Kellen Mond im Texas Bowl 2019 Kellen Mond im Texas Bowl 2019 Imago Images / ZUMA Wire / Trask Smith

Mond & Newman auf den Spuren von Dak Prescott

geschrieben/veröffentlicht von/durch  19.02.2021
Dak Prescott, Derek Carr, Kirk Cousins, Russell Wilson und Tom Brady teilen eine Gemeinsamkeit. Allesamt wurden sie nicht in der ersten Runde ihres Jahrgangs gedraftet und trotzdem sind sie Starter in der NFL. Der Draft bietet keine Garantien und im weiteren Verlauf werden die Chancen immer geringer, noch einen zukünftigen Franchise Player zu ergattern. Doch kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, weshalb es sich lohnt, auch in diesem Jahr auf die zweite Reihe an Quarterbacks zu schauen.

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In der letzten Woche behandelte diese TOUCHDOWN24-Kolumne die potentiellen Quarterbacks der ersten Runde im NFL Draft 2021. Nach eifriger Überlegung finden sich an Tag Zwei und Drei ein paar unterbewertete Quarterbacks, die in der Gunst einiger Scouts und General Manager noch steigen dürften. 

Kellen Mond / Quarterback, Texas A&M

Zwei Fragen stellten sich vor der abgelaufenen Saison. Ist Kellen Mond ein passgenauer Quarterback und ist er ein qualitativer Spielmacher? Ersteres versuchte Mond mit der statistisch genauesten Saison seiner Karriere und zweiteres mit einem beeindruckenden Showdown gegen Kyle Trask und dessen Florida Gators zu beantworten. Doch ist auch eine Completion Rate von 63,3 Prozent nichts beeindruckendes und ein phänomenaler Auftritt im Spiel gegen Florida verblasst schnell, wenn man bereits eine Woche später gegen Mississippi State wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird und gegen die desolaten 2020er LSU Tigers überhaupt nichts zustande bringt.

Optimisten sehen ihn als nächsten Ryan Tannehill. Andere setzen ihn pessimistisch in die Kategorie Joshua Dobbs. Seine Leistungen deuten an, dass er das Zeug zu einem Top Starter mitbringt. Dagegen stehen durchwachsene Performances, wie gegen Auburn oder Georgia, die es im jetzigen Stadium seiner Entwicklung einfach nicht mehr geben sollte. 

Mond ist ein erfahrener Passer aus der Shotgun und Pistol Formation. Der gut gebaute Quarterback bringt ordentliches Armtalent für das nächste Level mit. Die Genauigkeit auf kurzen und mittleren Ebenen ist gut. Sein Ball Placement ist solide. Er bringt seine Receiver nicht in aussichtslose Situationen, hilft ihnen aber auch nicht unbedingt. Insgesamt ist es also ein Problem. Mond kann mit leichten Bewegungen oder spritzigen Ausbrüchen die Plays so erweitern, wie es sein Team benötigt, um neue First Downs zu erzielen und bietet somit das berühmte Upside ab der zweiten Runde. Der Quarterback muss dafür Defense Schemata kennenlernen und das Spiel schneller verarbeiten. Kann der gute Athlet mit gehörigem Armtalent sein Spiel entwickeln, hat er immenses Potential, dass er bisher am College allerdings nie konstant abrufen konnte, sondern lediglich aufblitzen ließ.

Jamie Newman / Quarterback, Wake Forest

Nachdem er im Frühjahr nach Georgia transferierte, setzte Newman die Saison aus und hatte keinen einzigen Einsatz im Trikot der Bulldogs. Auch der Senior Bowl vor einigen Wochen führte den schillernden Dual-Threat Quarterback nicht zurück in die Erstrundendiskussion.

 

Bereits 2018 setzte er seinen Fußabdruck auf die College Landkarte, als er in sechs Starts 60 Prozent seiner Pässe für 1.083 Yards und neun Touchdowns vervollständigte. Obendrein erlief er vier weitere Touchdowns und erzielte insgesamt 247 Yards auf dem Boden. Jetzt könnte er trotzdem bis zum dritten Tag warten, ehe er seinen Namen im Draft hört.

