"Alea iacta est“ – American Football in Zeiten von Corona

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Mike Lemon 06.08.2020
Es findet kein Spielbetrieb in der German Football League in 2020 statt! Eine Nachricht wie ein Paukenschlag als Abschluss einer durchaus langen und in Teilen höchst emotional geführten Diskussion im Football-Deutschland 2020.
Ein Gastkommentar von Mike Lemon

Die für alle Sportarten schwierige Situation zwischen Abstandsregeln und Hygienekonzepten, der Diskussion um Geisterspiele und Lockerungen von Maßnahmen zur Vermeidung des Ansteckungsrisikos schlägt alle bisherigen Hürden und Unwegsamkeiten.

Unsere Sportart mit einem hohen Personalansatz an Spielern und Betreuern, dazu noch mit Kontakt der Spieler untereinander und zusätzlichen Anforderungen durch Ausrüstung, Helm und Bissschutz ist nicht so einfach in die Sportartenliste der "Durchführbaren Sportarten im Spiel- und Trainingsbetrieb“ einzuordnen.

Wurde verbandsseitig das Horrorszenario eines Absturzes in die Bedeutungslosigkeit bei einem nicht stattfindenden Spielbetrieb in 2020 von Beginn an aufgezeigt, so bleibt am Ende der Diskussion und der Entscheidung, den Spielbetrieb in der GFL 2020 abzusagen, ein weitaus größerer Schaden zurück.

Die durch den Bundesverband in den Jahren seit 2015 durch Auslagerung wesentlicher Aufgaben in wirtschaftliche Tochterunternehmen betriebene angeblich gesicherte finanzielle Unabhängigkeit ist misslungen. So zeigt die Pandemie 2020, dass Absicherung nicht nur eine finanzielle Seite hat. Das stattgefundene Krisenmanagement hat vollkommen versagt, sowohl in der Außendarstellung als auch in der Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Bis zum Schluss uneinsichtig und nicht aktiv handelnd, wurde der Bundesverband durch den letztendlich auf Ebene der Vereine stattgefundenen Beschluss vor vollendete Tatsachen gestellt.

Mit seinem Verhalten hat der AFVD eine tiefe Kluft zwischen den Mitgliedsvereinen und der eigentlich ausschließlich für die Vereine vorhandenen Dachorganisation aufgetan. Ob nun die Interessen der vier GmbHs, einer Genossenschaft und noch einer Untervereinsorganisation außerhalb des AVFD, dessen aktive Position "Pro Spielbetrieb“ motivierten, oder vielleicht auch nur die eine private GmbH mit erheblichem Anteil der bisher eher undurchsichtigen Organisation des wirtschaftlichen Netzwerkes hinter dem AFVD, wird sich erst noch zeigen. Immer wiederkehrende Namen in diesem Geflecht des Vereines AFVD+, beginnend bei dem Präsidenten, Geschäftsführer und Vereinsvorsitzenden in Personalunion, lassen zumindest Raum für Spekulationen und werden zu Nachfragen führen.

"Läuft es mal nicht so gut“ werden umgehend Stimmen nach Verlierer und Gewinner laut. Definitiver Gewinner sind die Vereine und, wenngleich nicht augenscheinlich, der Sport American Football in Deutschland. Die Vereine besinnen sich auf ihre Stärke und ihre Verantwortung gegenüber ihren Sportlern und Fans. Dem Sport wird dies zukünftig guttun, wenn die Vereine stärker in ihrer Organisation nach außen treten. Auch die Forderung des Blickes hinter die Kulissen der AFVD+ Organisation lässt Gutes erwarten.

Ob es nun tatsächlich einen Verlierer gib, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Im Abschneiden eher auf den unteren Rängen angesiedelt erscheint der Bundesverband. Ohnehin schon mit geringer Lobby nach außen national und international, verweigern ihm nun seine Vereine auch noch die Gefolgschaft. Die Entwicklung der letzten 25 Jahre ging zwar nach vorne, aber die Ergebnisse des Sommers 2020 zeigen, wohl eher in eine falsche Generalrichtung. Fehlende Präsenz in den Medien, eine erheblich geschwächte bis nunmehr gar nicht mehr vorhandene Vertrauensbasis sowie die weiterhin bestehende Uneinsichtigkeit provozieren den Ruf nach Reformen.

Bisher ungeklärt ist allerdings, ob in der GFL 2 andere Rahmenbedingungen für den Spielbetrieb gefunden wurden. Die Lösung dieses Problems könnte das Pulverfass endgültig entzünden.

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