Roger allein zuhaus` - der NFL Draft 2020 Roger allein zuhaus` - der NFL Draft 2020 imago images / UPI Photo

Tiefe Einblicke - die etwas andere Draft-Analyse

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Alex Kieser 26.04.2020
Nun ist er also Geschichte, der erste virtuelle Draft der NFL. Beleuchten wir diesen doch einmal abseits der Joe Burrows und Chase Youngs. Was war gut? Was war schlecht? Welche Randgeschichten fallen auf? Eine (nicht immer ganz ernst gemeinte) Analyse…
Der Draft steht traditionell für viel Tamtam, für Glamour, für Spektakel. All das fehlte in diesem Jahr. Nun wurden die Spieler also nicht per Ponton Richtung Bühne vorm Bellagio-Hotel geschippert. Stattdessen gab es durchaus interessante Einblicke in die trauten vier Wände der Spieler und Verantwortlichen. So erfuhren wir, dass in Bill Belichicks Abwesenheit sein Hund die Entscheidungen trifft, John Harbaugh ein Faible für Vogelhäuschen hat und in Andy Reids Kleiderschrank nicht nur ein wunderschönes Hawaiihemd hängt.

Was an Glamour fehlte, wurde durch Herz und Emotionen ersetzt. Da gab es Momente wie diesen, als Cesar Ruiz (seines Zeichens Center und damit durchaus etwas kräftiger gebaut) erfährt, dass er an Stelle 24 gepickt wurde und daraufhin von seinen Gefühlen überwältigt wurde. Wer mag es ihm verdenken, verlor er doch 2007 als kleiner Junge seinen Vater und widmet ihm seitdem seine Karriere.

Oder der Moment, in dem Linebacker Alex Highsmith von den Steelers ausgewählt wurde und er und seine Familie daraufhin vor Freude komplett durchdrehten. Andere freuten sich weniger, beispielsweise Cornerback Jaylon Johnson, der nicht sonderlich glücklich wirkte, als ihn die Bears auswählten. Überhaupt waren diese Einblicke ungewohnt, aber durchaus interessant. Es brachte den gemeinen Fan viel näher an die Spieler und ihre Familien heran. Das Ganze hat durchaus seinen Reiz und man sollte zumindest einmal darüber nachdenken, diese Form beizubehalten.

Was bleibt noch festzuhalten? Auch wenn man als Commissioner der NFL Millionen verdient und sich durchaus in regelmäßigen Abständen neues Mobiliar leisten könnte, so hat auch Roger Goodell seinen Lieblingssessel, in dem er laut eigener Aussage, seit 30 Jahren Football schaut. Eben auch nur Menschen! Von Menschen zu Mansion: Kliff Kingsbury schoss den Vogel ab, präsentierte er sich doch mit Abstand am pompösesten. In seiner Luxusvilla wirkte er so, als warte er nur auf den Einzug von 20 hübschen Damen, um dann fleißig Rosen zu verteilen. “Hi, ich bin Kliff und NFL-Head Coach…“. Lassen wir das…

Und dann war da noch Matt Patricia, der meine Theorie bestätigte, dass der Bleistift WIRKLICH mit seinem Kopf verwachsen ist. Welchen Grund sollte man sonst haben, sich solch ein Teil zu Hause unter die Mütze zu stecken? Cool waren auch die ganzen Kids, die ständig durch das Bild wuselten und die Chance nutzten, sich und die entspannte Art ihrer Erziehungsbevollmächtigten zu präsentieren. Das lockerte die Sache ungemein auf.

Kommen wir nun noch zu ein paar harten Fakten: Die Patriots haben einen neuen Kicker! Justin Rohrwasser heißt der Gute und es wird spannend zu sehen, ob er die nicht ganz kleinen Fußstapfen von Stephen Gostkowski ausfüllen kann. Apropos Kicker: Mit Dominik Eberle wurde ein deutscher Spieler von den Las Vegas Raiders verpflichtet und darf das Lederei nun in der Wüste Nevadas durch die Gegend treten. So wie er sich freuen dürfte es als Undrafted Free Agent in ein NFL-Roster geschafft zu haben, dürfte Thaddeus Moss darüber etwas überrascht gewesen sein. Immerhin wurde er von nicht wenigen Experten als Mid-Round Pick angesehen. Letztendlich sicherten sich die Washington Redskins die Dienste des Sohnes von Hall of Famer Randy Moss.

Auf gleichem Wege schaffte es nun auch Bill Murray in die NFL. Dem Defensive Tackle ist aber anzuraten in New England auf schauspielerische Fähigkeiten seines Namensvetters zu verzichten. Für die größte Überraschung sorgten aber die Jets, sicherten sie sich doch die Dienste von keinem geringeren als Lamar Jackson. Der Cornerback hat allerdings auch nur den Namen mit der Offensivwaffe der Ravens gemein. Ich warte auf den Tag, an dem Lamar Jackson eine Interception von Lamar Jackson abfängt.

Und da nach dem Draft ja bekanntlich auch vor dem Draft ist, kann man sich schon jetzt auf den nächsten Draft freuen. In welcher Form dieser dann ablaufen wird, steht in den Sternen. Wird es wieder eher pompös oder so familiär wie in diesem Jahr? Ich persönlich hätte nichts dagegen, wieder nah an den Spielern und ihren Familien zu sein. Wie geht es euch? Schreibt uns doch eure Meinung zu dem Thema.

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Heft 33 Ausgabe MAI 2020 Deines American Football Magazins TOUCHDOWN24.