Wo landet Jadeveon Clowney? Wo landet Jadeveon Clowney? imago images / ZUMA Press

Jadeveon Clowney – oder wieviel Geld man braucht, um glücklich zu sein

geschrieben/veröffentlicht von/durch  05.04.2020
Jadeveon Clowney ist, lässt man die gängigen Quarterback-Namen wie Cam Newton oder Jameis Winston mal raus, der wahrscheinlich größte Name unter den verfügbaren Spielern im Free-Agent-Markt.
Und ohne Zweifel gehört der 27-Jährige auch zu den gefährlichsten Outside Linebackern der Liga. Allerdings scheinen seine Gehaltsvorstellungen seinen aktuellen Marktwert zu übertreffen. Der letzte Spieler, der sich dabei verspekulierte, war Runningback Melvin Gordon.

17 Millionen US-Dollar im Jahr sollen die Miami Dolphins für die Dienste des Pass Rushers geboten haben. Die Seattle Seahawks, das Team bei dem Clowney 2019 aktiv war, soll auf bis zu 18 Millionen Jahressalär gegangen sein. Einen Vertrag unterschrieben hat Clowney dabei indes nicht. Dem Vernehmen nach soll seine Gehaltsvorstellung bei 20 Millionen per anno liegen. Clowney lässt sich damit auf ein gewagtes Pokerspiel ein.

Einem Fan zu erklären, was einen Spitzensportler dazu veranlasst, auch noch um die letzte Million in seinem Vertrag zu streiten, fällt indes schwer. Die meisten Kinder haben wahrscheinlich einmal davon geträumt, irgendwann – wenn man groß ist - “Millionär“ zu sein. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt, wie früh der Nachwuchs damit auf monetäre Werte getrimmt wird. Häufig bereits, ehe andere Werte wie Respekt, Ehrlichkeit oder Dankbarkeit vermittelt werden.

Dankbarkeit ist dabei ein gutes Stichwort. Die Seattle Seahawks holten Clowney vor einem Jahr – im August, vor Saisonstart - von den Houston Texas an die Westküste. Der Spieler hatte damals bei den Texans vergeblich um seinen Wunschvertrag gefeilscht und hatte kurz darauf den bei den Spielern unbeliebten Franchise Tag erhalten. Clowney gab aber von Beginn an zu verstehen, dass er nicht gewillt sei, diesen zu unterzeichnen und fortan nochmal für Houston aufzulaufen.

Die Seahawks ließen sich den Trade immerhin zwei Spieler und ein Drittrundenpickrecht kosten und ermöglichten Clowney so, in der letzten Saison Football spielen zu können, ohne sein Gesicht zu verlieren. Natürlich verbunden mit der Hoffnung, dass man sich nach der Saison auf ein langfristiges Engagement verständigen könne. Diese kommt nun bei kolportierten 18 Millionen pro Jahr – bis dato – nicht zustande. Eine große Dankbarkeit, dass Seattle ihn damals aus seiner Situation in Houston befreit hatte, war nicht zu verspüren. Aber vielleicht erwarte ich da auch zuviel, ist ja letztendlich ein Business, in dem es um harte Fakten geht.

Apropos “harte Fakten“: Clowney spielte in der vergangenen Saison nur in 13 von 16 Spielen und nur elfmal als Starter – zum Saisonende hatte ihn eine Muskelverletzung behindert. Seine Produktivität mit nur 3 Sacks bei einer überschaubaren Pressure-Rate war verbesserungswürdig. Allerdings, so viel spricht trotzdem für ihn: Clowney war 2019 der einzig ernstzunehmende Pass Rusher der Seahawks und wurde entsprechend auch häufig zu zweit verteidigt. Zudem war er in den Playoffs ein Faktor für die Seahawks, hier machte er gegen die Philadelphia Eagles und die Green Bay Packers seine besten Saisonspiele. Dennoch sei erwähnt, dass er in nun sechs Jahren NFL nur in einer einzigen Saison - 2017 – alle Spiele auf dem Feld stand.