Beste Genauigkeit und Ball Placement spiegeln sich auf kurzen und mittleren Routen wieder. Tiefe Pässe und Würfe an die Außenlinie sind aber inkonstant, was nicht zuletzt auch an wackeligen Passmechaniken liegt. Er agiert furchtlos in der Pocket, selbst wenn diese komplett zusammenbricht und vertraut seinem Armtalent öfter als man es von einem Dual-Threat Quarterback erwartet. Die Beinarbeit ist dort aber ausbaufähig. Daran wird er zu arbeiten haben, will ein Team langfristig auf seine durchaus passablen Pocket Passer Fähigkeiten bauen. Sein Spiel ist unterm Strich inkonstant und er verpasste die Gelegenheit, nach dem Transfer zu den Georgia Bulldogs in einer professionellen Offense, viele Fragezeichen aus dem Weg zu räumen. Seine Entwicklung steht daher auf dem Prüfstand. Dennoch sollte niemand überrascht sein, wenn Fans an NFL Sonntagen plötzlich seinen Namen hören. Das Potential und eine brüchige Football-Biografie, die schwankende Leistungen begründet, ist gegeben. 

Feleipe Franks / Quarterback, Arkansas

Das Bowl Game gegen TCU fiel leider aus. Dies wäre ansonsten eine letzte besondere Gelegenheit gewesen, sich für den kommenden Draft als Quarterback der Arkansas Razorbacks auszuzeichnen. Mit 1,98 Meter Körpergröße und 104 Kilogramm Gewicht fällt der SEC Transfer auf jeden Fall in das Beuteschema etlicher Entscheidungsträger in der NFL und erhielt zurecht eine Einladung zum Senior Bowl.

Franks hat ein vielseitiges Armtalent für unterschiedliche Würfe. Dazu bietet er prototypische Körpermaße und lässt in gelegentlichen Highlights, punktuell sein großes Potential aufblitzen. Als ehemaliger Starter der Florida Gators wurde er nach eigener Verletzung von Kyle Trask verdrängt und transferierte nach Arkansas. Er wird bestimmt im Draft an Tag Drei ausgewählt und sich für einige Zeit am hinteren Ende des Rosters halten. Deutet er sein Talent dann nicht nur an, sondern schafft es endlich ein Gesamtpaket konstant auf den Platz zu bringen, ist er die große Überraschung seines Jahrgangs. Wechselnde Teams und Quarterback Coaches haben es bisher nicht hinbekommen. Daher steht ein großes Fragezeichen hinter seiner zukünftigen Entwicklung.

Sam Ehlinger / Quarterback, Texas

Im Senior Bowl beeinträchtigte ihn gewiss noch eine Schulterverletzung, die er zum Jahreswechsel im Alamo Bowl erlitten hatte. NFL Scouts hätten den erfahrenen Dual-Threat Quarterback der Texas Longhorns gern in Topform erlebt.

Über all seine Jahre hat sich Ehlinger als Pocket Passer immer weiterentwickelt. Doch schien er immer wieder Probleme zu bekommen, wenn er sich nicht auf seine hohe Mobilität verlassen durfte. Für die NFL ist er nicht athletisch genug, um weiterhin sein Heil in der Flucht zu suchen. Als Backup ist der absolute Führungsspieler definitiv ein Gewinn für jeden Locker Room. Verbessert er seine Pocket Präsenz weiterhin und holt aus seinem Arm das Maximum heraus, erlebt er vielleicht noch seinen späten Durchbruch. Ein, vielleicht zwei besondere Spiele reichen manchmal dazu aus, um eine Ehlinger-Mania auszulösen.

Weitere Erwähnung: Malik Cunningham (Louisville Cardinals), Ian Book (Notre Dame Fighting Irish), Peyton Ramsey (Northwestern Wildcats) 

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.

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