wann werden die Dukes - und alle anderen Teams - das Spielfeld wieder betreten? Marc Junge

Corona: Auf den Deutschen Football kommen harte Zeiten zu

geschrieben/veröffentlicht von/durch  19.03.2020
Der Corona-Virus dominiert das öffentliche Leben, die Medien und auch die Sportwelt. Kaum eine Liga in irgendeiner Sportart kann ihren Spielbetrieb aufrecht erhalten. Auch Ligen, die sich in den USA aktuell in der Offseason befinden, spüren die Beeinträchtigungen der Pandemie, da wichtige Termine verschoben werden müssen oder eben ohne Zuschauer stattfinden.


Was NFL und NBA aller Voraussicht nach überleben werden, zwingt selbst Fußball-Bundesligisten dazu, sich auf Extremst-Szenarien vorzubereiten. Die DEL, die Deutsche Eishockey Liga, kündigte bereits an, ohne staatliche Hilfen nicht überleben zu können. Nicht besser sieht es in der GFL und in nahezu allen deutschen Football-Ligen aktuell aus. Denn, wann wieder gespielt, in einen normalen Spielbetrieb zurückgekehrt werden kann, ist vollkommen offen.

“Wenn die Saison komplett abgesagt werden muss, wird es den Verein nicht mehr geben“, sagte Dukes-Teammanager Michael Krüper aktuell gegenüber dem Donaukurier. Eugen Haaf setzt noch einen drauf und bezweifelt den Fortbestand der GFL. Haaf ist seit der Vereinsgründung 2007 im Vorstand der Ingolstadt Dukes und gleichzeitig der Head Coach. In wenigen Jahren führte er die “Herzöge“ unter hohem persönlichen Einsatz von der untersten Bayern-Liga in die German Football League und dort in die Playoffs.

Sollte Corona jetzt das jähe Ende dieser Erfolgsgeschichte bedeuten, das Ende vieler Vereine? Um das Gesamtbild zu verstehen, muss man in die Besonderheiten des American Footballs in Deutschland schauen. Der Sport hat es nie geschafft aus dem Amateurwesen herauszukommen. Der AFVD, der deutsche Dachverband unter dem gerade erst wiedergewählten Präsidenten Robert Huber, hat auch den Football-Boom der letzten Jahre nicht genutzt, um den Sport wirklich auf eine professionellere Ebene zu heben. Zwar gibt es Livestreams in der GFL und GFL2 und auch Spielausschnitte werden rudimentär im Free-TV gezeigt, doch das volle Potenzial wurde nicht ansatzweise angekratzt.

Trotz dieser fehlenden professionellen Strukturen haben die Vereine schon allein aufgrund der Größe eines American-Football-Teams hohe laufende Kosten. Die meisten Kader umfassen mindestens 50 Spieler, die mit einem großköpfigen, selten ehrenamtlichen, Trainerstab betreut werden müssen. Hinzu kommen Stadionmieten, Kosten für Ausrüstung, Lizenzgebühren, teure Importspieler und viele weitere Abgaben. Die Dukes hatten beispielsweise am 25. April ein Vorbereitungsspiel gegen die USA Eagles geplant. Zu diesem Event wären mehrere Tausend Zuschauer erwartet worden, selbst bei einer Corona-Beschränkung auf nur 1000 Zuschauer hätte man mit Einnahmen von rund 20.000 Euro rechnen können. Geld, das dem Verein in seiner Kalkulation nun fehlt.

Wie bei so vielen Vereinen in Football-Deutschland. Die Kosten sinken zwar in den unteren Ligen, aber fehlende Zuschauer-Einnahmen können die Teams ebensowenig verkraften, wie Ausfälle von Sponsoren-Geldern. Sollte sich die Wirtschaftslage verschärfen, muss mit Firmenpleiten gerechnet werden. Die meisten Unternehmen schauen folgerichtig erstmal auf ihr eigenes Überleben, ehe sie sich Gedanken um das Sponsoring von lokalen Vereinen machen - wer will es ihnen verdenken? Überleben werden wohl nur Vereine, die es in den letzten Jahren geschafft haben Rücklagen zu schaffen. Das dürfen Vereine, die ihre erste Mannschaft noch nicht in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert haben, aber nur im geringen Maße tun. Sie sind verpflichtet, das eingenommene Geld an die Gesellschaft zurückzuführen.

Die GFL-Führung tut indes ihr aktuell Bestmögliches. Sie hat den Saisonstart auf erstmal Pfingsten verlegt, auch wenn das Bundesland Baden-Württemberg mittlerweile Sportveranstaltungen bis Mitte Juni ausgesetzt hat. Es geht darum, irgendwie in den Spielbetrieb zu kommen, schlimmstenfalls mit einer verkürzten Saison. Denn Geisterspiele sind keine Option für die Vereine, da sie eben auch zwingend auf Zuschauereinnahmen angewiesen sind. Hier holen den AFVD und die GFL die verpassten Chancen ein, American Football in Deutschland einem größeren Publikum zuzuführen. Interesse von beispielweise der ProSiebenSat.1 Media-Gruppe soll es nach Touchdown24-Informationen gegeben haben.

Wie dem auch sei – es stehen harte Zeiten bevor, auch für den Football in Deutschland. Hoffen wir, dass neben möglichst vielen Menschen auch viele Vereine in Deutschland die Pandemie überstehen werden.

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Heft 32 Ausgabe APR 2020 Deines American Football Magazins TOUCHDOWN24.



Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.

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