36.00 EUR
6 Ausgaben Deines American Football Magazins zum Vorteilspreis


Also: Wieviel Geld ist Clowney nun wert? Sind 18 Millionen im Jahr wirklich zu wenig? Oder ist eine Forderung von 20 Millionen US-Dollar total überzogen? Wo sortiert man Clowney im Ranking seiner Position ein? Khalil Mack von den Chicago Bears ist mit 23,5 Millionen im Jahr aktuell Spitzenverdiener auf dieser Position. Dahinter rangieren Von Miller (Denver Broncos/19 Millionen), Dee Ford (San Francisco 49ers/17,1 Millionen) und Olivier Vernon (Cleveland Browns/17 Millionen). Natürlich muss man auch mit einbeziehen, wann ein Vertrag unterschrieben wurde und ob diese Schriftstücke nicht schon überzogen teuer - oder viel zu günstig - waren.

2019 unterschrieben unter den Spitzenverdienern der Outside Linebacker Dee Ford, Za`Darius Smith (Green Bay Packers) und Anthony Barr (Minnesota Vikings) neue Verträge, um mal drei herauszunehmen. Ford hatte seine Probleme in San Francisco, war auf dem Platz in nur 11 Spielen trotzdem produktiver. Smith (16,5 Millionen/Jahr) spielte eine Fabel-Saison, Barr (13,5 Millionen/Jahr) hatte hingegen eher eine verhaltene Saison. Wo aber sortiert man nun Clowney ein? Ehrlicherweise werden zehn Experten dazu zehn Meinungen haben, ich persönlich sehe Clowney von der Leistung hinter Ford und Smith.

Bezieht man aber den steigenden Cap Space mit ein und einhergehend damit die Tatsache, dass Verträge von Jahr zu Jahr nunmal teurer werden, dann finde ich die 17 Millionen der Dolphins sehr angemessen und die 18 Millionen der Seahawks schon fast etwas drüber. 20 Millionen sehe ich bei Clowney beim besten Willen nicht. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass sein Pokerspiel aufgehen wird. Spätestens wenn ein Team beim Draft den erhofften Pass Rusher verpasst und noch genug Taler in der Portokasse hat. Runningback Melvin Gordon schlug 2019 bei den Los Angeles Chargers ein Angebot von 10 Millionen im Jahr aus, um nun für 8 Millionen im Durchschnitt pro Jahr bei den Denver Broncos zu unterschreiben. Aber der Markt für Runningbacks ist eine eigene Geschichte.

Wo wird Clowney also landen und wird er seinen Wunschvertrag von 20 Millionen bekommen? Russell Wilson, Seattles Quarterback, hofft auf einen Verbleib, unterdessen sollen die New York Jets mit Clowneys Berater in Kontakt stehen. Forbes bringt da einen interessanten Gedanken ins Spiel: Die Cleveland Browns könnten Olivier Vernon entlassen und so 15,5 Millionen US-Dollar einsparen. Und bei allem Respekt vor Vernon, seinen Teufelsvertrag (5 Jahre/85 Millionen), den er 2016 noch bei den New York Giants unterschrieben hat und den die Browns 2019 übernahmen, konnte der 29-Jährige auch aufgrund von Verletzungen nie rechtfertigen. Clowney würde ein klares Upgrade bedeuten und die 4,5 Millionen Dollar an Differenz in beiden Gehältern ließe sich so dann doch rechtfertigen. Und: Ein Pass Rush mit Jadeveon Clowney auf der einen Seite und Myles Garrett auf der anderen wäre wirklich spannend. Also, auf geht`s, Browns - macht Clowney glücklich!


Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.

Dein Warenkorb

Gesamtsumme:   0.00 EUR
Zum Warenkorb

TOUCHDOWN24 im Abo

td24 abo 300x300

Anzeige

Händler finden