Hofft 2020 auch auf eine stärkere Defense: Seahawks-HC Pete Carroll Hofft 2020 auch auf eine stärkere Defense: Seahawks-HC Pete Carroll imago images / ZUMA Press

Seattle Seahawks – und es hat Boom gemacht

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Philipp Vos 28.07.2020
Die Seattle Seahawks greifen tief in die Tasche und verpflichteten den Jets-Safety Jamal Adams. Zwei Erstrunden-Pickrechte, ein Pickrecht in Runde drei sowie Bradley McDougald werden nach New York geschickt – ein stolzer Preis, doch ist dieser auch gerechtfertigt? Und was bedeutet dieser Trade allgemein für die beiden Franchises?
Ein Kommentar von Philipp Vos

Es dürfte so ziemlich der Trade des Jahres sein, mit einem lauten Knall sicherten sich die Seahawks die Dienste von Jamal Adams. Dieser wird so zur neuen Hoffnung für das Defensive Backfield in Seattle und lässt die Franchise aus dem Nordwesten bereits jetzt von der Legion of Boom 2.0 träumen. Zwar verfügte man mit Bradley McDougald, welcher im Gegenzug für Adams nach New York geschickt wurde, bereits die vergangenen Jahre über einen grundsoliden Spieler auf dieser Position, aber Adams ist hier nochmals ein ganz anderes Kaliber. Der junge Defensive Back, welcher noch unter seinem Rookie-Vertrag spielt, war bereits seit Tag eins ein absoluter Anführer in der Verteidigung der Jets. Bemerkenswerte Schwächen sucht man in seinem Spiel vergebens. Er kann sowohl in der Box nahe der Line of Scrimmage den Lauf verteidigen und entscheidende Tackles setzen, aber auch gegen den Pass gehört er aktuell zu den besten Safties der NFL. Zwar ist er nicht ganz so stark in Coverage wie Earl Thomas oder so ein resoluter Tackler wie Kam Chancellor, aber eben ein sehr starker Hybrid aus beiden Spielertypen. Auch beim Blitz weiß Adams zu überzeugen, mit 6.5 Sacks wusste er in der abgelaufenen Spielzeit durchaus zu beeindrucken.

Nachdem in Seattle die Legion of Boom getrennt wurde, Kam Chancellor beendete aufgrund einer Nackenverletzung 2018 seine Karriere, Richard Sherman (San Fransisco 49ers) und Earl Thomas (Baltimore Ravens) spielen mittlerweile bei anderen Franchises, war die Defensive der Seahawks nicht mehr auf so hohem Niveau – dies soll sich 2020 ändern. Zwar scheint eine Legion of Boom 2.0 jetzt nicht unbedingt unausweichlich, aber zweifelsfrei konnte man das Defensive Backfield in der Offseason gehörig verstärken. Eine deutliche Verbesserung der zuletzt nicht immer sattelfesten Verteidigung sollte also gegeben sein. Hinzu kommt die Tatsache, dass man durch den Trade etwa zwei Millionen Dollar an Cap Space spart. Diese Ersparnis wiederum könnte man in einen erneuten Versuch investieren Jadeveon Clowney doch noch zurück nach Seattle zu holen.

Und die Jets? Die verlieren mit Adams zwar enorm an Qualität, gewinnen auf der anderen Seite aber vielleicht etwas an Ruhe. Der Safety hatte zuletzt mit seinen Äußerungen doch eher für Unruhe als für Stabilität in New York gesucht. Wiederholt machte er klar, nicht mehr mit ganzem Herzen beim Team zu sein und auch Head Coach Adam Gase und General Manager Joe Douglas waren zuletzt Ziel von regelrechten Schimpftiraden. Für einen möglichen Störfaktor unter anderem zwei Erstrundenpicks zu bekommen, das kann sich durchaus sehen lassen. Joe Douglas hat wahrscheinlich das Beste aus der Situation gemacht und für Adams, der noch ein Jahr Vertrag hatte, das bestmögliche herausgeholt. Für Adam Gase hingegen dürfte die kommende Saison nun noch etwas schwieriger werden. Nicht nur, dass Jamal Adams ihm jegliche Führungskompetenz abgesprochen hat, es dürfte sich nun auch schwer gestalten, erfolgreichen Football zu spielen in Anbetracht der Tatsache, wieviel Qualität mit dem Safety wegbricht.

Unterm Strich bleibt es abzuwarten ob es bei diesem Trade möglicherweise nur Gewinner oder gar nur Verlierer gibt. Denn auch Adams kann aktuell noch nicht als Gewinner gesehen werden, wollte er doch einen großen Vertrag. Nun muss er sich in Seattle beweisen und auch bei den Seahawks selbst bleibt abzuwarten wie gut das Projekt Legion of Boom 2.0 zünden wird.

6,50 € inkl. MwSt.



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